Sonntag, 11. Oktober 2015

Romance-Subplot in Young-Adult: Ein Muss?


Früher habe ich Liebesgeschichten verschlungen. Mit "früher" meine ich im Alter von zwölf bis sechzehn Jahren, die Jahre, in denen ich fast jeden Tag zur Buchhandlung gelaufen bin und nach einer neuen Geschichte suchte, die meinen Lesedurst stillen konnte. In diesen Jahren habe ich am meisten Erfahrung im Young Adult Bereich gemacht. Es sind die Jahre, in denen ich Harry Potter, The Hunger Games, Divergent, Twilight und Percy Jackson gelesen habe, und unendlich viele andere YA-Bücher, die heute meine Wahrnehmung gegenüber diesen geprägt haben.

Jetzt stellt sich mir eine Frage, eine, von der ich nicht sicher bin, von welchen Variablen sie abhängt. Bin ich einfach nur zu "abgestumpft" für Young Adult, obwohl ich, rein nach meinem Alter betrachtet (zwanzig Jahre) noch zur Zielgruppe gehöre, sodass ich mir einfach ein neues Genre suchen muss, indem ich mich nicht so gut auskenne? Oder sind wirklich alle Jugendbücher auf eine Sache fixiert: Die Romanze zwischen der (meistens weiblichen) Protagonisten und einer anderen Person (wenn wir Pech haben, zwei Personen)?


Ich habe bereits einen Post zu YA-Klischees geschrieben, bei denen ich die Probleme anspreche, die mir im Jugendbuchbereich desöfteren negativ aufgefallen sind. Diese Klischees sind einfach herauszuarbeiten, wenn man "erfahrener" Leser ist. Für mich ist es erstaunlich, obwohl Young Adult ein riesiger Bereich ist, mit verschiedenen Genres - sei es Fantasy, Science-Fiction oder Contemporary - dass die meisten wirklich in denselben Trott verfallen, und dieser Trott nennt sich "Romanze".

Ich verstehe, dass die erste Liebe, und die Probleme die sie mit sich hat, ein Teil des Aufwachsens ist. Ich selbst habe diese Geschichten gelesen und geliebt, aber irgendwann waren sie mir nicht genug. Irgendwann haben mich die Romanzen genervt, weil sie immer gleich waren. Liebesdreiecke wurden in meinen Augen unnötig. Irgendwann wollte ich mal über etwas anderes lesen, aber ohne den YA-Bereich zu verlassen. Diese Mission erweist sich als äußerst schwierig. Ich bin aber nicht die einzige, der es so geht. Viele meiner Freunde, die begeisterte Leser sind, stoßen immer wieder vor dieser Problematik. Vielleicht ist unser Alter (über zwanzig) tatsächlich ein Faktor. Mir kommen jedoch noch andere Fragen auf:

Was macht Romanzen so populär?
Welchen Zweck erfüllt die Romanze innerhalb einer "größeren" Geschichte?
Ist Romanze ein Muss um die Entwicklung des Protagonisten vorazutreiben?

Auf diese Fragen möchte ich in diesem Post, möglichst mit Beispielen, eingehen. Wichtig ist anzumerken, dass ich dabei auf keine reinen Liebesromane - außer bei Frage 1 - eingehen werde. (Was heißt: Wo die Romanze der Hauptplot ist, z.B. Twilight.)

Was macht Romanzen so populär?
Die einfachste Antwort darauf ist: Die meisten Leser können sich damit gut identifizieren. Wer in seinem Leben war noch nicht verliebt? Oder hat sich gewünscht, jemand Tollen kennenzulernen? Diese Bücher profitieren vom Wunschdenken des Lesers. In YA-Romanen haben wir meistens haben ein Mädchen als Protagonist, das "nichts Besonderes" ist, aber trotzdem "nicht wie andere Mädchen ist" und sich nicht hübsch findet, aber trotzdem schafft sie es, dass sich jemand in sie verliebt und sie damit das große Glück findet. Kurz (und weniger sarkastisch gesagt): Die Protagonistin kann du oder ich sein. Manchmal man kann man daraus eine spannende Story spinnen, indem man größere Konflikte einwirft, wie Krieg, Krankheit, Familienfehden, aber diese Punkte sind eher Subplots. Fest steht, das Identifaktionspotential liegt sehr hoch, weil man sich bei ihnen auf einer emotionalen Reise befindet, und wenn uns ein Buch emotional mitreißt, hat es seinen Zweck erfüllt.

