Sonntag, 29. November 2015

Spotlight: The Young Elites von Marie Lu, #MorallyComplicatedYA


Mit "Spotlight" rücke ich Bücher in den Vordergrund eines größeren Kontexts wie Artikel, Serien, aktuelle Themen, etc.

Diese Woche, am 24. November, machte der Hashtag #MorallyComplicatedYA seine Runden – wenn man drauf klickte, bekam man es mit einem Haufen verärgerten Fans von Young Adult Büchern zu tun. Die Ursache war dieser Artikel, der ein Buch vom Autor Scott Bergstrom behandelt. Anscheinend ist dieses Buch bereits so erfolgreich, dass das Buch bereits in 16 Regionen zur Übersetzung freigegeben wurde und die Filmrechte an Paramount Pictures/Jerry Bruckheimer (den man z.B. von den Fluch der Karbik Filmen kennt) verkauft wurden. Alles schön und gut, denkt man sich, doch dann liest man weiter.

Es ist schade, wenn ein Autor mit seinen eigenen Ansichten sein Buch ruiniert, aber vielleicht soll es ja auch so sein. Denn um sein eigenes Buch zu promoten, was macht Bergstrom als Erstes? Das ganze Genre niedermachen und behaupten, er hätte etwas vollkommen Neues erfunden, weil seine Protagonistin leichtes Übergewicht hat, sich aber in eine „schlanke Kriegerin“ verwandelt, die andere Heldinnen ebenfalls schlechtredet – und das ist anscheinend moralisch komplizierter als jedes andere Buch, das bereits in diesem Genre veröffentlicht wurde. Weil das nicht genug war, zerreißt er The Hunger Games am Ende des Artikels noch in der Luft, weil es ja bekanntlich in diesem Buch nur um das Töten von Kindern geht. Würg.

Im Grunde ist Bergstrom nicht der einzige, der sich etwas auf sein Talent einbildet und denkt, er würde das YA Genre revolutionieren. Der Jugendbuchbereich ist so vielfältig, aber da es ja „nur“ für Jugendliche gilt, ist es anscheinend weniger wert als jedes andere Genre – zusätzlich ist dieser Bereich von überwiegend Frauen dominiert, was natürlich unerhört ist und sicher kein Grund ist, dieses Genre jemals ernst zu nehmen.

Ich will gar keine Gründe anführen, warum Bergstrom falsch liegt. Viele im Hashtag und auch ihr wisst sehr wohl, dass der Jugendbuchbereich zu 85% komplizierte, tiefgründige Themen behandelt. The Hunger Games, The Fault in Our Stars, Harry Potter, Throne of Glass und viele weitere.

Zufällig habe ich in dieser Woche The Young Elites von Marie Lu gelesen – ein Buch, dass – oh Wunder! – Komplexität in Sachen Moral beleuchtet. Denn mit Adelina, unserer Protagonistin, haben wir es mit einer Anti-Heldin zu tun. Vielleicht sogar mehr als das, denn Marie Lu merkt in ihrem Nachwort an:

„[…] I didn’t want to tell a hero’s journey; I wanted to tell a villain’s.”

Das schafft Lu tatsächlich. Während des Lesens habe ich mich teilweise unwohl gefühlt, und das nicht in einer ‚schlechten’ Art und Weise. Adelina ist ein sehr düsterer Charakter, die sehr viel Hass und Rachsucht in ihrem Herzen trägt. Sie ist eine malfetto – so nennt man die Kinder, die das Blood Fever überlebt haben und dadurch geprägt wurden. Adelinas Prägung erstreckte sich über ihr Auge – sodass dieses entfernt werden musste. Weshalb sie jetzt nur eins hat. Hinzu kommt, dass sie nicht nur eine malfetto ist, sondern eine Elite – malfettos mit besonderen Fähigkeiten, die zu den gefürchtetsten Wesen in ihrer Welt machen. Sie schließt sich anderen Elites an, die für ihre Gerechtigkeit kämpfen wollen. Auf der ganzen Welt werden malfettos behandelt wie Monster, eingesperrt, diskriminiert, gelyncht – in einer Zeit, die an das Italien der Renaissance erinnert, denkt man vielleicht sogar an Hexenverbrennung, etwas, was Adelina nur knapp entkommt.

Das Buch steckt voller komplexer, düsteren Themen. Adelina, die machthungrig ist und sich von den negativen Gefühlen wie Furcht, Hass und Trauer ernährt und daraus Macht schöpft. Sie fällt viele fragwürdige Entscheidungen, bei denen man sich denkt – nein, das hätte deine 0815 Heldin sicher nicht gemacht. Außerdem handelt sie oft egoistisch und eigennützig, was man ihr eigentlich nicht verübeln kann – so, wie sie behandelt wurde. Aber muss das wirklich sein? Ein Bösewicht wird nicht geboren, man wird zu einem Bösewicht. Und ob man es glaubt oder nicht, das hängt auch oft von einem selbst ab.

I am tired of being used, hurt, and cast aside.


