Sonntag, 8. November 2015

NaNoWriMo 2015 - Woche 1: Eine Achterbahnfahrt


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Wie vorher angekündigt, nehme ich dieses Jahr ein zweites Mal beim Schreibwettbewerb NaNoWriMo teil, bei dem es gilt, 50.000 Wörter innerhalb von 30 Tagen zu schreiben. Und wie versprochen, gibt es von mir ein wöchentliches Update!


Sonntag, 1. November 2015.
Schon als ich angefangen habe zu schreiben, habe ich an meinem Verstand gezweifelt. Ich meine - 10.000 Wörter in nur vierundzwanzig Stunden? Bin ich bescheuert? Tatsächlich lag darin mein Ziel, mich einfach selbst herauszufordern. Ob es wirklich machbar ist. Schließlich habe ich im vergangenen Jahr innerhalb des ersten Wochenendes (1. & 2. November 2015) es geschafft, 10.000 Wörter zu schreiben. Bei zwei Tagen ist es auch ein durchaus realistisches Ziel für einen Neuanfänger, wie ich es gewesen war.
Dieses Jahr wollte ich das gleiche schaffen, nur in der Hälfte der Zeit.

Ich freue mich euch mitteilen zu dürfen, dass ich es tatsächlich geschafft habe!

Genau genommen habe ich am ersten Tag ganze 10.238 Wörter geschrieben. Es war gleichzeitig schwieriger und einfacher, als gedacht. Einfacher, weil ich es auf die Reihe bekommen habe, nachdem ich erst einmal im Schreibfluss gewesen bin. Es fiel mir auch leichter, weil ich eine Outline fertig hatte, die mir ungefähr sagte, was am Anfang des Romans passieren sollte. Es war mir wirklich eine Stütze und bot mir gleichzeitig viel Freiraum, noch andere Ideen, die spontan aufgekommen sind, darin zu verarbeiten.
Schwieriger war es, weil ich mich ziemlich leicht habe ablenken lassen. Wenn einmal ein ablenkender Gedanke kommt, von wegen Du könntest auch mal wieder... ist er schwer wieder abzuschütteln. Ich bedauere euch mitteilen zu müssen, dass ich diesem Gedanken tatsächlich nachgegeben habe. Also habe ich nach 5000 Wörtern eine Pause gemacht und Sherlock Holmes - Spiel im Schatten geschaut.

Immerhin war der Film auch als eine Art Inspiration gedacht. Ich siedle meine Geschichte in einem ähnlichen, aber fantasyreichen Setting an. Außerdem hatte ich schon länger Lust auf Sherlock Holmes (die Verfilmung) und finde den Film besonders witzig, vor allem was den Dialog angeht. Also habe ich mir einfach eingeredet, dass diese Aktion gleichzeitig Recherche bedeutete. Ich brauchte aber auch einfach ein wenig Energie, die ich tanken konnte. Danach habe ich auch brav weitergeschrieben und die 10k geknackt.

Die restliche Woche - eine Zusammenfassung
Diesen Vorsprung habe ich ehrlich gesagt auch gebraucht. Denn danach ging das Schreiben eher haperig und bruchstückig zugange. Ich habe im Schnitt ca. 2000 Wörter pro Tag geschrieben, +/-. Neben der Uni, die viel Aufmerksamkeit von mir forderte, sowohl geistig als auch körperlich, war ich nicht immer in der Lage, einen Schreib-Sprint zu hinterlegen. Aber das wichtigste war mir: Ich bin überhaupt zum Schreiben gekommen! Es ist egal, ob ich 50 oder 5000 Wörter schreibe, es ist besser als gar nichts. Und das ist das Ziel vom NaNoWriMo - dass man jeden Tag schreibt, egal wie viel. Denn das erwartet einen als Autor, wenn man diesen Beruf Vollzeit ausüben muss. Schreiben, schreiben, schreiben, egal, was der innere Kritiker sagt. Zudem wir jetzt kommen.

