Donnerstag, 5. November 2015

Rezension: Jackaby


Worum geht’s?

Da sie das feine Leben in England nicht zufriedengestellt hat, ist Abigail Rook hinaus in die weite Welt gegangen, um ihr eigenes Abenteuer zu erleben. Schließlich landet sie im Jahre 1892 in New Fiddleham, Nordamerika, um sich dort ein Leben aufzubauen. Auf der Suche nach einer Arbeit und meldet sich auf eine Anzeige von einem gewissen R.F. Jackaby, einen exzentrischen Detektiv, der eine besondere Gabe besitzt: Er kann das Übernatürliche sehen. Seiner Meinung nach besitzt Abigail auch eine Gabe: Sie kann das Gewöhnliche sehen, was sie zu einem unschlagbaren Team macht. Abigail darf auch alsbald ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen, denn sie und Jackaby nehmen sich einer Mordserie an, die die Stadt in Atem hält.


Meinung

Mit „Jackaby“ erfindet William Ritter das Rat nicht neu. Denn was wir hier bekommen ist eine Geschichte erzählt in Sherlock Holmes'scher Manier, und das in vielerlei Hinsicht. Jackaby ist eine Sherlock-Figur, nicht nur hinsichtlich seines Verhaltens, sondern auch in der Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird. Denn auch wenn er die Titelfigur ist, so sehen wir alles aus Abigail Rooks Augen, seiner Assistentin - genauso wie wir es von den Sherlock Holmes Geschichten kennen, die aus Dr. Watsons Sicht erzählt werden.

In der Tat ist Jackaby ein seltsamer Mensch. Die Tatsache, dass das Buch mit „Doctor Who meets Sherlock“ vermarktet wird, ist auch nicht weit hergeholt. Denn Mr Jackaby erinnert tatsächlich an den vielgeliebten Detektiv. Allerdings finde ich, dass er mehr an die Filmversion von Robert Downey Jr heran reicht und nicht an die Serienversion von Benedict Cumberbatch (so, wie die Beschreibung es angibt). Denn für mich ist Jackaby viel umgänglicher, vom Wesen her viel warmherziger als Cumberbatchs Sherlock, weniger unhöflich und auch ein klein wenig abgedrehter, weshalb auch der Vergleich mit Doctor Who nicht überraschend ist. Dennoch, für mich hatte er trotzdem einen individuellen Charakter, sodass im Laufe der Geschichte die Vergleiche fallen gelassen werden und man Jackaby als Jackaby ansieht, und nicht als einen Rip-Off.

Doch zu einem dynamischen Duo gehören zwei, und die zweite Hälfte stellt Abigail dar, unsere Ich-Erzählerin. Ritter schafft es einen dreidimensionalen Charakter zu schaffen, der zufällig weiblich ist. So merkt man natürlich, dass sie viktorianische Erziehung genossen hat, dennoch strebt sie nach mehr und möchte Abenteuer erleben. Da eifert sie ein wenig ihrem Vater nach, der Archäologe ist und somit viel auf Reisen geht. Aber als eine Frau zu dieser Zeit sind die Optionen beschränkt, woran der Leser auch öfter erinnert wird. Ihr mangelt es weder an Intelligenz, noch an Hingabe, was sie zu einer sympathischen Heldin macht. Leider steht sie neben Jackaby ein wenig blass da, wobei ich an dieser Stelle erwähnen muss, dass ich nicht sicher bin, ob dies gewollt ist oder nicht. Denn tatsächlich ist Jackaby der Titelcharakter und somit auch der Protagonist. Beurteilen kann man dies wahrscheinlich erst ab dem zweiten Buch (namens Beastly Bones).

In Kombination sind die beiden ein sehr kurioses, aber sich ergänzendes Paar. Sowohl bei einem Tatort, bei dem Abigail sich durch ihre „Gabe“ das Gewöhnliche zu sehen als hilfreich erweist, als auch im Zwischenmenschlichen. Ihre Neckerei ist durchaus unterhaltend, zumal Jackaby in seiner Art sehr direkt ist und öfter Sachen sagt, ohne darüber nachzudenken ob sie angemessen sind, was zu zahlreichen Missverständnissen oder peinlichen Momenten führt, die einfach herrlich sind. Das geschieht vor allem so, dass kein Fremdschämen entsteht (wie z.B. in der Sherlock Serie), was ich William Ritter hoch anrechne, denn es ist eine Kunst den richtigen Ton des Humors zu treffen. Besonders positiv hervorzuheben ist, dass die Beziehung zwischen Jackaby und Abigail durchgehend platonisch bleibt. Eine Romanze hätte das Leseerlebnis wohlmöglich verdorben.

Der Plot an sich ist aufgebaut wie ein normaler Kriminalroman, nur mit übernatürlichen Elementen. Krimifans kommen da auf ihre Kosten, wenn sie nichts gegen ein wenig Fantasy haben. Für mich ging das alles nur ein wenig zu schnell und da man einen eingeschränkten Blick wegen Abigail hat, bekommt man auch nicht mit, wie sich für Jackaby alles erschließt. Deshalb fand ich es an Stellen sehr verwirrend, den Schlussfolgerungen zu folgen. Kleinigkeiten, die jedoch zur Vorahnung eingeworfen werden – die nichts mit dem Mord, aber mit der Story an sich zu tun hat – sind jedoch leicht zu finden und zusammenzusetzen, sodass ich „Offenbarungen“ schnell selbst erschließen konnte (was nicht bedeutet, das das negativ ist. Ehrlich gesagt hatte ich sehr viel Spaß daran, etwas auf eigene Faust herauszufinden).

Fazit

Sherlock Holmes Fans – egal, von welchem Medium – haben sicherlich Gefallen an „Jackaby“: Mit einem exzentrischen Charakter und einer intelligenten Assistentin macht die Geschichte großen Spaß, auch wenn man aufpassen muss, dass man nicht zu schnell den Faden verliert. Allgemein lassen „Wow“-Effekte auf sich warten oder gehen eher unter, weil das Tempo an eigenen Ecken zu schnell ist. Dennoch, dank der liebenswürdigen Charaktere und dem Einsatz von übernatürlichen Wesen ist „Jackaby“ einen Versuch wert.
Worauf du dich einstellen kannst: geistreiche Dialoge, keine Romanze, Blut, Geschöpfe aller Art

  • Titel: Jackaby
  • Autor: William Ritter
  • Verlag: Algoquin Young Readers
  • Seiten: 299
  • Englisch-Schwierigkeitsgrad: Einfach
  • Auch erhältlich als eBook
  • Amazon | Goodreads | William Ritter

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