Welchen Zweck erfüllt die Romanze innerhalb einer "größeren" Geschichte?
Wenn die Liebe nicht das Hauptthema des Romans ist, dann kommt sie dennoch als Subplot vor. Beispiele: 
In The Hunger Games geht es vor allem dazu, ein diktatorisches Regime zu stürzen, aber auf diesem Weg begleiten sie zwei Jungen, zu denen sie romantische Gefühle hegt, und die sie daran hindern, das Ziel sofort zu erreichen. 
In Throne of Glass kämpft Celaena um ihre Freiheit und muss dafür bei einem Wettbewerb teilnehmen, und in der Zwischenzeit begegnet sie zwei Männern, die ihre emotionale Seite in ihr entfachen. 
Bei beiden Beispielen spielt die Romanze, wenn eher "nebensächlich", eine wichtige Rolle, weil sie einen zusätzlichen Konflikt innerhalb der großen Story bieten, der die Protagonistin noch mehr an die Grenzen treibt. Romanzen eignen sich gut für Konflikte, weil - wie oben beschrieben - ein emotionaler Wert in ihnen liegt, und man umso mehr wissen möchte, wie die Konflikte gelöst werden.

Ist Romanze ein Muss um die Entwicklung des Protagonisten vorazutreiben?
Trotz der Sachen die ich oben geschrieben habe, ist meine Antwort hier ein klares Nein. Es ist nicht zu ignorieren, dass Romanzen groß vertreten sind im Young Adult Genre, und sie verkaufen sich offensichtlich gut, weshalb auch viele Autoren sich dazu entschließen, welche in ihre Bücher einzubauen, selbst wenn sie gar nicht hinein müssen.
Der Protagonist kann auch auf seine Kosten kommen, ohne sein Herz an jemand anderen zu verlieren. Es gibt etwas anderes, was den genau den gleichen emotionalen Wert aufbringen kann wie Romanzen: Nämlich Freundschaft.
Dabei hat Harry Potter uns sicherlich das beste Beispiel geliefert. Natürlich spielt da auch die Jugendliebe eine Rolle (Harry und Ginny, Hermine und Ron..), aber diese Dinge passieren tatsächlich "nebenbei", und sind ein nettes Gimmick, aber würde Harry Potter auch ohne sie funktionieren? Aber hallo. 
Ein weiteres Beispiel ist die Vampire Academy Reihe, die wirklich alles innehat. Die Action kommt nicht zu kurz, die Comedy auch nicht, aber was wir auch bekommen ist die Romanze zwischen Rose und ihren Jungs. Aber (wie mich Nici und Cassie noch einmal freundlicherweise drauf hingewiesen haben) die größte Rolle spielt die Freundschaft zwischen Rose und Lissa, die beide durch Eis und Feuer für den anderen gehen würden. Und ganz ehrlich, ohne diese Freundschaft würde das ganze Buch in sich zusammenfallen!

Und genau solche Bücher fehlen wir im YA-Bereich: Bücher über Freundschaften. Eigentlich sind die noch emotionaler, weil Freundschaften durchaus für eine Ewigkeit halten können, und eine Jugendliebe, na ja ... eine Jugendliebe ist. Ich will damit keine Leser verteufeln, die Liebesgeschichten toll finden und gerne lesen, aber ich möchte darauf hinweisen, dass, vor allem in Romanzen, die Freundschaft zu anderen Charakeren öfter untergeht oder nicht stark thematisiert wird, obwohl ich finde, dass die Freunde eines Protagonisten mindestens genauso wichtig sind. (Hiermit ein Augenschielen zu Bella Swan, die ihre Familie und Freunde einfach links liegen hat lassen, seitdem Edward in ihr Leben getreten ist, hust.)
Selbstverständlich kann ich auch eben zu den Kinderbüchern wechseln (zu denen Harry Potter teilweise gehört, und auch die Bücher von Rick Riordan), wo Freundschaftswerte ständig vermittelt werden, aber Freundschaft ist in jedem Alter wichtig, nicht nur in dem, wo Liebe "nicht so wichtig" ist.

Da YA-Bücher vor allem von Jugendlichen gelesen werden und diese ihre Weltansicht prägen, habe ich die Befürchtung, dass man dieses Bewusstsein entwickelt, dass die Leser sich verpflichtet fühlen, sich zu verlieben, oder so etwas zu erleben, und dann einen Rückschlag erleben, weil eben so etwas nicht passiert. Zumal es mehr Diversität in YA geben sollte, weil nicht jede Person sich in das andere Geschlecht verliebt. (Homosexuelle Liebe gibt es im YA Bereich immer noch zu wenig). Geschweige denn die Personen, die asexuell oder aromantisch sind, und sie diese Art von Geschichten überhaupt nicht interessieren.

