Montag, 20. Juni 2016

Schreibblockaden und der Weg des Schurken

In den letzten Wochen schlage ich mich mit einer ganz schön miesen Schreibblockade herum. Meine Deadline musste ich jetzt auf Ende Juli verschieben - wobei auch das großzügig gesetzt ist, gegeben dem Klausurenstress, der mir bevorsteht. Einerseits liegt es daran, dass mein Kopf gerade in anderen Dingen steckt (meine Seminararbeit zu Kleopatra schreibt sich nicht von selbst, und Referate und Essays müssen auch erledigt werden), andererseits habe ich das Gefühl, etwas hindert mich daran, an meiner Geschichte weiterzuschreiben. Der Wille ist da - aber wann immer ich Scrivener öffne, schiebt sich ein Riegel vor meinen Kopf.

Eigentlich existieren so etwas wie "Schreibblockaden" für mich nicht - es hat immer einen anderen Grund, warum ich nicht dazu zu komme ein Wort zu Papier zu bringen. "Schreibblockade" ist nur eine Ausrede für ein Problem, dessen Ursache man noch nicht gefunden hat. Ich habe zwar an meiner Geschichte gearbeitet, aber nicht geschrieben. Ich habe versucht, wie schon im vorherigen Post, an meinem World Building zu feilen, damit die Welt meiner Geschichte ein wenig echter und greifbarer wirkt. Das war auch sehr hilfreich, allerdings war nach den Charakteren und dem World Building der Plot dran und ich habe festgestellt... er ist nicht besonders stark.

Das hat mich zunächst frustriert. Ich will es endlich hinter mich haben! Ich will, dass die Leute diese Geschichte lesen! Aber rumheulen bringt nichts, also habe ich das ganze wieder neu aufgerollt. Ich habe eine ganze Hintergrundgeschichte entworfen, auf die der Plot aufbaut. Ja, das hätte ich vielleicht früher erledigen müssen, aber man denkt ja meistens, eine "grobe" Idee, die nur im Kopf existiert und nicht aufgeschrieben wurde, reicht. Da habe ich ganz neue Erkenntnisse sammeln können, was eine tolle Erfahrung war. So habe ich meine Welt besser kennengelernt und verstehe sie auch besser. Allerdings stieß ich vor einen neuen Problem: Der Plot machte plötzlich keinen Sinn mehr.

Das klingt radikal, aber ein wichtiger Bestandteil meines Plots - und zwar Theas Suche nach ihren leiblichen Eltern - stand plötzlich auf glattem Eis. Ein wichtige Faden, der sich durch die Geschichte ziehen sollte, wurde dünn und unglaubwürdig. Doch die Ursache war schnell gefunden: Mein Schurke war nicht gut genug durchdacht. Er ist da, und er redet kein Schwachsinn, aber er war zu zweidimensional. Ich kannte ihn nicht. Die Gründe für sein Handeln waren mir auf einmal nicht mehr nachvollziehbar, weshalb ich wieder einen Schritt zurückgehen musste... und die Hintergrundgeschichte für ihn entwerfen musste.

Natürlich habe ich schon einen Steckbrief für den Schurken geschrieben. Darin ist alles aufgezeichnet: Name, Ängste, Ziele sogar den Klang der Stimme (weil ich ein Freak bin). Das alles ist auch hilfreich, aber nicht hilfreich genug. Ich musste in die Vergangenheit des Charakters gehen, eine ganze Charakterentwicklung entwerfen, auf die der jetzige Charakter basiert. Denn junge Ereignisse sind zu wenig, um ihm wirklich die Rolle des Bösewichts abzunehmen. Diese Dinge fangen bereits vorher an, in diesem Fall schon in frühster Kindheit. Da muss man sich auch solche Zitate zu Herzen nehmen: "Evil isn't born, it's made" (Once Upon a Time) und "You're either die a hero, or you live long enough to become the villain" (The Dark Knight).

Ich glaube, man macht oft den Fehler den Bösewicht einfach als "böse" zu deklarieren. Das ist einfach, und funktioniert in einigen Fällen auch, nur hier nicht - der Charakter ist ein großer Bestandteil meines Protagonisten, und seien wir mal ehrlich, ein Protagonist ist nichts ohne seinen Antagonisten, oder drastischer gesehen - eine Story ist nur so gut wie der Bösewicht in ihr. Bösewichte sind (in den meisten Fällen) auch nur Menschen, die Ziele verfolgen - aber vom Weg abgekommen sind. Ich bin auch froh meinen Schurken besser zu kennen, denn jetzt erkenne ich auch endlich Parallelen zwischen ihm und den Protagonisten (endlich! Ich bin so erleichtert. Ich dachte schon, ich würde den Dialog nicht benutzen können: "We're not so different, you and I." - "I'm not like you! I'll never be like you!" Haha, kleiner Scherz.)

