Samstag, 12. März 2016

Rezension: Vicious


Worum geht's?
Auf dem College waren Victor und Eli Zimmergenossen, beste Freunde, Partner. Sie erkannten Scharfsinnigkeit und Brillanz in dem anderen, was zu einem Projekt in ihrem Abschlussjahr führte, in dem sie Adrenalin und Nahtod Erfahrungen untersuchten. Ihre Erkenntnis eröffnet ihnen eine Welt des Übernatürlichen: Unter den richtigen Umständen ist es möglich außergewöhnliche Kräfte zu erlangen. Doch als sie von Theorie auf Praxis umsteigen gehen viele Dinge schief. Zehn Jahre später bricht Victor aus dem Gefängnis aus und sucht nach seinem ehemaligen Freund, jetzt Feind. An seiner Seite die junge Sydney, die besondere Kräfte besitzt. In der Zwischenzeit ist Eli auf einer Mission um die Welt von den Menschen zu befreien, die diese außergewöhnlichen Kräfte besitzen - abgesehen von seiner Begleiterin, mit einer buchstäblich unwiderstehlichen Kraft. Angetrieben von Erinnerungen über Betrug und Verlust, plant Victor seine Rache - doch wer wird am Ende überleben?


Meinung
Kennt ihr Bücher über Superhelden? Bücher, keine Comics. Ich nicht. Umso erstaunter war ich, als ich durch Vicious herausgefunden habe, dass so etwas tatsächlich funktioniert. Mit einer intelligenten Perspektive nimmt sich Schwab der Superhelden-Thematik an. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um Superhelden wie bei Marvel, und Vicious wird noch ein Stückchen düsterer als Detective Comics. Victoria Schwab entführt uns dieses Mal in eine Neo-Noir Welt in der es kein Gut oder Böse, kein Schwarz oder Weiß gibt.

Ich habe eine Schwäche für Bücher, in denen keiner der Charaktere eine durch und durch gute Persönlichkeit ist. Genau das hat mir Vicious gegeben: Victor ist der Held seiner Geschichte und Eli ist der Schurke. In Elis Geschichte ist er der Held, und Victor der Schurke. Ich finde es erstaunlich beide Perspektiven zu sehen und jede Seite der Geschichte kennenzulernen. Wenn man sowohl den Helden als auch den Bösewicht versteht und mit ihm sympathisiert, hat meiner Meinung nach der Autor etwas richtig gemacht. Auch wenn ich erwähnen muss, dass der Schwerpunkt ein wenig mehr auf Victor gelegt ist, was vor allem an den zwischenmenschlichen Beziehungen liegt: Mitch (der nur gute Absichten hat, die er nur nicht so stark verfolgt) und Sydney (die gerade noch sehr jung, unschuldig und behütet ist) sind seine Sidekicks und sind vermutlich die Charaktere, die am stärksten als "gute Persönlichkeiten" zählen würden. Eli hingegen hin hat Serena und die ist definitiv nicht die Unschuld vom Lande, in vielerlei Hinsicht.

Weder Elis noch Victors Ziele sind moralisch positiv. Victor möchte Rache an seinem alten Freund nehmen - Eli bringt Leute um, nur weil er denkt, es sei seine gottgegebene Mission. Ich muss in diesem Fall sagen, dass ich mehr mit Victor sympathisiert habe, denn auch seine schlechten Eigenschaften sind nachvollziehbar, wie z.B. die Eifersucht, die er Eli gegenüber empfindet (auch wenn man anders mit ihr umgehen könnte). Zudem ist er nicht "evil by nature", wie man z.B. an der Szene mit ihm, Sydney und den Hund erkennen wird. Vor allem im Umgang mit Sydney wird klar, was er eigentlich für ein Mensch ist, denn ihr Wohlergehen liegt ihm sehr am Herzen. Eli hingegen ist ein Narzisst mit einem Gottkomplex, der sich Rechte herausnimmt und sein Leben über andere stellt. Was nicht heißt, dass ich sein Motiv und seine Begründung für seine Taten als Charakter/(Anti-)Held/Bösewicht nicht brillant finde. Ihm fehlt es lediglich an Empathie, die Victor jedoch oft zeigt. 