Doch bei Adelina hören die düsteren Elemente nicht auf. The Young Elites – die malfettos mit Fähigkeiten – schließen sich zu Gesellschaften zusammen. Der Leser erfährt von ihrer Sichtweise und natürlich stellt er sich automatisch auf ihre Seite und sympathisiert mit ihnen. Aber ganz ehrlich? Wenn man einmal evaluiert, was diese „Societies“ eigentlich machen, könnte man sie schier als Terroristen-Gruppen bezeichnen. Sie kämpfen um Gerechtigkeit, um ein Ideal – Freiheit für malfettos – aber das nicht gerade diplomatisch. Bei ihren Angriffen kommen nicht nur die Handlanger des Königs um, sondern auch Zivilisten, die zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort waren.

Natürlich, das Buch ist nicht perfekt. Klar, wir haben Teenager, die auch ihre jugendlichen Probleme haben, es gibt eine Romanze, man nörgelt hin und wieder – aber das ist meiner Meinung nach kein Argument, um die Komplexität dieser Geschichte anzuzweifeln. Aber das könnte ich auch über ein Buch sagen, dass in unserer Zeit und in unserer Welt spielt und High School Schüler behandelt.

Man sollte nie ein Genre und seine Leser herabsetzen – es gibt immer einen Grund, warum Bücher erfolgreich sind oder warum sie gelobt werden. Muss man sie mögen? Nein. Muss ich sie überhaupt lesen? Auch nicht. Muss ich sie schlecht machen, damit ich selbst gut dastehe? Das erst recht nicht. Außerdem gibt es zahlreiche Bücher für Erwachsene, die niemals an die Komplexität heranreichen werden die YA heutzutage anzubieten hat. ;)

Ganz ehrlich, Mister Bergstrom, damit haben Sie mich, als Person Ihrer Zielgruppe – YA! – entfremdet, und ich werde sicher keines Ihrer Bücher bloß in die Finger nehmen.

Was sind eure Gedanken zu diesem Thema?
Was sind die "komplexesten" YA Bücher, die ihr gelesen habt?

Weitere Literatur:

Quick Facts
  • Titel: The Young Elites
  • Autor: Marie Lu
  • Verlag: G.P. Putnam’s Sons Books for Young Readers
  • Seiten: 355
  • Englisch-Schwierigkeitsgrad: Einfach
  • Meine Bewertung: 4/5 Sterne
  • Worauf du dich einstellen kannst: Düstere Anti-Heldin, platonische Freundschaft zwischen Mädchen und Junge, kein Liebesdreieck, #MorallyComplicatedAsHell
  • Amazon - Goodreads - Marie Lu
  • Auch von Marie Lu: Legend, Prodigy, Champion

Kommentare:

  1. Ich war gerade am Suchen nach einem Post, den ich noch nicht gesehen habe, dabei stolper ich hier rüber und sitz jetzt erstmal irritiert vor dem Bildschirm WEIL ICH DIESEN POST NOCH NIE GESEHEN HABE. Was echt merkwürdig ist. Entweder hat mein Dashboard mal wieder gesponnen (was nicht das erste Mal wäre) oder ich habs tatsächlich übersehen. Dabei hab ich mich doch so darauf gefreut. :o

    Was ist das denn für ein Typ? o.O
    Ach so, alles klar, in "The Hunger Games" geht es nur um das Töten von Kindern. Dann hab ich da wohl was falsch verstanden, als ich dachte, es ging um die Grausamkeit von Krieg, die Unmoral dieser Spiele usw. Ich Dummerchen. -,-
    Als gäbe es im Jugendbuchbereich noch wirkliche Innovationen. Die wirkliche Kunst ist es, altbekanntes neu darzustellen. Meine Meinung. Obwohl beispielsweise "The Rithmatist" tatsächlich eine neue Idee, zumindest im Ansatz, präsentiert.

    "Ein Bösewicht wird nicht geboren, man wird zu einem Bösewicht. " Darf ich diesen Satz aus deinem Post eben lieben? *o* So true. Ich liebe ja Gegenspieler mit Vorgeschichte!

    Übrigens das nächste Buch, das ich jetzt dank dir lesen will - klingt irgendwie total nach meinem Geschmack! *o* Außerdem eine sehr schöne, begründete Rezension!

    ♥♥♥

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. *freut sich gerade, dass jemand den Post gesehen hat* xD
      Das ist es ja. Dass ist ein Typ, wie jeder 0815 weiße Typ glaubt, er würde das Rad neu erfinden... (sorry, aber er ist echt unten durch bei mir.)

      Es ist in der Tat schwierig was Neues auf die Beine zu stellen, aber niemand würde dir ins eigene Bein schießen, wenn du es nicht tust. Immerhin möchte man eine gute Geschichte lesen. Klar - Klischees müssen nicht sein, aber sind okay, wenn man sie gut umsetzt und was "eigenes" daraus macht. Der Typ hat sich ironischerweise selbst ins Bein geschossen, indem er mit seinem Ego geprollt hat.

      Hihi, gerne. ♥ Ich werde auch demnächst das zweite Buch davon lesen, vielleicht gibt es dann eine "richtige" Rezension. :) Mal schauen, wie ich mit "Spotlights" weitermache.

      Löschen

Instagram