Montag, 30. März 2015

Through The Booking Glass: The Kite Runner

Und schon wieder ist ein Monat rum! Irgendwie vergeht die Zeit so schnell momentan. Aber vielleicht ist es auch einfach nur so, wenn man Rund um die Uhr zu tun hat. Nächste Woche sind meine Semesterferien auch schon vorbei und da geht der Stress wieder von vorne los! Zumindest habe ich einigermaßen meine Lesemuse wieder gefunden, was ich teilweise auch folgendem Buch zu verdanken habe...

Diesen Monat lautete das Motto ANDERE SCHAUPLÄTZE und dafür habe ich mir "The Kite Runner" von Khaled Hosseini ausgesucht. Den Originalpost vom Anfang des Monats könnt ihr hier nachlesen!


Worum geht's?

I became what I am today at the age of twelve, on a frigid overcast day in the winter of 1975.

Nichtsahnend wird der Leser mit diesem Satz in die Geschichte eingeführt. Ich-Erzähler ist Amir, der in Kabul, Afghanistan als Sohn eines Kaufmanns und als Paschtun aufwächst. Es geht um ihn und seinen besten Freund Hassan, der wiederum Angestellter in seinem Zuhause ist, und ein Hazara - eine Kaste, die oftmals diskriminierend und 'niederwertig' behandelt wird. Trotz verschiedener Klassen, Religionen, Ethnizitäten und politischen Krisen  freunden sich die beiden 12jährigen an. Dabei merkt man sofort, dass Amir der 'gebildetere' von den beiden ist, denn er zieht Hassan öfter mal damit auf, wenn dieser nicht lesen kann oder ein Wort nicht kennt. Dennoch machen sie beim Drachenlaufen immer ein gutes Team: Während Amir versucht die Drachen einen nach den anderen abzuschneiden, läuft Hassan für ihn und fängt die besiegten Drachen. Für Amir ist es besonders wichtig, das diesjährige Tunier zu gewinnen, weil er daraufhin hofft, die Anerkennung seines eher abweisenden Vaters zu gewinnen, weshalb ihm da jedes Mittel recht ist, damit das auch passiert. Und als Hassan dann den einen Drachen für ihn läuft und fängt, ab da - wie Amir schon im ersten Satz sagt - fängt die Geschichte erst richtig an.

In seiner Geschichte bekommen wir nicht nur sehr viel von Amirs Freundschaft zu Hassan und sein Verhältnis zu seinem Vater mit, sondern man erfährt auch sehr viel über die Gesellschaft Afghanistans in den 70er Jahren, vor allem bevor die Sowjetische Armee eingefallen war. Amir und sein Vater ziehen in dieser Krise nach Amerika und als Amir nach Jahren zurück nach Kabul zurückkehrt, ist seine schöne Heimatstadt kaum wiederzuerkennen... durch den Sowejetischen-Afghanischen Krieg und den darauf anschließenden Abzug der Sowjetischen Truppen ist der Staat endgültig zusammengebrochen, was zu einem Bürgerkrieg führte, der von 1989 bis 2001 stattfand. Daraus entstanden auch die Taliban, die dann an die Macht gelangten und totalitär regierten. Man erfährt quasi aus erster Hand, wie es bei solchen Zuständen zuging und welche Grausamkeiten Menschen anderen Menschen antun - und unter all diesen Ereignissen versucht Amir Erlösung zu finden.

Erwartungen vs. Realität

Das Buch hatte ich schon länger auf meiner Noch-Zu-Lesen-Liste, und da das Los sich für diesen Monat für "Andere Schauplätze" entschieden hat, war für mich das Buch auch die ideale Wahl: Bei Hosseini handelt es sich um einen afghanischen Autor und die Hälfte des Buches spielt auch in Afghanistan. Mich hat das Thema ohnehin schon interessiert, weil ich geschichtlich überhaupt nichts von Afghanistan wusste. Alles was ich noch von damals wusste, war, dass damals Krieg geherrscht hatte und sich das Land seine Unabhängigkeit erkämpfen musste - natürlich waren Taliban und Al-Qaida ebenfalls ein Begriff für mich, ich habe nur noch nie den Zusammenhang richtig erfassen können.

Ich bin ehrlich gesagt erstaunt darüber, wie Hosseini es geschafft hat, eine Geschichte zu schreiben die derart ergreifend ist und gleichzeitig deutlich zu machen, was damals in Afghanistan passiert ist und wie es die Leute betroffen hatte. Ich habe Amir sehr ins Herz geschlossen. Er zeigt, dass jeder Mensch seine Fehler hat und Fehler macht und es hat mich traurig gemacht, dass er das, was er als Kind getan hatte, immer mit sich hatte herumschleppen müssen und sich die Schuld für etwas gab, wofür er nichts konnte. Denn immer wieder wird deutlich, dass nicht die Welt grausam sein kann, sondern auch die Menschen, die in ihr leben - und viel zu oft vergessen wir, dass wir einfach machtlos dagegen sind, und die Schuld stattdessen bei uns suchen.