Dieses Thema beschäftigt mich schon seit einiger Zeit, aber erst wirklich darüber nachdenken habe ich angefangen, seitdem ich selbst intensiv an meinen Büchern arbeite. In meinem ersten Projekt habe ich eingeplant, dass die Protagonistin sich, in der Mission ihren besten Freund zu retten, in ihren Begleiter (nennen wir ihn Dave) verliebt - also ein kleiner Subplot für die Hauptstory. Ich habe aber gemerkt, dass die Chemie einfach nicht da ist, und es interessanter wäre, Dave einfach zu ihren verschollenen Bruder zu machen, weil sich dadurch eine bessere Story ergibt, und ihre beste Freundin ihr romantisches Interesse darstellen soll (und damit noch nebensächlicher wird). Somit findet sie nicht einen Liebespartner, sondern ein Familienmitglied. Ich konnte mich einfach nicht in dieses "typische" Muster zwängen, und sobald ich ein paar Puzzleteile verschoben hat, hat sich das Gefühl der Story enorm verbessert.

Und auch in meinem jetzigen Projekt für NaNoWriMo ringe ich mit mir, ob diese Story WIRKLICH einen Romance-Subplot benötigt. Potential hätte die ganze Sache schon, einziger Wink: Die Protagonistin hat bereits einen Freund und er wäre nicht das geplante romantische Interesse. Konfliktpotential is definitiv vorhanden. In dieser Hinsicht habe ich einfach beschlossen es während des Schreibens festzulegen, also darauf zu warten, wie sich die Chemie zwischen dem neuen Jungen und ihr entwickelt, aber eigentlich gefällt mir die Idee von beste Freunde/Partners in Crime besser.

Jetzt seid ihr gefragt: Welchen Wert hat für euch der romantische Subplot in einer Geschichte? Bitte füllt die Umfrage unten aus, ihr würdet mir sehr helfen! Und noch mehr würdet ihr mir helfen, wenn ihr in den Kommentaren eure Entscheidung begründet. Und noch viel mehr würdet ihr mir helfen, wenn ihr Blogger- und Lesefreunde auf diese Umfrage hinweisen könntet, damit die Ergebnisse noch handfester werden. :)



Bist du der Meinung, dass Romanzen in Büchern nicht fehlen dürfen?

Ja! Ohne eine Liebesgeschichte interessiert mich ein Buch nicht.
Ich finde Liebesgeschichten interessant, und bestärken mich mehr, zu dem Buch zu greifen.
Romanzen nerven mich, und ich hätte gerne weniger im YA-Bereich.
Ich achte nicht darauf, ich will nur eine gute Geschichte lesen.
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Kommentare:

  1. Hallu :)

    Einen sehr interessanten Aufsatz hast du da geschrieben mit einigen guten Argumenten (: Ich habe in der Umfrage abgestimmt: "Ich finde Liebesgeschichten interessant ..." Warum? Nun, den einen, ganz wichtigen Punkt hast du bereits erwähnt: Identifikationspotenzial, aber auch Interesse, denn auch mir ist das Schema F nicht entgangen. Manchmal allerdings greife ich gerade zu diesen Schema Fs, jedoch nicht in YA-Romanen, sondern in Regency-Romanen, die ja nur Liebesromane sind und nichts anderes, oder kaum etwas anderes.
    In YA-Romanen greife ich gerne nach einem Buch, das eine Liebesgeschichte behandelt, aber das heißt nicht, dass der Rest des Plots schlecht sein darf, im Gegenteil. Ich lese lieber YA-Romane, in denen der Liebesaspekt ein Nebenplot ist, aber immer noch im relativen Vordergrund steht, wie eben bei Throne of Glass oder Vampire Academy. In Obsidian wiederum war es mir schon zu viel des Guten und hat mich sehr an Twilight erinnert. Ich finde, die Mischung machts und ja, manchmal ist die Mischung trotzdem gut, obwohl das Schema F beschrieben wird, aber dann gibt es eben einen sehr actionreichen, spannenden Plot, dann stört es mich nicht.
    Andererseits lese ich auch hin und wieder Bücher, in denen Romanzen keine oder kaum eine Rolle spielen (Queen of the Tearling, Harry Potter, This Shattered World), aber dann muss der Plot quasi noooch spannender, noch intensiver, noch komplexer sein (:
    So, ich hoffe, meine Begründung macht Sinn :D Ich füge nochmal hinzu, dass ich ja selbst Autorin bin und in meiner Reihe Romanze eine Rolle spielt, allerdings auch keine Centerposition einnimmt, so hat man viel mehr Konfliktpotenzial über die Bücher verteilt und ich finde, weniger ist manchmal mehr ^^

    Liebste Grüße

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    1. Hallo Laura :)
      Danke für deinen Kommentar, ich freue mich sehr!

