Samstag, 9. Mai 2015

Rezension: The Heir (The Selection, #4)

Hurra! Eine Rezension! Moment Mal.. was?! Ich schreibe eine Rezension!? Ich kann's selbst kaum fassen. Ich werde mich auch gar nicht daran gewöhnen, weil ich nicht weiß, wie oft ich dazu Lust habe und wie es mit der Zeit aussieht. Und da es sich dieses Mal um ein Buch handelt, in das mehrfach einige Erwartungen gesteckt werden, dachte ich, dass ich meine Mayo dazu gebe (weil ich Senf nicht mag).

Im Nachfolgenden wird Bezug zu den ersten drei Teilen der Reihe (The Selection, The Elite, The One) genommen. Wer die Reihe noch nicht gelesen hat und nicht gespoilert werden will, sollte nicht weiterlesen. :)

Titel: The Heir
Dt. Titel: Selection - Die Kronprinzessin
Autor: Kiera Cass
Verlag: Harper Teen
Seiten: 352
Erscheinungstermin: 5. Mai 2015 (Englisch), 23. Juli 2015 (Deutsch) 
Beschreibung (auf Goodreads): Princess Eadlyn has grown up hearing endless stories about how her mother and father met. Twenty years ago, America Singer entered the Selection and won the heart of Prince Maxon—and they lived happily ever after. Eadlyn has always found their fairy-tale story romantic, but she has no interest in trying to repeat it. If it were up to her, she'd put off marriage for as long as possible.

But a princess's life is never entirely her own, and Eadlyn can't escape her very own Selection—no matter how fervently she protests.
Eadlyn doesn't expect her story to end in romance. But as the competition begins, one entry may just capture Eadlyn's heart, showing her all the possibilities that lie in front of her . . . and proving that finding her own happily ever after isn't as impossible as she's always thought.



Vorab...

Ich war leicht überrascht, als der vierte Teil angekündigt wurde. Für mich war die Geschichte von America abgeschlossen und ich hatte auch auf keine Fortsetzung gehofft, weil mir alles schlüssig erschienen war. Zumindest was die Handlung angeht. Der Fokus lag ja auf der Selection und nicht wirklich auf die Welt drumherum - Illéa, was ich ein wenig schade fand. Ich war nicht sonderlich "begeistert" darüber, dass es einen weiteren Teil geben sollte, aber dann dachte ich: Warum nicht. Sobald die Beschreibung draußen war, hab ich mich ein bisschen gefreut und das Cover sieht auch wieder traumhaft schön aus. Ich habe ein wenig befürchtet, dass Gleiche durchzumachen wie die drei Bücher zuvor, nur aus einer anderen Sicht. Ich beschloss trotzdem, mich darauf einzulassen und das so unvoreingenommen wie nur möglich.

Meine Meinung

Die Kasten sind abgeschafft worden, Illéas Bürger dürfen nun jeglichen Beruf ausüben den sie wollen, die Schicht wird nicht mehr von der Geburt an festgelegt und man darf heiraten wen man möchte, ohne sich gleich Sorgen zu machen, dass man gleich als "niedrig" angesehen wird. Scheint alles tip-top zu sein, nur: Es ist nicht so. Die Generation, die ohne Kasten aufwächst rebellieren, weil ihnen immer wieder Jobs verweigert werden, aufgrund der Tatsache, aus welcher Kaste ihre Familie ehemalig kommt. Also ist dieses Schichtendenken noch nicht ganz überwunden, und weil es letztes Mal so gut geklappt hat, hofft das Königspaar von Illéa - America und Maxon Schreave - dass ein großes Event die Bevölkerung wieder ein wenig einigen kann, sodass Ruhe einkehrt.

Dieses "große" Event ist nichts anderes als eine Selection. Antreten soll die älteste Tochter Eadlyn, zukünftige Königin von Illéa - und nicht ihr sieben Minuten jüngerer Zwillingsbruder Ahren. So wächst sie im Palast auf mit dem Plan, dass sie einmal das Land regieren wird. So schaut sie ihrem Vater über die Schulter und lernt Entscheidungen zu treffen. Aber das ist nicht alles. Der Gedanke, eines Tages Königin zu sein, wird auch mit einer gewissen Attitüde begleitet. So ist Eadlyn nicht das brave Prinzesschen, das mit einem süßen Lächeln und rosa Kleidchen wie ein Engel durch die Gänge spaziert. Nein. Sie ist hoffnungslos verwöhnt, und das ist genau das was ich an ihr geliebt habe. Oder vielmehr habe ich es geliebt, wie Kiera Cass diese Eigenschaft an ihr einfach nicht versteckt hat. Während in den ersten drei Bücher Americas Verhalten immer auf eine Weise "entschuldigt" oder schleierhaft abgehandelt worden ist, so ist es hier anders. Eadlyn ist ganz sie selbst, scheut sich nicht davor, sie selbst zu sein, hat nichts, wofür sie sich schämt - und genauso, unentschuldigt ehrlich, wird sie geschrieben.