Hassan ist vermutlich einer meiner liebsten Buchfiguren. Seine Geschichte hat mich quasi auseinander gerissen, weil sie so schön und gleichzeitig traurig und schmerzhaft war. Mir ging es da wie Amir, der, genauso wie der Leser, etwas erfährt was er überhaupt nicht geahnt hatte. Das alles hinterlässt einen bittersüßen Nachgeschmack, denn: Das Buch ist gnadenlos. Es stellt die Realität dar, wie sie damals gewesen war. Vom Krieg, bis zur Armut, bis zu den Anzahl der Toten. Bei diesen schwierigen Zeiten kann man auf kein Happy Ending hoffen, aber man kann darauf hoffen, dass einem verziehen wird und man eine Chance bekommt, seine Fehler wieder gut zu machen, manchmal sogar auf eine Weise in der man es selbst nicht erwartet.

Ich war ein wenig nervös, weil ich das Buch auf Englisch gelesen habe, aber die Sprache ist recht einfach zu verstehen. Besonders hat es mir gefallen, dass Hosseini afghanische Begriffe eingebaut (und natürlich erklärt) hat, ohne, dass es zu verwirrend war, im Gegenteil, es hat perfekt gepasst. Es hat vor allem dazu beigetragen, die Kultur und Religion der Paschtunen zu erleben und zu verstehen. Vor allem war es mal eine andere Erfahrung ein Buch zu lesen, das nicht in einer westlichen Kultur spielt und andere Werte aufzeichnet, die man sonst eigentlich kennt. Für mich persönlich hat das Buch einen hohen Stellenwert und ich bin sehr froh darüber, dass ich es gelesen habe - nicht nur wegen der unfassbar schönen Geschichte, sondern auch, dass ich nun mehr über andere Völkergruppen in Erfahrung bringen und ihren Hintergund verstehen konnte. Ich habe einen Einblick bekommen, welche Auswirkungen Krieg haben kann - man sieht vor allem hier, dass Geschichte sich immer wiederholt. Sobald eine fremde Macht versucht, sich in die Angelegenheiten eines anderen Landes einzumischen, läuft alles aus dem Ruder - die Taliban und al-Qaida sind nicht die letzten, wenn man bedenkt was heutzutage in der Welt los ist. Selbst mit einem geringen politischen Verständnis erkennt man da ein Muster, was ich auch sehr erschreckend fand.

Fazit

Selbst wenn man geschichtlich und politisch nicht unbedingt informiert ist, würde ich trotzdem jedem empfehlen, dieses Buch in die Hand zu nehmen - das Leben von Amir und Hassan kann gar nicht anders, als einen zu berühren und mitnzunehmen. Es beleuchtet so viele Facetten was Entscheidungen, Versöhnung, Vergebung und Wiedergutmachung anbelangt und Khaled Hosseini schafft es mit wenigen Worten Dinge einfach auf den Punkt zu bringen.

Meine Bewertung lautet deshalb:


Zuletzt noch mein Lieblingszitat: 
"For you, a thousand times over."

Das nächste TTBG Thema wird diese Woche noch bekannt gegeben. Und wieder seid ihr dann herzlich eingeladen, mitzumachen - je mehr, desto besser! :)

Kommentare:

  1. Hallo Sanne,

    das Buch subbt bei mir auch noch, aber ich hatte bisher noch nicht das Bedürfnis es zu lesen, aber das kommt sicher noch ;)

    Ich finde es sehr spannend ab und an mal Bücher aus anderen Ländern zu lesen, nicht immer Deutschland, die USA oder Großbritannien.

    Hach ja, dass es wohl ein sehr emotionales Buch ist, ist ein Grund, warum das Buch schon so lange subbt. Ich bin für traurige Geschichten nicht so sehr gemacht.

    Danke für die tolle Rezension. Da bekomm ich ja doch Lust das Buch bald zu lesen :)

    Grüße,
    Julia

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    1. Hey :)

      Genau, das fand ich nämlich auch. Deswegen war ich auch ganz froh darüber, für diesen Monat im TTBG das Motto gezogen zu haben!

      Es ist definitiv emotional. Ich war zum Glück darauf vorbereitet, aber es gab schon einige Stellen die mich trotzdem sehr getroffen haben. Es lohnt sich auf jeden Fall es zu lesen, es liest sich auch sehr leicht, wie ich finde.

      Danke dir! Das freut mich :)

      Liebe Grüße!

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