Diese kleine Erkenntnis hat mir geholfen, mich wieder meiner Geschichte anzunähern - jetzt muss ich mich nur wieder aufraffen, den dritten Entwurf fertig zu stellen. Aber ich ahne, dass mir vermutlich noch etwas fehlt, bevor ich ungehemmt lostippen kann - hoffentlich bekomme ich das bald hin.

Wie geht ihr mit Schreibblockaden um?

Kommentare:

  1. Ich weigere mich zu glauben, dass Schreibblockaden an sich nicht existieren, seitdem ich voll motiviert an einem Dokument gesessen bin und kein Wort aufs Papier, pardon, in die Datei bekommen habe. Ehrlich. Ich war voll drin, motiviert, alles zu ändern, aber nichts ging. Blockade eben. xD
    Bei mir war es in den letzten Tagen eher so, dass ich nicht zum Schreiben gekommen bin, weil ich zu k.o. war (jaja, miese Ausrede, aber sich vor den Bildschirm zu setzen, wenn die Augen halb zufallen, ist auch keine Lösung). Dafür habe ich - bewundern Sie diesen galanten Schlenker zum anderen Thema deines wie immer inspirativen Postes - die Hintergrundstory weiter ausgebaut. Wenn auch nicht die eines Charakters, sondern die der ganzen Welt. Was dann auch wieder zu den Charakteren führte. (Und jetzt sitz ich hier, und hab eine Idee, die unabhängig von den Charakteren des aktuellen Projektes, aber in derselben Welt spielt - Cassandra-Clare-Einfluss oder so xD).

    Jedenfalls, es gibt nichts Interessanteres als Antagonisten. Wobei ich da einen eher zweidimensionalen (ich weiß, dass der eine Geschichte hat, er schweigt mich nur hartnäckig an - das finde ich nicht okay. Ich habe ihn schließlich geschaffen.) und einen der gegenteiligen Sorte habe. Den ich momentan ein wenig zu lieb gewinne.
    Ich habe einmal versucht (und jetzt ist es mit den eleganten Schlenkern endgültig vorbei) den Klang der Stimme einzubauen und bin vollends gescheitert. An der Beschreibung. Bei Stimmen hört's dann bei mir auf, das kann ich nicht mal in der Realität. :D

    Ich drück dir die Daumen, dass du bald wieder fließend schreiben kannst! ♥♥

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    1. Schreibblockaden haben immer eine Ursache, und die muss man finden, um sie zu überwinden. Sie entstehen ja nicht aus einem Vakuum, deswegen meinte ich, dass sie "an sich nicht existieren". Immer wenn ich vor der Datei sitze und nichts geschrieben bekomme, liegt das daran, dass mir etwas fehlt und meine Geschichte nicht gut genug kenne.

      Das ist aber auch eine Ausrede, die ich häufig immer anwende. :D Wenn ich zu müde bin, arbeite ich nie am Entwurf. Aber ich finde, du hast das schon richtig gemacht, dass du dann trotzdem an deiner Geschichte arbeitest, indem du zB eine Hintergrundgeschichte weiter ausbaust. Das kann nämlich NIE schaden.
      HAH! Genau das ist mir auch passiert. :D Ich hab eine Idee zu einem Spinoff bekommen, der im gleichen Universum spielt. xD Aber solange wir keine 5 Spinoffs planen, denke ich, sind wir auf der sicheren Seite. :D

      Bei den Stimmen hab ich es mir auch.. leicht gemacht, sozusagen, hust. Ich beschreibe sie grob, aber ich habe eine echte Stimme für sie ausgesucht. Nämlich Synchronsprecher. xD (Deswegen sage ich ja... ich bin ein Freak..) Thea, meine Protagonistin, hat zB Tanya Kahana (denke an Elena aus Vampire Diaries) als Stimme, während Valon Ozan Ünal (Damon aus Vampire Diaries) hat, und Mikhail Ricardo Richter (Peeta in The Hunger Games). In den Steckbriefen habe ich dann Youtube-Links für den Fall, dass ich eine Auffrischung brauche, wie die Stimmen klingen. xD

      Danke ♥ Wünsche dir auch viel Erfolg!

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    2. Du hast Recht, in der Regel haben sie einen tieferen Grund, aber ich würde nicht gleich sagen, dass sie nicht existieren. ^^

      Danke ♥
      Na ja, ich habe mich schon an das Dokument gesetzt, wenn ich eigentlich zu müde war, aber in der letzten Zeit war das ein bisschen sehr extrem und dann weiß ich von vorneherein, dass ich eh nichts getippt bekomme. ^^
      Das wäre aber schon das potenziell zweite. :x *worry*

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