Ich habe in vielen Rezensionen gelesen, dass man das "nervig" an ihr findet. Fand ich nicht. Ich fand es eher amüsant, was sie sich alles erlaubt und wie überheblich sie manchmal auch gegenüber ihren Angestellten war. Ob das die richtige Wahl ist, Menschen zu behandeln? Definitiv nicht, aber mir hat es einfach nur gefallen, wie echt Eadlyn dadurch wirkte, wie eine dreidimensionale Person, die Fehler macht und diese erkennt, während America in den vorherigen Büchern gar nicht einsehen wollte, wie viele Fehler sie gemacht oder dass sie sich falsch benommen hat. Das ist bei ihrer Tochter anders, und sehr erfrischend. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der erste Tag der Selection, als Eadlyn die Herren begrüßt hat. 

He stopped in front of me, bowing. "Fox Wesley, Your Highness."
I tilted my head in greeting. "A pleasure."
He took in a breath. "You are so beautiful."
"So I've been told. You can go now." I swept my arm across my body, pointing to the Men's Parlor.


Was ich auch so sympathisch an Eadlyn fand, war, wie idiotisch sie die ganze Selection Sache findet. Sie ist der Meinung, dass sie diese "große Liebe" nicht braucht, und schon braucht sie keinen Mann an ihrer Seite, sobald sie Königin ist. Für sie wäre ein Partner eine Einschränkung, zumindest denkt sie das. Positiv anzumerken ist, wie Cass Eadlyn darstellt. Dadurch, dass sie so ehrlich mit dieser Figur umgeht, kann man gar nicht anders, als sie sympathisch zu finden, und weil Eadlyn keinem Jungen nachweint, kann sie sie sich eigenständig entwickeln und handelt auch autonom. Sie lässt sich nicht von gutem Aussehen oder Charme beeinflussen und ändert ihre Meinung nicht sofort, sondern erst nach und nach, je mehr sie Zeit mit den Jungen verbringt. Das fand ich sehr authentisch und war auch überrascht, weil ich mich auf die Launenhaftigkeit von America in den drei vorherigen Teilen eingestellt habe.

Ich möchte mich gar nicht weit aus dem Fenster lehnen damit, aber mir hat der feministische Unterton in dem Buch sehr gut gefallen. Dadurch, dass Eadlyn eben eigenständig handelt und sich nichts sagen lassen will, sich an erster Stelle sieht - nicht nur als Königin, sondern als junge Frau - wird deutlich, was sie möchte und wie sie es möchte. Sie sieht es auch gar nicht ein, warum man sie als "Schwarze Witwe" bezeichnet oder ihr vorwirft, nur weil sie in der ersten Runde ein paar Herren mehr aussortiert hat, dass sie angeblich auf Frauen stehe. Es gibt nämlich eine Stelle, da wird sie interviewt. Ihr wird vorgeworfen, dass sie ziemlich brutal und eiskalt mit den Jungen umgegangen sei:

"Yes, but why were you so harsh? For a few you simply said 'no' or flicked your hand."
I tried not to let the worry show my face. At the time thise things had seemed kind of funny.
"When my father is stern, no one chastises him. I don't think it's fair that when I act similarly, I'm seen as cruel. I'm making a huge decision, and I'm trying to be wise about it."


Da fand ich ihren Vergleich mit ihrem Vater, einem Mann, sehr schön. Natürlich kann ich da sehr viel interpretieren, aber Eadlyns Erklärung bewundere ich sehr. Sie lässt sich nicht von den Medien so darstellen, als hätte sie irgendwelche Erwartungen zu erfüllen. Dieser Kontrast zwischen den Erwartungen an sie, als Königin, als Frau, als Ehefrau, als Tochter ist ein fortlaufendes Motiv in dem Buch. Sind diese Rollen kombinierbar? Und wenn ja, inwiefern? Kann sie immer noch Königin sein, wenn sie verliebt ist? Kann sie dann immer noch stark, unabhängig, tough und undurchdringbar sein, wenn es einen Schwachpunkt gibt, an dem sie ihr Herz verloren hat? Gegen Ende des Buches wird diese Thematik auch aufgegriffen:

"You can be brave and still be feminine. You can lead and still love flowers. Most important, you can be queen and still be a bride."