Die Geschichte wird mit Zeitsprüngen und Perspektive-Wechsel erzählt, was für eine runde, umfangreiche und spannende Erzählung sorgt. Schwabs Schreibstil baut eine ganz neue Ebene auf, sodass man wirklich das Gefühl hat sich in einer Neo-Noir Superhelden Geschichte zu befinden. Zudem sind ihre Beschreibungen stets präzise, aber nie langweilig, denn sie fördern die Szene anstelle sie zu verlangsamen. Hierbei handelt es sich um eine Charakter-orientierte Erzählung - es wird viel Fokus auf die Gefühle, Gedanken und Motive der Figuren gelegt, sie entführen in eine düstere, faszinierende Denkweise, von der man sich nicht so leicht losreißen kann. Obwohl Action an sich nicht der Fokus ist, hat man keine Zeit jemals Langeweile zu verspüren, was vor allem einem Countdown ab Mitte des Buches zu verdanken ist.

Fazit
Victoria Schwab schafft eine düstere, Charakter-orienterte Superhelden Story im Stile des Neo-Noir, bei der man nicht weiß, wer nun der Held ist und wer der Schurke. Anstatt sich in zu viel Action zu verlieren, bietet Vicious eine Tour durch die Denkweise eines Schurken, der sich als Held fühlt und umgekehrt, Charaktere, die nicht gut durch und durch sind und doch Handlungen ausführen, die der Leser nachvollziehen kann und fesselnde Erzählweise, die es schwer macht sich der darbietenden Welt zu entziehen.

Vicious

  • Vicious (2013)
  • Untitled (voraussichtlich 2017)
---
  • Titel: Vicious
  • Autor: Victoria "V.E." Schwab
  • Verlag: Tor (USA), Titan Books (UK)
  • Seiten: 508
  • Englisch-Schwierigkeitsgrad: Mittel
  • Auch erhältlich als eBook

Kommentare:

  1. Hallo liebe Sanne,

    hm, unter Bücher über Superhelden fällt mir als Erstes "Steelheart" von Brandon Sanderson ein, das immer noch auf meinem SuB rumliegt. ^^ Soweit ich weiß, sind die Superhelden da die Bösen, allerdings kann ich keine nähere Aussage dazu treffen, weil ich es wie gesagt noch nicht gelesen habe. ^^

    Dieses Buch klingt unheimlich cool, gerade was die Hintergründe der Charaktere angeht. Ich habe ein leichtes Faible für düstere Charaktere und Einblicke in die Motive der Antagonisten, wobei ich nach deiner Rezi das Gefühl habe, dass ich mit Eli vermutlich deutlich weniger sympathisieren würde. ^^
    Die Idee und die Charaktere klingen auf jeden Fall sehr interessant. Weißt du, ob es sich um einen Einzelband handelt? ^^

    Ganz liebe Grüße ♥♥♥

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Halloo,

      also Brandon Sanderson schreibt mir zu viele Bücher, ich hab keinen Überblick mehr über die. :D Aber ich schau mir das Buch mal an, danke für den Tipp :)

      Mit Eli ist es auch schwer zu sympathisieren, weil er keine Empathie hat. Er geht seiner "gottgegebenen" Mission nach, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich kann aber nachvollziehen, warum er sich so fühlt - bzw. ich finde das Motiv sehr glaubwürdig.
      Victor ist aber auch nicht sehr unschuldig, hust.

      Ich habe gedacht es wäre ein Einzelband, aber die Autorin hat vor kurzem ein Deal mit ihrem Verlag durchgerungen und es wird auf jeden Fall ein zweiter Band erscheinen :) Ich freu mich darüber, aber ich fand das Ende von Vicious so gut, dass ich keinen zweiten Band gebraucht hätte. xD

      LG ♥

      Löschen

Instagram