Freitag, 23. Januar 2015

Schwarz auf Weiß: Gestörte Erzählung

Ich habe mich dieses Semester für einen "Kreatives Schreiben" Blockseminar angemeldet - etwas, was ich schon immer machen wollte! Heute hatten wir unsere dritte Sitzung und die hat mir bisher am besten gefallen. Die Sitzungen laufen im Grunde so ab, dass uns die Dozentin verschiedene Schreibanregungen gibt. Angefangen haben wir damit, dass wir uns gegenseitig in verschiedensten Formen Ideen geliefert haben (durch Klatschblätter die wir weitergegeben haben, oder wo jemand die Geschichte eines anderen weiterführt). Über die Woche mussten wir dann zu einem Bild einen kreativen Text schreiben. Ich hab ein Gedicht geschrieben (überhaupt nicht mein Gebiet), das ich bestimmt irgendwann mal hier vorstellen werde. Heute habe ich allerdings einen anderen Text mitgebracht, mit dem ich auch ein neues Format einführen möchte, das ich (hoffentlich) öfter mal anwenden werde.


Ich bin eigentlich sehr privat, was mein Geschriebenes angeht. Außer das RPG Zeug, das ich schreibe, kriegt so gut wie keiner meine anderen Sachen zu sehen. Das möchte ich in Zukunft ein bisschen ändern. Ich werde in nächster Zeit ein paar Auszüge von Projekten, an denen ich gerade arbeite, posten und mal sehen, was ihr davon haltet.
Heute präsentiere ich das, was wir heute unter "Gestörte Erzählung" behandelt haben. Wir haben eine Situation bekommen, auf die wir aufbauen sollten, und dann wurden wir mittendrin durch ein Läuten der Dozentin aufgefordert, ein von ihr gegebenes Hindernis einzufügen. Und zwar so, dass es nahtlos in die Geschichte eingebunden ist. Ich dachte mir fröhlich "Endlich kann ich mal was alleine schreiben!" Nichts, wo ich was weiterschreiben muss. Ich kann mir endlich die Figuren aussuchen, und den Schauplatz, nichts hält mich auf - außer natürlich die Hindernisse.

Die Situation: Zwei Figuren befinden sich auf einer Reise.
1. Hindernis: Ein Rosenhändler überbringt eine frohe Botschaft.
2. Hindernis: Etwas findet sich im Koffer, das da eigentlich nicht hingehört.
3. Hindernis: Eine Wahrsagerin redet wirres Zeug.
4. Hindernis: Das Foto eines der beiden Figuren erscheint auf einem Bildschirm.
5. Hindernis: "Sie" umarmt die beiden stürmisch.

Die Situation war unser Ausgangspunkt, doch die Hindernisse wurden uns beim Schreiben (!) angegeben, wir wussten nicht, was uns erwartet. Und als ich die Hinderniss gehört hab dachte ich mir "Oh, du hast wohl das falsche Setting gewählt." Denn ich dachte mir: Du schreibst jetzt eine Zombie Apokalypse. Und tja, hier sind wir nun... das ist jetzt ein längerer Text (wir hatten ca. eine Stunde zum Schreiben, die Hindernisse kamen nach ca. 10 Minuten - es ist die erste Fassung!). Würde mich freuen zu lesen, was ihr davon denkt! :)


