Freitag, 29. Januar 2016

Rezension: Pantomime

Worum geht's?

Gene gehört einem alten Adelsgeschlecht an und wächst als junge Debütantin auf, jedoch zieht es sie immer wieder zu ihrem Bruder und seinen Freunden. Sie hat kein Interesse daran sich an den Normen zu halten, die man ihr vorweist. Aber dies hat auch einen Grund: Gene ist nämlich männlich und weiblich. Als sie entdeckt, dass sie magische Fähigkeiten besitzt fangen die Ereignisse sich zuzuspitzen, weshalb sie beschließt von zu Hause zu fliehen und ihr neues Leben in einem Zirkus als Micah Grey zu beginnen. Jedoch ist auch der Zirkus auch nicht das, was es scheint...


Meinung

Was habe ich erwartet? Ich liebe Geschichten, die in einem Zirkus spielen und genau das habe ich bekommen. Das und viel mehr. Denn "Pantomime" ist ganz einzigartig. Hier kann ich wirklich sagen, dass ich vorher noch nie so ein Buch gelesen habe. Es ist von der Atmosphäre einfach nur schön, aber was mich am meisten beeindruckt hat war der Protagonist.

Wir haben Gene und wir haben Micah. Gene und Micah stecken im gleichen Körper, denn er ist männlich und weiblich. Allerdings ist Gene als Mädchen aufgewachsen - eins, das adelig ist und sich nicht erlauben kann sich aufzuführen wie ein Junge. Aber genau das ist das, was ihr am meisten Spaß macht. Klettern, dreckig werden, Unsinn treiben - sehr zum Verdruss ihrer Mutter. Erst in ihrer Identität als Micah fängt sie an sich in ihrer Haut wohlzufühlen.

Sehr intelligent fand ich die Anspielungen auf die griechische Mythologie. Damit meine ich nicht, dass es im Buch über Halbgötter und Titanen geht, sondern, dass ihre Schöpfungsgeschichte auf der griechischen Mythologie aufbaut und wir gleichzeitig eine Allusion auf Hermaphroditos haben, ein Wesen  das männlich und weiblich ist. Diese Sage wurde von Ovid überliefert und dort wird er als Sohn von Hermes und Aphrodite dargestellt. In Bezug darauf gab es auch eine Anspielung auf Platons "Tier mit zwei Rücken": Am Anfang stand das Mannsweib (der Hermaphrodit), der in zwei Teile geteilt wurde und somit die Geschlechter - Mann und Frau - entstanden sind. Seit dieser Teilung möchten Mann und Frau aber wieder zusammen sein, also wieder vollkommen, weshalb sie immer wieder zueinander finden. Der Hermaphrodit wird deshalb als Perfektion, die Vollkommenheit, angesehen.

Das Buch spielt in einer fantastischen Welt, die der frühen Neuzeit ähnelt, was ich zu Anfang gar nicht erwartet habe. Das hat mich sogar ein wenig enttäuscht, weil ich mir gewünscht hätte, es wäre ein Fantasy-Historischer Roman. Allerdings war diese Entscheidung der Autorin verständlich: Begriffe wie "gender" existierten zu dieser Zeit bei uns nicht. Es ist ein sehr moderner Begriff und er hat sich auch modern und anachronistisch angefühlt, aber da es sich um eine Fantasy-Welt handelt, kann man damit besser leben. Dazu möchte ich sagen, dass ich es einfach toll fand wie sich das Buch mit dem Thema Gender auseinander gesetzt und kein Tabu daraus gemacht hat. Es ist einfach so erfrischend im Young Adult Genre.

Der Fantasy-Aspekt - die Magie - spielt in diesem Buch eher eine subtile Rolle. Sie wird eingeführt, aber nicht näher erklärt, sodass das alles ein bisschen mysteriös, aber auch erst einmal irrelevant erscheint. Meine Vermutung ist, dass es im nächsten Buch wichtiger sein wird worauf ich mich schon freue! Das Konzept klingt nämlich ziemlich interessant, aber im Rahmen des Zirkus-Settings ging es eben ein bisschen unter. Was ich nicht schlimm finde, denn der Zirkus war auf seine Weise magisch und schön atmosphärisch.

Micah und Gene sind Protagonisten, mit denen man so gut wie sofort sympathisiert. Durch die anderen, facettenreichen Charaktere entsteht eine spannende Dynamik, die die Story voranschreiten lässt, sodass man am liebsten immer mehr von ihnen erfahren will. Je mehr Geheimnisse gelüftet werden, desto transparenter wird der Zirkus. Die Handlung ist also nicht besonders actionreich, sondern von den Charakteren getrieben, was ich aber durchaus begrüßt habe.


Fazit

Ich möchte nicht zu viel verraten, denn das Buch ließt sich am besten, indem man eben nicht so viel von der Story und den Charakteren weiß. Es handelt sich um eine erfrischend originelle, magisch einhüllende Geschichte mit einem interessanten Weltaufbau und Charakterkonzept. Man muss sich jedoch darauf einlassen können, denn von Hermaphroditen sind kein Alltagsthema, weshalb das dem einen oder anderen fremd vorkommen kann. Jedoch bewundere ich die Herangehensweise der Autorin mit dem Thema umzugehen und dieses nahtlos in die Geschichte einzugliedern!

Worauf du dich einstellen kannst: Mythologie, Zirkusattraktionen, Gender
  • Titel: Pantomime
  • Autor: Laura Lam
  • Verlag: Strange Chemistry (2013) / Tor (2016)
  • Seiten: 392
  • Englisch-Schwierigkeitsgrad: Einfach
  • Auch erhältlich als eBook
  • Amazon | Goodreads | Laura Lam

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