      Ich mag es auch eher, wenn die Romanze sich eher im Hintergrund abspielt. Wie du schon sagtest, "weniger ist manchmal mehr". Aber manchmal sind eben die Romanzen im Hintergrund auch nicht sonderlich gut geschrieben, oder klischeebehaftet. Die Beispiele, die du ansprichst, sind natürlich Ausnahmen.
      Da gebe ich dir auch recht: Romane ohne Romanzen müssen natürlich diesen "fehlenden" Part irgendwie wieder aufbereiten, weil Romanzen, wie du auch schon sagst, (meiner Meinung nach das einfachste) Konfliktpotential darbieten. Dann muss eine andere Idee her, die die Romanze ersetzt, und das kann ja alles sein, wie Freundschaft, Familie, Krieg, etc.

      In meien Projekten habe ich auch Romanzen mit eingebunden - aber ich stell mir manchmal eben die Frage, ob sie wirklich nötig sind, um das Konfliktpotential auszuschöpfen. z.B. stell ich mir die Frage: "MUSS ich unbedingt die beiden Charaktere romantisch verwickeln, um darauf das höchste Maß an Spannung zu erzeugen? Was wäre wenn aus den beiden beste Freunde werden, die sich gegenseitig ihre Leben anvertrauen?" Ich finde eigentlich, dass solche Beziehungen eigentlich auch ein hohes Identifikationspotential anbieten, eben auf einer anderen Ebene. Da fragt man sich Autor: Welche ist die bessere Geschichte?

      LG ♥

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  2. Ich hab auch schon mal überlegt über das Thema einen Beitrag zu schreiben, bei mir wäre das Oberthema aber Loyalität. Ich muss keine Romanze in diesem klassischen kitschigen Sinne in einem Roman haben. Unsicherheit und Misstrauen, diese ganzen Ängste und Liebesdreiecke, sind sogar mehr als nervig. Ich mag Romanzen, in denen die Protagonisten einander vertrauen und für einander durchs Feuer gehen - ohne Zweifel. Und das kann man allerdings auch gut unter Loyalität verpacken - oder auch unter einem freundschaftlichen Aspekt. Das ist zum Beispiel auch was ich als Kritik bei Queen of Shadows absolut nachvollziehen kann. Eine Beziehung, die zuvor auf Loyalität und Freundschaft aufgebaut war, wurde plötzlich ätzend kitschig und 08/15. Ich find deinen Beitrag zu dem Thema toll! :)

    Liebe Grüße,
    Susanne

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    1. Ich stimme dir da zu, ich finde, Loyalität ist noch ein "stärkeres" Gefühl, bzw. viel tiefgehender als eine "Verliebtheit". Ich mag auch Liebesgeschichten ganz gerne, wenn sie sich erst nach und nach entwickelt, also ein "slow burn", bei dem man hautnah mitbekommt, wie die Leute zueinander Vertrauen fassen, durch das Feuer gehen und somit mehr zueinander gezogen werden - da kann man sich ja entscheiden, ob man sie dann romantisch verbandelt oder freundschaftlich. Loyalität ist da echt ein gutes Stichwort!

      Danke :)

      LG ♥

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  3. Hallo liebe Sanne!

    Ich finde das Thema deines Beitrages echt toll und deine Meinung war wirklich interessant zu lesen. Ich kann für mich sagen, dass ich auf gar keinen Fall eine Liebesgeschichte "brauche". Gerade in Jugenbüchern wo es einmal keine (oder nur geringe Andeutungen) gibt, bin ich immer sofort überrascht und umso neugieriger auf die Handlung. ;) Witches of London habe ich zum Beispiel gerade gelesen und fand es wirklich super! Von einer Liebesgeschichte fast gar keine Spur, komplexe Handlung und geniale magische Aspekte. Da bin ich schon gespannt wies in Band 2 weiter geht und lass dir meine Empfehlung da. :)

    Von NaNoWriMo habe ich nur vereinzelt was gehört und bin dankbar, dass ich nach deinem Beitrag auch wirklich weiß um was es da geht. Ich drück dir ganz fest die Daumen bei deinem heurigen Projekt und würde mich freuen etwas von dir zu lesen! :D

    Liebste Grüße
    Nina ♥♥♥

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    1. Hallo Nina :)

      Das Buch klingt echt spannend! Ich werd's mal auf meine Wunschliste packen :) Ich find's dann auch immer interessant zu sehen, was die Leute aus der Geschichte machen, wenn da keine Romanze ins Spiel kommt. Mittlerweile ist das ja ein Standard.

      Vielen Dank, das ist lieb! Ich hoffe auch, dass die Geschichten bald andere Leute erreicht. :)

      LG ♥

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