Die Zweifel - eine Achterbahnfahrt
Ich habe mich wirklich wie schwanger gefühlt und das, ohne böse zu meinen. Es gab Phasen beim Schreiben bei denen ich dachte: 
"Boah geil! Du schreibst voll die tolle Geschichte! Geiles Setting, Mann! Oh Gott, diesen Twist hat niemand vorausgesehen! Du bist genial! Du wirst die nächste JK Rowling!"
Und dann gab es solche Phasen:
"Warum tust du dir das überhaupt an? Das ist reinster Müll, den du produzierst. Dieser Plot? Er macht keinen Sinn! Nichts macht Sinn! Alles ist scheiße! Deine Charaktere haben überhaupt keine Tiefe! Es lohnt sich nicht, hör einfach auf!"
Die zweite Art von Phasen sind zum Glück eher weniger präsent. Aber das liegt auch daran, dass ich es bereits einmal geschafft habe, die 50k zu knacken und ich einfach weiß, dass ich es kann und es nochmal schaffen werde. Ich gebe zu, dieses Selbstvertrauen ist hart aufrechtzuerhalten, aber ich boxe mich einfach wieder durch, weil ich gar keine andere Wahl habe. Die Wahl, aufzugeben, ignoriere ich dabei geflissentlich.

Ein paar Statistiken
Natürlich gibt es immer Leute, die mehr schreiben als ich. Anstatt sich davon entmutigen zu lassen, habe ich diese als Ansporn genutzt. "Wie, du hast schon 20.000 Wörter?! Das schaff ich auch!" Denn sich so zu vergleichen, dass man "schlechter" ist als der andere, das hilft einem nicht. Ich dachte mir nur: Okay, vielleicht hat derjenige einfach viel mehr Zeit. Oder er ist gerade so in dem Schreibfluss drin, dass er einfach nur geschrieben und geschrieben hat. Du bist anders. Aber das ist okay. Solange du am Ende die 50k hat, kratzt das niemanden.
Ich hab noch einen Vorsprung - aber in der zweiten Grafik erkennt man dann doch, dass er nicht mehr so groß ist, und ich vielleicht ein wenig mehr reinhauen sollte, denn...


... nach 50.000 Wörtern habe ich zwar das NaNo Ziel geschafft, aber mein größeres Ziel ist es, den Roman fertig zu schreiben - und ein Roman hat im Normallfall mehr als 50.000 Wörter. Nach meinen ungefähren Berechnungen (ich bin kein Mathe-Genie) werde ich grob 75.00 Wörter brauchen, um den Roman fertig zu stellen.
Gerade bin ich bei Kapitel 9 von schätzungsweise 28 Kapitel, die ich eingeplant habe. Also habe ich gut ein Drittel hinter mir (yay!).

Hinter den Kulissen
Beim Arbeiten habe ich gerne eine Geräuschkulisse. Beim Schreiben ist es meistens Musik, die mich atmosphärisch auf das einstimmt, was ich gerade schreibe. Da habe ich mir zwei Playlists auf Spotify erstellt. Eine die quasi ein "Soundtrack" ist in dem Sinne, das sie vor allem textlich gut auf die Story passt, in dem Fall das Innenleben meiner Protagonistin, Thea, beschreibt. Darunter habe ich Künstler wie Halsey, Florence + The Machine, RAIGN, Woodkid und Imagine Dragons. Diesen Soundtrack höre ich ab und zu, meistens bei einer kurzen Schreibsession.
Dann habe ich einen instrumentalen Soundtrack, den ich wohl am meisten höre. Es ist eigentlich ausschließlich eine Kollektion aus verschiedenen Filmsoundtracks. Meine Favoriten sind da der Soundtrack von The Theory of Everything von Jóhann Jóhannsson, Anna Karenina von Dario Marianelli, und Assassin's Creed: Syndicate von Austin Wintory. Darunter sind auch Hans Zimmer und Alexandre Desplat vertreten, die meiner Meinung nach in keiner Sammlung fehlen dürfen. :D


Highlights & Co.
Ich habe meine Figuren ganz schön liebgewonnen - und weil ich euch einen kleinen Eindruck davon geben möchte, was ich da eigentlich zu Papier bringe, gibt's hier ein paar von meinen bisherigen Lieblingsstellen. (Absolut roh & kontextfrei!)

