Samstag, 27. Dezember 2014

Karten auf den Tisch: Auteur sein

Gestern war ich ENDLICH in Interstellar! Genialer Film, wirklich. Da muss man sich gar nicht abschrecken lassen, dass er dreieinhalb Stunden dauert. Ich finde, diese dreieinhalb Stunden sind gerechtfertigt, wenn man bedenkt, dass er erst einmal die Welt aufbauen muss. Man muss nachvollziehen, warum der Protagonist Cooper seine Reise ins All antritt, und was das bedeutet. Man hat als Zuschauer auch gar nicht gemerkt, dass er so lange dauert, denn wird so von dem Film mitgerissen, gedanklich und auch emotional. Visuell ist der Film atemberaubend. Der Kontrast zwischen dem Leben auf der Erde und der Reise im All ist genial. Interessant fand ich an dieser Stelle, weil man Christopher Nolans Filme eigentlich eher in einem urbanen Umfeld spielen sieht, das ist bei Interstellar anders. Schauspielerisch muss ich gar nicht viel erwähnen. Wer Matthew McConaughey in seinen letzten Projekten gesehen hat (True Detective, Dallas Buyers Club, etc.) wird nicht überrascht sein, dass er auch hier einen phänomenalen Job ablegt, genauso wie seine Kollegen Anne Hathaway und Jessica Chastain. Außerdem ist ein Nolan Film kein Nolan Film ohne Michael Caine, der hier auch wieder mitspielt und einfach klasse ist. Und der Soundtrack ist von Hans Zimmer geschrieben. Muss ich mehr dazu sagen?



Ich kann nur empfehlen: Geht in diesen Film. Schaut ihn euch noch im Kino an, falls er noch bei euch läuft. Das ist einfach eine ganz andere Erfahrung. Selbst wenn ihr die vorherigen Nolan Filme nicht mochtet.. ich habe sogar meine Eltern überzeugen können. Meine Mama, die eigentlich nicht auf so 'düstere' Filme steht, war ganz begeistert. Man Papa, der eigentlich auf Action und viel Kaboom steht, war auch positiv überrascht von diesem Film. (Und um es klar zu stellen: Es gibt sehr wenig Action und Kaboom. Nolans Filme laden zum Nachdenken ein - ziemlich anstrengend bei dieser Länge an Filmen. Aber trotzdem. Es lohnt sich.) 
Ach ja, und es handelt es sich um kein zweites Gravity. Nur, weil da Menschen in Weltraumanzügen rumschweben im All, heißt das noch lange nicht, dass sie sich 1:1 gleichen. Erzählweise und Handlung sind komplett unterschiedlich!

Ja, ich bin ein Fan. Ich liebe Christopher Nolans Filme. Ich liebe seine Arbeit sowohl als Regisseur, als auch als Autor. Erzählerisch ist der Mann genau da, wo ich irgendwann hin will. Viele Kritiker meckern, dass er zu überambitioniert ist, dass er zu viel in seine Filme packt, zu viel will, aber das finde ich gar nicht. Zumindest würde ich das nicht als 'überambitioniert' bezeichnen, sondern als mutig. Denn ich finde, er ist ein guter Erzähler, und er erzählt sorgfältig, zumindest soweit er kann. Denn durch das Medium Film ist er zwar ziemlich frei in vielen Entscheidungen, aber auch eingeschränkt. Ich denke, wenn Nolan könnte, würde er stundenlange Filme produzieren, doch das ist eben (noch) nicht die konventionelle Art, und er passt sich an. Das ist für mich nicht überambitoniert, ich denke einfach nur, dass er als Filmemacher einfach nur seine Zeit voraus ist. Damit will ich nicht sagen, dass er ein Weltklasse Regisseur ist, oder revolutionär. Das muss er gar nicht sein. Er ist ein Künstler, oder wie man ihn auch bezeichnet ein 'auteur', und das zeichnet sich aus in seinen postmodernen Filmen aus.

Von Nolan kennt ihr sicherlich Memento, The Prestige, Inception, The Dark Knight Trilogy - man merkt, dass er eben eher der Realist als der Fantast ist, und man kann seine Filme durchaus als eher düster bezeichnen - erinnern einen schon an die Noir Filme. Was ich auch sehr interessant finde, ist, dass er in sehr vielen seiner Filme oft alles macht - er schreibt, er führt Regie, er produziert. Und was er schreibt, ist meistens Originalwerk. Er adaptiert kein Buch oder ein Comic, er schreibt wirklich eigene Geschichten, er schreibt quasi Romane und verarbeitet diese in einen Film. (Ausnahme bildet The Dark Knight Trilogy - er hat sich Batman natürlich nicht ausgedacht, er leiht sich jedoch den Batman Mythos aus und schreibt daraus seine eigene Geschichte, interpretiert diesen in seinem Stil, und das ist wirklich wieder etwas, was er auf seinem Kopf zaubert.) 

