Dienstag, 29. September 2015

Through the Booking Glass: The Fever

Es ist mal wieder Zeit für die Auswertung! Im September habe ich The Fever von Megan Abbott gelesen, passend zum Motto "Thriller". Thriller hatte ich vorher bisher nur wenige gelesen, weil es eigentlich nicht mein Genre ist, aber dieses Buch hat es mir definitiv angetan.

Worum geht's?
Das Leben der Familie Nash war eigentlich immer stabil. Abgesehen davon, dass sich die Eltern vor längerer Zeit getrennt haben, führen alle im Haushalt übrig gebliebenen ein normales Leben: Tom ist ein beliebter Lehrer und Vater zweier Teenager: Eli, ein Sternchen beim Hockey und ein Schwarm vieler Mädchen und Deenie, eine Musterschülerin. Das idyllische Leben wird über den Haufen geworfen als Deenies beste Freundin, Lise, einen epileptischen Anfall hat. Sehr bald gehen Gerüchte über einen gefährlichen Krankheitsausbruch herum, und mit ihnen entwickelt sich eine große Hysterie und die Angst vor Ansteckung, die Geheimnisse enthüllt und droht, Freundschaften zu zerstören, die Familie auseinander zu reißen und die zerbrechliche Idee von Sicherheit zu vernichten.

Erwartungen vs. Realität
Megan Abbott ist dafür bekannt über "böse" Mädchen zu schreiben. Mädchen mit Fehlern, egoistische und eifersüchtige Mädchen. Diesen Aspekt finde ich besonders interessant, weil man im YA-Bereich meistens diese unscheinbare, aber perfekte Schönheiten hat, die zwar keine Erfahrungen mit Jungen haben, aber trotzdem gleich zwei Typen auf sie stehen. Abbott schreibt Contemporary YA, aber solche Probleme sind bei ihr nicht vertreten. Wie schon in Dare Me habe ich auch hier wieder festgestellt, dass Abbott einfach weiß, wie es ist ein Mädchen zu sein, und vor allem wie schwer das teilweise ist. Die Erwartungen, die auf einem lasten, zum Beispiel. Oder auch die Dynamik zwischen reinen Mädchenfreundschaften sind hier verblüffend authentisch und nachvollziehbar abgebildet. Man merkt die Innigkeit der Freundschaft zwischen Deenie und Lise sehr, obwohl Lise überwiegend in Flashbacks auftaucht. Oder Deenies Einstellung gegenüber den anderen Mädchen in der Gruppe, die nach und nach dazu gekommen sind, mit denen Deenie nicht so eng befreundet ist und teilweise Eifersucht verspürt, weil sie das Gefühl hat, man würde ihr die besten Freundinnen wegnehmen.

Diese Beziehungen werden mit dem Krankheitsausbruch gegenüber gestellt. Mehr und mehr Mädchen werden von dieser Krankheit, die Lise zuerst trifft, befallen. Vor allem werden eigentlich nur Mädchen krank, was natürlich misstrauisch wirkt. Man weiß nich wie es dazu kommt, und hier wird ein Aspekt der Geschichte deutlich, der mir sehr gut gefallen hat: Deenie ist eine unzuverlässige Erzählerin, die auch Geheimnisse vor dem Leser hat, und diese Geheimnisse werden auch nur enthüllt, wenn Deenie in der Geschichte unter Druck gesetzt wird sie zu verraten. Mit diesen Geheimnissen stehen auch Freundschaften auf dem Spiel, zusammenhängend mit Eifersüchteleien und schlechtem Gewissen: Ist es Deenies Schuld, dass Lise krank geworden ist, weil sie beide in diesem "merkwürdigen" See gebadet haben? Oder hat es damit zu tun, dass Deenie den gleichen Jungen toll fand wie auch Lise? Ist dadurch die Freundschaft kaputt? Solche Fragen werden in der Geschichte oft gestellt.

Neben Deenies Sicht lesen wir noch aus der Perspektive ihres Bruders, Eli, der sozusagen als Beobachter gilt. Für ihn sind Deenies Freundinnen wie Schwestern, und er wird unfreiwillig in ein Geheimnis mit reingezogen, das nur ein Missverständnis ist. Ich fand Elis Sicht sehr interessant, weil er die Geschichte an objektivsten sieht, und auch wie er z.B. die Mädchen wahrnimmt, und ihre Beziehungen zu einander.
Die andere Perspektive ist die von Tom, der Vater von den beiden Teenagern. Seine Sicht fand ich sehr interessant, weil man nur selten die Perspektive eines Erwachsenen in einem YA-Roman wiederfindet. Aber diesen Aspekt fand ich sehr gut ausgearbeitet: Die Sorgen, die er sich um seine Kinder macht, aber auch um seine Schüler. Seine Figur ist auch dreidimensional, nicht so wie man es sonst von YA-Eltern kennt, mit eigenen Wünschen, Ängsten und Beziehungen.

Für mich war das Buch ein schönes Abenteuer voller Mystik, Horror und diese unterschwellige Spannung, die für Thriller typisch ist. Man findet nach und nach Dinge heraus und es bleibt eigentlich immer spannend. Was dieses Buch so hervorherbt ist definitiv Abbotts Schreibstil, der sehr lebendig und bildhaft wirkt. Sie findet genau die richtigen Worte für viele Situationen, die die Geschichte noch greifbarer machen. 

Fazit
 
Ich habe das Buch absolut genossen: Die Geschichte, die Charaktere, die Erzählung an sich. Ich mag die Vorangehensweise von Abbott, wie sie die Charaktere zum Leben erweckt und darstellt, ohne einen Bogen um ihre Schwachstellen und negativen Eigenschaften zu machen. Meine Erwartungen wurden definitiv erfüllt - was auch bedeutet, dass ich demnächst auch Abbotts drittes YA-Buch in die Hand nehmen werde! Klare Empfehlung. (Lasst euch definitiv nicht von der Goodreads Bewertung beirren).
  • The Fever, Megan Abbott
  • Dt. Titel: /
  • 303 Seiten
  • Erhältlich als eBook (Kindle), Hardcover und Taschenbuch
  • Englisch-Schwierigkeitsgrad: Einfach-Mittel
  • Bewertung: 5 Sterne
  • Tags: Thriller, Mystery, wunderbare Charakterdynamik
  • Amazon | Goodreads Megan Abbott

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