"Zerstreut"
Es blieb ihnen keine Zeit mehr. Sie konnten nicht mehr zurück und vor ihnen war bloß die Leiter, die hinauf aufs Dach führte.
„Los“, flüsterte er ihr energisch zu. „Sie treten uns gleich die Tür ein.“
In dem Moment hörten sie ein starkes Ruckeln. Das Mädchen zuckte zusammen und stieg mit zittrigen Händen hinauf.
„Beeil dich“, drängte er. „Ich bin direkt hinter dir.“
Sie drückte die Klappe hoch und Sonnenlicht schien ihr entgegen. Frische Luft. Sie hievte sich aufs Dach und stand sogleich auf, damit sie ihrem Begleiter Platz machen konnte.
„Was jetzt?“, fragte sie mit pochendem Herzen und blickte sich um. Sie waren auf dem Dach eines von vielen Hochhäusern. Eine Sackgasse.
Doch ihr Begleiter sagte nichts. Stattdessen schloss er die Klappe wieder und sah sich ebenfalls um.
„Nick!“, rief sie um seine Aufmerksamkeit zu erlangen, doch dann fiel ihr etwas anderes ins Blickfeld und schrie auf.
Nick sah alarmiert in die gleiche Richtung. Sofort zog er seine Pistole, doch der Körper, der am Rand des Daches lag, regte sich nicht.
„Bleib da stehen“, wies Nick sie an und näherte sich dem Körper. Als er ihn näher untersuchte, ließ er die Waffe wieder sinken. „Hat einen Kopfschuss abbekommen. Der regt sich nicht mehr.“
Auch sie trat näher ran und erkannte, dass die Leiche eine Uniform trug. Jo's Blumenhandel stand auf der Jacke.
„Er liegt noch nicht lange hier. Bestimmt war er mit einer Gruppe unterwegs“, vermutete Nick. „Er hat eine Infektion am Arm.“
Sie erkannte sie. Die Infektion hatte sich über die ganze Haut erstreckt.
„Da klemmt etwas zwischen den Fingern.“ Das Mädchen nahm der Leiche den Zettel ab und öffnete ihn. „Wir sind auf dem Weg nach Norden. Dort gibt es ein Lager. Es ist unsere letzte Hoffnung.“ Als sie fertig gelesen hatte, sah sie Nick an. Dieser wandte sich nur wortlos ab.
Sie versuchte es trotzdem. „Wir müssen ihnen folgen.“
„Nein“, sagte er bestimmt und mied ihren Blick.
„Bitte.“ Die ganze Zeit hatte sie sich zusammengerissen, doch jetzt war die den Tränen nahe.
„Ruth...“, fing er an, doch er unterbrach sich selbst. Er nahm seinen Rucksack ab und fing an darin herumzuwühlen.
„Was tust du da?“, fragte Ruth verwirrt.
„Schauen, wie viele Vorräte wir noch haben.“ Doch dann hielt er in seiner Bewegung inne. „Was zum...“ Heraus kramte er eine große Puppe. „Wie kommt die denn darein?“
Ruth biss sich auf die Unterlippe und wollte schon erklären, was es damit auf sich hatte, doch in dem Moment sprang die Klappe auf und eine Horde Infizierter kam auf sie zu.
„Schnell! Die Feuerleiter!“, rief Nick und half Ruth hoch. Beide stürzten zu ihrem letzten Ausweg – gemeinsam mit der Puppe – um ihren Verfolgern zu entkommen. Ruth lief hinter Nick her, und bei der Hektik rutschte sie aus. Mit aufgerissenen Augen blickte er zurück und half ihr abermals hoch. „Komm schon“, sagte er leicht panisch und zog sie mit der Hand hinter sich her. Ruth sagte kein Wort. Sie packte die Todesangst, und auch Schuldgefühle, weil sie wusste, dass sie Nick nur verlangsamte.
Auf dem Boden angekommen waren sie jedoch noch nicht alleine.Auch hier tummelten sich Infizierte, die langsam auf sie aufmerksam wurden.
„Da lang!“, rief Nick und sie rannten die Straße entlang. Sie war übersät mit leerstehenden Autos. Hindernisse für ihre Verfolger.
Erst nach einer gefühlten Ewigkeit verlangsamten die beiden ihr Tempo.
„Nicht stehen bleiben“, sagte Nick und Ruth wusste nicht, ob er das zu ihr sagte.
Sie waren nun am Rande der Stadt. Hier und da war ein laden und langsam brach die Dämmerung ein.
„Wir sollten...“, fing Ruth an, doch sie waren immer noch nicht alleine.
Instinktiv zuckte Nick seine Pistole hervor und richtete sie dahin, woher die Schritte kamen. Eine ältere Dame kam ihnen entgegen, mit grauem langen Haar und einem Kopftuch.
„Darfst nicht warten... er wird dich verraten...“, redete die Frau vor sich hin. Ihr Blick war auf den Boden gerichtet und sie schwankte hin und her.
Ruth wollte auf sie zu gehen, doch Nick streckte seinen Arm aus um sie zurückzuhalten. „Sie sieht uns nicht. Sie ist infiziert“, flüsterte er.
Da erkannte Ruth die Wunde an dem Hals der Frau und sie bekam Gänsehaut.
Automatisch machte Ruth einen Schritt zurück, doch die Steine unter ihrem Stiefel kratzten.
Der Kopf der Frau schellte hoch.
„Tod seh ich! Und noch viel mehr! Wenn du dich nicht bald bewährst!“, jammerte die Frau nun lauter und sie kam, immer noch schwankend, nun in ihre Richtung.
Sie war blind, aber hören tat sie immer noch gut. Nick reagierte sofort. Er wandte sich zu Ruth und raunte: „Versteck dich hinter dem Auto. Ich warte dort auf der anderen Seite, bis sie vorbeigezogen ist. Wer weiß, ob sie noch Freunde hat.“
Ruth nickte. Sie mussten die Frau von ihrer Spur wegbringen. Nick warf die Puppe in eine Richtung gegen eine Stange, die dort Lärm verursachte, sodass die Frau abgelenkt wurde. Ruth schlich sich so leise und schnell sie konnte zum Auto, legte sich dahinter und versuchte, ihren flachen Atem zu regulieren. Sich zu beruhigen. So zu tun, als würde sie gar nicht mehr atmen.
Die Zeit verging viel zu langsam, bis das Murmeln der Frau endgültig erstarb. Ruth traute sich zu bewegen. Es war kein Schuss gefallen. Ist Nick überhaupt noch da?
Sie richtete sich langsam auf. Es war schon fast dunkel... Sie schaute durch das Fenster des Autos, doch Nick stand nicht mehr da, wo er sein sollte.
Er war wirklich weg.
Ruth wollte sich zusammenrollen und in Tränen ausbrechen, doch dann...
„Hier scheint die Luft frei zu sein“, wisperte es.
Ruth schrie vor Schreck auf durchbrach die Stille, als Nick plötzlich hinter ihr stand. Sie hielt sich den Mund zu – wer wusste, wen sie damit anlocken könnte?
„Was ist denn los mit dir?“ Nick sah sie mit zusammengezogenen Augenbrauen an.
Zu beschämt um einzugestehen, was sie gerade eben gedacht hatte, schwieg sie.
Nick seufzte. „Dort drüben gibt es eine alte Apotheke. Ich würde sagen, wir lassen uns dort für die Nacht nieder. Es gibt ein Tor, das wir zuschließen können.“
Ruth nickte. Ihr war alles recht, solange sie nicht alleine war.
Sie betraten die Apotheke – Ruth war vorsichtiger als Nick, der einfach da einmarschierte.
„Es waren Leute hier“, bemerkte sie, als sie sah, wie leergeräumt der Laden war.
„Vielleicht finden wir trotzdem was.“ Nick ging in den nächsten Raum, auf dessen Tür 'Nur für Personal' stand.
Ruth sah sich derweilen weiter im Laden um. Sie trat hinter die Theke, auf dem nur eine Vase verwelkter Blumen, ein Telefon und ein Computer stand. Sie wusste, es hatte keinen Sinn, dennoch drückte sie auf die On-Taste des Rechners und... er ging tatsächlich an! Auch die Lampen füllten den Raum nun mit Licht.
„Hab den Stromkasten gefunden. Ist nur eine Frage der Zeit, wie lange wir noch Saft haben...“, sagte Nick, der wieder auf dem Raum kam, doch Ruth beachtete ihn nicht.
Sie starrte auf sein Foto, das soeben auf dem Bildschirm des Computers erschienen ist.
„Ruth?“, fragte er und trat zu der Blondine heran. Doch dann sah er es selbst.
Es war eine Anzeige mit seinem Foto. „Gesucht: Nicholas Allen. 32 Jahre.“ Es war das Foto, das man von ihm gemacht hatte, als man ihn eingeliefert hatte...
„Ruth...“, fing er an und wollte ihr alles erklären, doch sie wich zurück. Ihre Augen waren erfüllt mit Angst.
„Was hat das zu bedeuten? Was hast du getan?“ All die Zeit hatte sie ihm vertraut, doch jetzt...?
Nick blieb gar nicht die Möglichkeit ihr die Wahrheit mitzuteilen, denn hinter ihnen ging eine weitere Tür auf, und als die beiden sich umdrehten – Nick mit gezückter Waffe – erkannten sie jedoch, dass es sich um keine Bedrohung handelte.
„Ich wusste doch, dass ich die Stimmen kenne! Nick, Ruth! Wir dachten, wir hätten euch verloren...“
„Jasmine...“, schaffte Nick es noch zu sagen, doch dann wurden er und Ruth von ihr in die Arme geschlossen.
„Dem Herr sei Dank. Dass ihr beide hier her gefunden habt... Wir verstecken uns im Keller. Kommt, die anderen werden es nicht glauben!“
Wie erstarrt standen die beiden da. Das Glück erreichte sie noch nicht ganz, obwohl sie wieder zu ihren Freunden gefunden hatten. Nick wollte Ruth noch etwas sagen, aber diese hatte sich schon in Bewegung gesetzt, um ihrer alten Gefährtin zu folgen.