- - -
Ich zuckte nicht mal mit der Wimper. „Das ist das bescheuertste was ich heute gehört habe.“ Ich schnaubte. „Und glaub mir, ich habe nicht gedacht, dass irgendetwas die Rückkehr meines unsichtbaren Freundes toppen würde.“

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„Du bist ganz schön flink, weißt du das?“
„Und du redest ganz schön viel, weißt du das?“ Ich machte ein paar Schritte nach hinten. Zwei, drei, vier, fünf Meter. Ich war Konstantin eigentlich schon zu nah. Ein Sprung seinerseits, und er hätte mich.
Stattdessen sah er mich nur überrascht an, als ich mich in Position begab. „Was machst du da?“
„Flink sein“, war meine Antwort, und da nahm ich Anlauf, und rannte geradewegs zum Ende des Daches zu.

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Ich beschloss nicht weiter nachzuhaken. Ehrlich gesagt musste ich das ganze erst einmal verdauen, bevor ich in die Details gehe. Stattdessen beschäftige mich ein ganz anderer Gedanke: Mein Vater musste irgendwo hier sein, und meine Mutter auch - meine Mutter war von diesem Ort. Was hieß, dass ich zur Hälfte von diesem Ort stammte.
Na super. Also war ich quasi ein Halbalien. Als hätte mir das noch gefehlt.

- - -
„Nick braucht dich bei unserer Besprechung.“ Dann wandte sich Estella Derya zu. „Und du passt auf, dass die Kleine keinen Ärger macht.“
„Ich bin 1,72m!“, sagte ich verärgert, weil es anscheinend geklärt werden musste. Nur, weil sie selbst fast zwei Meter groß war…

- - -
„Ich mache Frühstück!“, sagte er fröhlich. 
Ugh, wie ich fröhliche Leute am Morgen hasste.

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Shun lächelte verschwörerisch. „Aber wir sind gute Überredungskünstler.“
Derya schnaubte. „Ihr meint wohl, dass ihr Amateure seid. Das Talent bin wohl ich.“
„Nein“, warf Valon ein. „Du bist die Stimme der Vernunft. Wir sind die Charmebolzen.“

Abschluss
Ich glaube, das war eine relativ erfolgreiche erste Woche. Ich habe zum Ende hin ein wenig nachgelassen - aber das möchte ich noch ändern, und mich weniger ablenken lassen. Leider hat meine Motivatin an fielen Stellen gestreikt - aber wer weiß, vielleicht läuft es diese Woche besser!

Kommentare:

  1. Erstmal: Ein interessanter Einblick! Ich selbst habe mit dem Gedanken gespielt mitzumachen, es dann aber sein gelassen, weil ich bezweifle, die hohe Wörterzahl neben Schulstress zu bewältigen, da ich in der ganzen letzten Woche kaum 200 Wörter geschrieben habe. Daher: Respekt!
    Ich musste bei dem Teil grinsen, wo du geschrieben hast, du hättest dich schwanger gefühlt, weil mir das mehr als nur bekannt vorkommt. An manchen Tagen bin ich total motiviert und optimistisch, an anderen kurz davor, alles in den bildlichen Müll zu hauen. xD
    Und diese Ausschnitte klingen obwohl roh und kontextfrei sehr interessant. ;) *-*

    Ganz liebe Grüße & noch viel Erfolg! ♥♥

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    1. Ein Schulalltag sieht auch voller aus als ein Unialltag, glaube ich. (An einem Tag bin ich den ganzen Tag in der Uni - aber sonst eher halbtags. Ist mit 7-10 Stunden Schule nicht zu vergleichen). Von daher versteh ich das. Schule ist auch wichtiger! :D

      Ich bin auch grad wieder davor zu denken "warum das alles? Warum tust du dir das an?" Weil ich merke, dass ich den einen Aspekt zu wenig ausgearbeitet hab. :D Aber ja, gleich schreibe ich weiter und werd mich einfach wieder durchboxen.

      Ich hab auch schon den ersten Fehler entdeckt :D Herrje. Freu mich aber, dass du's interessant findest :)

      Dankeschööön. Liebe Grüße ♥

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  2. Huhu! :-)

    Ich habe mich sehr darauf gefreut, zu erfahren, wie für dich der November aussieht. Zu aller erst: ein riesen Kompliment, dass du schon jetzt einiges geschrieben hast. Wirklich toll. :-) Ich bin mir ganz sicher, dass du den Rest auch noch schaffst. Deine Gedanken kann ich nur allzu gut nachvollziehen. Umso besser, dass du lernst, sie abzulegen.
    Besonders die kleinen Einblicke in das bisher Geschriebene fand ich sehr interessant. :-)

    Ich drücke dir die Daumen und wünsche dir ein fröhliches Schreiben!