Das ist für mich ein wichtiger feministischer Gedanke. Warum muss man sich als Frau nur für eine dieser Dinge entscheiden, wenn man eigentlich alle sein kann? Man stellt zu viele Erwartungen an sich, und man ringt darum, diese Erwartungen zu erfüllen. Meistens hat man einfach nur Angst davor, dass man es schlussendlich nicht schafft. Genau diese Ängste hat Eadlyn, die manchmal kalt und unnahbar wirkt, auch, und baut deshalb eine Mauer um sich herum, damit ihr auch niemand etwas anhaben kann. Das wird ihr auch bewusst, sobald die zukünftige Königin von Frankreich, Camille, zudem auch Freundin von ihrem Bruder Ahren, besucht, die eigentlich "alles das ist, was sie sein sollte".

Das sind die Dinge, die ich sehr positiv an dem Buch fand und die auch die Hauptgründe waren, warum ich dieses Buch viel lieber mochte als die drei davor. Ich war stellenweise sehr überrascht, dass diese Geschichte tatsächlich von Kiera Cass geschrieben wurde, weil sie sich enorm weiterentwickelt hat und aus Fehlern, die sie in ihren vorherigen Büchern gemacht hat, gelernt hat.

...Leider hat sie nicht aus allen Fehlern gelernt.
Ich blicke nämlich immer noch nicht ganz durch Illéa. Ich verstehe immer noch nicht, wie viele "Staaten" es gibt und welche relevaten politischen Beziehungen es mit anderen Ländern führt. Dass es eine starke Bindung zu Frankreich hat, wird deutlich, weil Ahren mit der zukünftigen Königin von Frankreich liiert ist. Die Kasten sind abgeschafft, aber ich weiß immer noch nicht, wie ich mir die ehemaligen USA vorzustellen habe, oder wie das Alltagsleben generell aussieht. Da wir uns ausschließlich im Palast befinden, ist dieser Punkt natürlich schwierig, weshalb ich hoffe, dass es doch noch in den Fortsetzungen etwas deutlicher wird.

Was ich sehr schade fand ist, wie die Autorin durch das Ende - wohl gemerkt - schon wieder (!!!) so durchgerast ist. Ich bin kaum mehr mitgekommen, so viele Plot Twists und Meinungsänderungen gab es dann. Es passieren viele Dinge auf einmal, die man vielleicht hätte ein wenig verteilen können. Zumindest hatte ich das Gefühl, dass das ganze Buch über nichts passiert, und am Ende bricht eine ganze Lawine aus. Außerdem fand ich, dadurch, dass das Ende so schnell vonstatten geht, Eadlyns Gedankenwelt absolut nicht nachvollziehbar. Mir kam es nämlich vor, als hätte sie ihre Einstellung in binnen von zwei Sekunden geändert, und ich konnte ihr da nicht wirklich folgen. Ich kann verstehen, dass einschneidende Ereignisse einen wachrütteln, aber dieser Umschwung wäre glaubwürdiger gewesen, hätte man ihn nicht innerhalb eines Kapitels abgehandelt.

Die letzten zwei Punkte haben mich ein wenig frustriert, weshalb ich dem Buch keine sehr gute Bewertung geben kann. Dennoch hat es meiner Meinung nach vier Sterne verdient, weil es sehr unterhaltsam war und mir vor allem die feministischen Punkte gefallen haben. Eadlyn, eine Heldin, die weiß, dass die große Liebe zu finden nicht unbedingt notwendig ist, um ein erfülltes Leben zu führen. Von daher kann ich das Buch auch nur empfehlen, auch für Skeptiker, die noch nicht so sicher sind, ob sie die Reihe fortsetzen wollen!


Englisch Schwierigkeitsgrad
Einfach

Wie hat euch das Buch gefallen? Welche Punkte fandet ihr gut, welche weniger gut? Habt ihr vor es zu lesen? Wenn nicht, warum nicht?