Ich finde das bewunderswert. Wenn man heutzutage schaut, was in den Kinos anläuft.. Adaptionen über Adaptionen. Hier eine Jugendbuchverfilmung, da ein Superheldenfilm. Eine romantische Komödie, angelehnt an einem Frauenroman. Ich will mich jetzt nicht abgrenzen und sagen, dass ich diese Filme nicht schaue. Im Gegenteil. Ich bin ein The Hunger Games Fan, ich war letztens in Love Rosie und hab mir die Augen ausgeheult, und ich liebe Captain America. Aber sehen wir das Mal so. Wie oft sehen wir etwas Originelles, das nicht nur von irgendwo ausgeliehen ist?
Ich will damit nicht sagen, dass Nolan der einzige ist, der das tut. Worauf ich hinaus will, er tut das oft und auch sehr gut. Er schreibt seine eigenen Drehbücher, seine eigenen Geschichten und er hat das Privileg, sie selbst zu realisieren. Ich muss zugeben, da bin ich sehr neidisch. Ich, als angehende Autorin, kann nur eben ein paar Schauspieler raussuchen und so tun, als würden sie meine Figuren repräsentieren, und davon träumen, dass aus meinem Buch irgendwann ein Film wird. Nolan allerdings hat die Möglichkeit, alles wie er sich das im Kopf vorstellt, genauso darzustellen. Welcher Autor träumt nicht davon, das seine eigene erschaffene Welt zum Leben erwacht?

Deswegen ist Nolan eines meiner Vorbilder. Er ist nicht perfekt (meine Güte, wer ist das schon?), aber mir gefällt seine Arbeit sehr, und wie er seine Arbeit ausführt. Ich bin fasziniert von seinen detailliert gezeichneten Figuren, von seinem postmodernen Realismus, von der Art und Weise, wie er (Leit)Motive in seine Filme einbaut, und wie er ein offenes Ende einer Geschichte gestalten kann, und trotzdem dem Zuschauer ein Gefühl der Zufriedenheit schenkt. Deswegen sage ich: Ich will irgendwann da hin, wo er gerade ist. Er hat sogar kurze Zeit in mir den Wunsch erweckt, selbst Regisseur zu werden (wer weiß, vielleicht klappt das Mal, wenn ich irgendwie in diese Branche rutsche!), bis ich dann realisiert habe, dass ich ihn viel mehr als visuellen Erzähler bewundere, und ich hoffentlich meine Geschichten genauso anschaulich, tiefgründig, philosophisch und ergreifend schreiben kann.

Was ich oft lese, ist, dass jeder anstrebende Autor sehr viel schreiben und sehr viel lesen muss. Das ist aber, in meiner Sicht, heute nicht mehr genug. Medien wie Film und Fernsehen, sie haben sich so stark entwickelt - besonders das Fernsehen im fiktionalen Bereich - das sie sich dem literarischen Element annähern. Ich sehe das so: Als anstrebender Erzähler muss man sehr viel schreiben, sehr viel lesen, sehr viel schauen. Gute Geschichten gibt es nicht nur in gedruckter Form. Man kann sich überall etwas abgucken. Wenn man wirklich wissen will, wie man eine Geschichte erzählt werden kann, sollte sich eben verschiedene Erzählweisen 'anschauen': Lesen von Büchern, schauen von Film und Serien, Hören eines Podcasts (z.B. Welcome to Night Vale). Erzählen ist über die Schrift hinausgewachsen. 
Natürlich muss nicht jeder meine Meinung teilen. Vielleicht bin ich auch 'überambitoniert'. Vielleicht seh ich wegen meinen Herzchenaugen für Nolan nicht, was es eigentlich bedeutet, ein Erzähler zu sein. Aber vielleicht muss ich das nicht - alles, was ich möchte, ist, eine gute Geschichte zu erzählen.

Was denkt ihr? Was gehört zu einer guten Geschichte, was ist wichtig und was ist vielleicht nur nebensächlich? Findet ihr, dass man so etwas nur anhand von Romanen beurteilen kann, oder denkt ihr auch, dass Filme und Serien mittlerweile auch einen literarischen Wert haben? (Und: Habt ihr Interestellar auch gesehen und fandet ihn genauso gut wie ich? :P)

1 Kommentar:

  1. Also ich war von dem FIlm auch sehr begeistert. Einzig das Ende un den letzten Teil fand ich etwas gewöhnungsbedürftig, aber der Rest war klasse. Bisher moche ich nur Inception on Nolan richtig gerne und hab auch lang überlegt, ob ich hier ins Kino gehen soll, aber es hat sich eindeutig gelohnt.
    Liebste Grüße, Krissy
    http://tausendbuecher.blogspot.de/

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