Kommentare:

  1. Respekt! :D Der Text liest sich wirklich toll und du hast die Punkte total kreativ eingebunden. Ich hätte gleich weiterlesen wollen .. jetzt will ich wissen, warum sein Foto da auftauchte! XD
    Alles Liebe.

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    1. Vielen lieben Dank! <3
      Ja, ich bin auch ganz überrascht, dass diese doch komischen Elemente einen Platz in der Geschichte gefunden haben. Als das mit dem Rosenverkäufer kam dachte ich mir nur "Ne, oder?" Die waren bei mir auf dem Dach verfolgt von Zombies, das passt jetzt irgendwie gar nicht. :DD
      Freut mich aber, dass dir der Text gefällt und er dich zum weiterlesen anregt! Wer weiß, vielleicht schreibe ich das mal irgendwann weiter. Dazu müsste ich mir ein eigenes Zombie-Konzept überlegen - ich lass es mir auf jeden Fall hin und wieder durch den Kopf gehen und wer weiß, vielleicht bekomme ich ja eine Erleuchtung :)
      Alles Liebe <3

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  2. Das ist echt cool!!! Die Punkte, die eigtl "nicht" dazugehören, passen wie die Faust aufs Auge O.O Ich bin wirklich beeindruckt und finde es liest sich nicht anders, wie als hätte das ein "echter" Autor geschrieben. :))) Und das auch noch unter Druck zu schreiben, stelle ich mir noch schwieriger vor. Du hast wohl definitiv Deine Berufung gefunden :D

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