Samstag, 26. März 2016

Rezension: Generation Beziehungsunfähig


"Generation Beziehungsunfähig" hat sich wie ein Lauffeuer durch die sozialen Netzwerke verbreitet, vor allem da Michael Nast, der Autor, auf Tour gegangen ist und vor allem mit seinem Titel Studenten ansprach, die Generation, die als "beziehungsunfähig" - sprich die Leute im Alter von 18 bis 40 Jahren - gilt.
Ich habe Michael Nast in seiner Lesung erleben dürfen, die er äußerst humorvoll, ehrlich und selbstironisch gestaltet hat und genau dieser Ton findet sich in seinem Buch wieder.

Meinung

Nast - Autor und Erzähler - diagnositiziert unsere Generation nicht als beziehungsunfähig, vielmehr betont er, dass wir uns selbst so bezeichnen. In Bezug darauf kommt er nicht nur auf Themen zu sprechen, die das Liebesleben betreffen, sondern auch auf das Berufsleben, wie auch die Selbstverwirklichung. Dabei fasst er seine Beobachtungen und Erfahrungen in einer Reihe von Aufsätzen zusammen, die er den Lesern erzählerisch präsentiert und auf den ein oder anderen Schluss kommt, den er den Lesern vor Augen führt. Es schwingt Humor mit, aber auch Kritik, die einen auffordert, selbst über die Themen nachzudenken, ohne gleich einen moralischen Nerv zu treffen. Nast erkennt seine eigenen Fehler an und schließt sich selbst nicht aus der "Generation Beziehungsunfähig" aus, was ihn sympathisch macht - er ist sozusagen "einer von uns". Er scheut sich nicht vor Ehrlichkeit und führt dem Leser Wahrheiten vor. Auch ich musste ein paar mal schlucken, weil er mir neue Sichtweisen eröffnet hat, von denen ich bisher noch nichts gewusst habe.

Michael Nast ist dabei kein Psychologe oder gar Soziologe. Seine Aufsätze beruhen auf eigene Beobachtungen und Erfahrungen, aber auch Berichte von seinen Freunden und generell Gedanken, die einen aufgekommen sind, was auch nicht bedeutet, dass er immer recht hat. Jedoch trifft er den Kern unserer Generation und spricht Probleme unserer heutigen Gesellschaft an, nicht ohne häufig den Kapitalismus und unser Konsumverhalten zu kritisieren. Mir hat besonders der Aufsatz "Die rote oder die blaue Pille?" gefallen, bei dem er auf den Film "Matrix" mit Keanue Reeves referiert. Dieser Aufsatz hat mich besonders beeindruckt, weil er ernstere Probleme anspricht, mit denen wir uns auseinandersetzen sollten außerhalb unserer Comfort Zone namens "Luxusprobleme". Darin ist auch ein politisches Statement versehen, über das man sich selbstverständlich streiten kann. Für mich jedoch hat es ihn als Menschen und Autoren noch mal in ein anderes Licht gerückt. Er setzt sich sehr intelligent und reflektiert mit dem Thema auseinander.

Generell überzeugt Nast über Tiefe und dadurch, dass er sich nicht scheut Wahrheiten auszusprechen. Allerdings kommen wir dennoch viele Passagen sehr oberflächlich vor, vor allem wenn er distinktiv über Männer und Frauen spricht. Da hätte ich mir eine breitere Sichtweise gewünscht. Zum Beispiel kritisiert er mehrmals, dass Frauen immer gekünstelter wirken, eine Maske aufsetzen, sich immer mehr einander gleichen. Klar, er spricht wieder unseren Kapitalismus an und wie JEDER Mensch davon betroffen ist, aber mir hat der Bezug auf das Geschlecht gefehlt. Man muss eben darauf hinweisen, dass Frauen vor allem dank den Medien einem sozialen Druck standhalten müssen, besonders attraktiv zu wirken, um sich in der Welt zu behaupten. Nast hat nicht selten von attraktiven Frauen gesprochen, mit denen er eine Beziehung geführt hat. Das hat mir leider gefehlt. Und auch hat er hingenommen, dass die Männlichkeit in der Biologie verankert ist: Männer sind eben dazu geschaffen, sich fortzupflanzen und nicht in Monogamie zu leben - das ist etwas, was von unserer Gesellschaft festgelegt wird. Auch wenn er dies anerkannt hat, so hat mir immer noch die kritischere Sicht gefehlt. Er hat es einfach so stehen gelassen - eine tiefere Auseinandersetzung hätte aber auch vermutlich den Rahmen gesprengt.

Fazit

 
Das Buch ist in erster Linie dazu da, um gut zu unterhalten. Jedoch kann ich es jedem empfehlen, der sich mit dieser beziehungsunfähigen Generation identifizieren kann. Ich habe mich häufig in seinen Texten wiedererkannt, oft an Stellen, an denen ich es am wenigsten erwartet habe. Es regt zum nachdenken an, ohne zu belehren und kann den einen oder anderen etwas vor Augen führen, worüber er oder sie vielleicht nicht Bescheid wusste.

“Wir sind Schüler von heute, die in Schulen von gestern von Lehrern von vorgestern mit Methoden aus den Anfängen der industriellen Revolution auf die Probleme von übermorgen vorbereitet werden.”
  • Titel: Generation Beziehungsunfähig
  • Autor: Michael Nast
  • Verlag: Edel Germany
  • Seiten: 240
  • Erhältlich als eBook
  • Amazon | Goodreads Michael Nast

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