    Liebste Grüße,
    Franzi
    himmlischerfedertraum.blogspot.de

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    1. Hey Franzi!

      Dankeschööön :)
      Ich freue mich über die Unterstützung und das Interesse! Das stärkt mir wieder ein wenig den Rücken, dass ich auch weiterhin motiviert bin und das Potential der Geschichte nicht aufgebe.

      Dankeschön. Liebe Grüße ♥

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  3. Huhu liebe Sanne! :)

    Ich finde es super interessant, dass du uns an dieser Aktion teilhaben lässt. Den NaNoWriMo hast du mir schon ganz schön schmackhaft gemacht. Wenn es die Zeit zulässt, mache ich vielleicht nächstes Jahr wieder mit. ;) Gibt es eigentlich mehr Teilnehmer, die Deutsch schreiben?? Ich kenn mich da ja noch gar nicht aus. :3 Die Passagen die du hier als kleinen Vorgeschmack gepostet hast, klingen schonmal sehr vielversprechend. Da wär ich gespannt auf den ganzen Roman, hoffentlich schaffst du dein Ziel! Ich drück dir die Daumen! :)

    Liebste Grüße
    Nina ♥♥♥

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    1. Hey Nina!

      Deutschland ist sogar gerade bei NaNoWriMo auf Platz 1 von den meist geschriebenen Worten bisher :) Die deutsche NaNo-Community ist riesig und vielfältig. Man ist auf jeden Fall nicht allein!
      Dankeschön ♥

      LG♥

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  4. hallo :)

    ich kommmentiere das hier mal Wochen nach dem alles schon vorbei ist, aber egal.

    Ich habe mit dem gedanken gespielt mitzumachen, aber mir war das neben dem Schulstress einfach zu viel dieses Jahr und habe es deswegen gelassen ;)

    Der Part mit der Schwangeren war göttlich und es stimmt einfach absolut, ich finde auch oft gibt es nicht wirklich ein dazwischen bei mir zumindest nicht ;) Oh und nebenbei noch freue ich mich, dass du soviel geschafft hast ;)

    LG Anna

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    1. Ich seh's ja trotzdem :)

      Das mit dem Schulstress kann ich verstehen. Ich hab auch versucht während der Schulzeit mitzumachen, bin aber kläglich gescheitert. Das erste Jahr in dem ich mitgemacht hab war als ich schon auf der Uni gewesen bin (da kann man sich die Zeit besser einteilen xD).

      Nein, wirklich nicht, da hast du recht! :D Danke dir ♥

      LG ♥

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  5. Hei :)
    Es ist echt beeindruckend, dass du 10.000 Wörter an einem Tag geschrieben hast. Ich schaffe so etwas nicht.
    Auch wenn ich gerne mal beim NaNoWriMo mitmachen würde, weiß ich nicht ob ich es wirklich schaffe, so viel in einem Monat zu schreiben.

    Es stimmt, entweder liebt man seine Geschichte und denkt man ist die nächste J.K. Rowling ist oder man denkt, dass das Zeug was man produziere der größte Mist auf Erden ist.
    Das mit der Musik, mache ich so ähnlich wie du. Ich habe zu jedem Hauptcharakter eine Playlist erstellt, jedoch höre ich beim Schreiben Filmmusik. Entweder von meinem Lieblings-Spiel (okay das wäre dann eigentlich keine Filmmusik mehr...) oder von Hans Zimmer.

    LG
    Veronika

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    1. Hey :)

      Ich würde mich nicht von der Wortanzahl entmutigen lassen, sondern es sich einfach fest vornehmen, überhaupt zu schreiben und der Rest kommt von selbst! Selbst wenn du das NaNo am Ende nicht gewinnst, so hast du zumindest geschrieben und vermutlich nicht wenig, und das ist alles was zählt :)

      Hans Zimmer ist super, den höre ich auch gerne beim Schreiben!

      LG ♥

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