Kommentare:

  1. Hallo :)
    Ich habe the Heir auch schon durch.
    In den meisten Punkten kann ich dir durchaus zustimmen. Ich mochte Eadlyn auch echt gerne, wobei ich in meiner Rezi mehr Fokus auf die Selection an sich genommen habe.
    Ich schätze, ich war ein wenig davon geblendet, endlich einen vierten Band zu bekommen, dass ich die schlechten Sachen alle überlesen habe, aber mich hat nicht so gestört, dass wir uns unter Illéa nicht wirklich viel vorstellen konnten. Vielleicht kommt das ja im fünften Band oder so. Würde mich freuen.

    Alles in allem hat mir das Buch mega gefallen (wie schon gesagt, geblendet). Wer ist dein Favorit für Eady?

    LG
    Anni-chan

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    1. Hi :)

      Jetzt wo du es erwähnst, habe ich gar nicht auf die Selection Bezug genommen, huch! :D Wahrscheinlich, weil ich Eadlyn einfach so beeindruckend fand, haha.

      Ich denke auch, dass es eher ein Liebesroman ist als eine Dystopie. Die Autorin brauchte eben ein fiktives Setting, indem sie ihre Monarchie mit dem Bachelor-Kram machen konnte, ohne großartig zu recherchieren. Ich bin aber eben jemand, der gerne mehr Weltaufbau sieht, weil ich das gerade faszinierend finde :)
      Aber ja, in der Geschichte ist das nicht großartig nötig. Sie funktioniert ja auch so, auch wenn sie vielleicht besser wäre, wäre die Welt mehr ausgebaut.

      Mein Favorit ist Kile. Die beiden fand ich von Anfang an süß. :) Wobei ich Hale auch ganz gut finde. Und deiner?

      Liebe Grüße ♥

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  2. Hey, ich bins noch mal :)

    Ich habe dich für den Liebster Blog Award nominiert und würde mich freuen, wenn du mitmachen würdest. http://anni-chans-fantastic-books.blogspot.com/2015/05/tag-liebster-blog-award.html

    LG
    Anni-chan

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    1. Hi nochmal :D

      Vielen Lieben Dank für's Taggen! ♥ Ich werde mich bald dran setzen :)

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  3. Huhu! :)

    Uii, eine Rezension auf deinem Blog! :o
    Das hab ich jetzt gar nicht erwartet, doch ich freu mich richtig, denn The Heir muss ich ja auch noch rezensieren. ;) Deine Sicht auf das Buch hat mir sehr gut gefallen und ich kann sowohl deine Kritikpunkte, als auch die Dinge, die dir gefallen haben, gut nachvollziehen. Ich selbst bin mit Eadlyn ganz gut klar gekommen, America war mir aber trotzdem um einiges lieber. Die Jungs fand ich richtig süß, vor allem Henry. Obwohl ich an manchen Stellen echt dachte, dass da vielleicht was mit Eady und Erik laufen könnte.^^ Vielleicht wird da ja noch was kommen. ;) Mit dem ganzen Rest der Story bin ich aber immer nur so dahingeplätschert. Ich hatte nicht das Gefühl, als würde die Geschichte vorrankommen und am Schluss überschlägt sich plötzlich alles. Ein besser durchdachter Spannungsbogen hätte mir da wesentlich besser gefallen. Aber ich quassle schon wieder zu viel xD
    Mal sehen was Band 2 mit Eady so bringen wird. ;)

    Liebste Grüße
    Nina ♥♥♥

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    1. Hi ♥

      Ja, ich kann's selbst kaum fassen. :D
      Danke! Ich war erst einmal ein bisschen besorgt, weil ich im Nachhinein festgestellt habe, dass ich gar nicht so sehr auf die Selection eingegangen bin, sondern mich nur auf Eadlyn konzentriert habe. Aber verschiedene Sichtweisen zu haben ist vielleicht ganz gut.
      Oh ja! Ich dachte zwischendurch auch, dass es da zwischen ihr und Erik funkt. Wäre ein netter Twist gewesen, aber ich glaube, er hätte mich unzufrieden gestimmt. Ich mochte Henri auch ganze gerne, wobei Kile mein absoluter Favo ist (und Hale kommt wohl danach).
      Du hast recht, so habe ich es auch empfunden - dass sich am Schluss alles überschlägt, und vorher nichts Großartiges passiert ist. Da kann ich dir also nur zustimmen.

      Ich freu mich schon auf deine Rezension :)

      Liebe Grüße ♥

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