Samstag, 16. Juli 2016

Rezension: Meer und Mechanik


Worum geht's?

Als der Mond auf die Erde stürzte hat er sie in eine Meerlandschaft verwandelt. Jahrzehnte später wissen die Nachfahren der damaligen Menschen nur noch wenig über die vorherige Welt. Auf der Suche nach Überlebenden überquert ein U-Boot Orion die Wassermassen, während Clara gegen Automaten vorgeht, die das Leben aller gefährden und Harvey kann es kaum abwarten, die Tiefen des Meeres in seinem ersten Tauchgang zu erforschen - nicht darauf vorbereitet, einem Seeungeheuer zu begegnen.


Meine Meinung

Heute darf ich die dritte Steampunk-Anthologie, "Meer und Mechanik" rezensieren. Dieses Mal treten David Michel Rohlmann und Maria Engels nur als Duo auf und zauberten vier Kurzgeschichten für ihre dritte (und letzte?) Steampunk-Anthologie herbei. (Wahrscheinlich steckt hinter dem "Zaubern" eine Menge Arbeit, der ich nur applaudieren kann!)

Mit "Schaufelrad und Echolot" beginnt der Auftakt einer neuen Welt. Auch wenn diese Anthologie im selben Universum spielt wie der Vorgänger - denn die Handlung knüpft an die Ereignisse des vorherigen Teils, "Törtchen und Getriebe" an - so ist die Welt grundlegend verändert. Nur einzelne, damalige Gebirgsspitzen ragen aus dem Wasser hervor und bilden Inseln. Gänsehaut! Ein postapokalyptisches Szenario, wie man es heute selten sieht. Das U-Boot Orion sucht dabei nach Technik und Überlebenden, die sich vielleicht unter dem Meer befinden. Man bekommt ein sehr gutes Bild darüber, wie die jetzigen Menschen so "ticken": Sie haben nicht mehr viel Ahnung von der Technik, die ihre Vorfahren gebaut haben, was die Menschheit wohl in dieser Sache ziemlich zurückgeworfen hat. Allerdings stellten sich mir andere Fragen: Woher haben sie das U-Boot? Es ist klar, dass es schon vor ihrer Zeit erbaut worden ist, aber ich hätte gern erfahren, wer es gefunden hat und was mit demjenigen passiert ist.

Das Setting wechselt mit "Glas und Öl". Wir befinden sich in einer Unterwasserstadt namens "die Stadt".  Clara hat mit einem Leck zu kämpfen und verdächtigt die Automaten, die hinter der Sabotage stecken könnten - und auch hier wird deutlich, dass die Menschen die Technik benutzen ohne zu wissen was sie kann. Was ich durchaus als super und realistisch empfand, denn auch heute verwenden wir Lichtschalter ohne zu wissen, was eigentlich genau dabei passiert, Hauptsache es funktioniert. Der Gedanke ist auch ein wenig gruselig. Dennoch war mir diese Geschichte ein wenig zu kurz. Man erfährt leider nicht viel von "der Stadt" oder von den Menschen, die da wohnen außer von den Mechanikern Clara, Jesse und Prexton. Wie ist das Leben dort? Wer "regiert"? Ist es eine Dystopie? Wie hat sich die Kultur entwickelt? Ich weiß, es ist nur eine Kurzgeschichte, aber solche Details könnte man auch nur in Nebensätzen durchblicken lassen. Ich finde die Idee einer Unterwasserstadt nämlich total faszinierend!

Dieser Aspekt wurde ein wenig in "Tiefes Meer und dunkle Wasser" ausgebaut. Hier tritt Harvey auf, der seinen ersten Tauchgang machen darf, um die Glaskuppeln zu reinigen. Die Stadt entstand zunächst aus einem Restaurant, bis dieses quasi "erweitert" wurde. Ich habe mich an jedes Detail gekrallt, aber da wir uns hier "außerhalb" der Stadt befinden, bekommt wieder nur ein paar Infos. Warum macht Harvey einen Tauchgang? Ist das eine Art Beruf, die er ausübt? Was macht er sonst so? Ich hätte ihn gerne besser kennengelernt, und auch wenn er in der zweiten Kurzgeschichte auch auftaucht, erfährt man leider nicht viel.

"Das Unbekannte und die Gefahren" führt erneut alle Geschichten zu einen Punkt und bilden den Abschluss. Ich finde es immer wieder toll, wie die Autoren es schaffen, dass alles ein vollständiges Puzzlebild ergibt und man am Ende wegen dem Plottwist total baff ist. Das haben sie hier auch geschafft! Hier muss ich kurz anführen, dass ich zwischenzeitig an "20.000 Meilen unter dem Meer" denken musste.. was mich zum Schmunzeln gebracht hat. :) Außerdem hat mir besonders gefallen, dass die Menschen nicht mehr wissen, warum das U-Boot "U-Boot" heißt. Echt tolles Beispiel, wie auch sprachliches Wissen verloren gegangen ist!

Allerdings muss ich bemängeln, dass die Anthologie ziemlich kurz geraten ist (mit 44 Seiten ist es die kürzeste von allen drei) und darunter leidet auch ein wenig der Effekt der Geschichten. Die Idee ist großartig, aber man hätte viel mehr daraus machen können. Die Geschichten wirken stellenweise ziemlich "gehetzt". Man wurde sofort in die Handlung geworfen, was ich normalerweise gut finde, aber man bekommt einfach zu wenig Hintergrundinfos. Ich finde bei solchen tollen Settings lohnt es sich durchaus zu verschnaufen und einfach mal ein bisschen ins Detail zu gehen. Da muss man keine Angst haben, dass es zu langatmig wird - im Gegenteil! Ich hätte auch gerne mehr über die Überlebenden und ihr Leben in "der Stadt" erfahren. Vielleicht hätte das Ende ein wenig mehr Gewicht gehabt (auch wenn es schon so großen Eindruck gemacht hat). Deswegen Charaktere stehen leider auch ein wenig blass dar - genau das, was ich an dem zweiten Teil der Anthologien so mochte. Man lässt ihnen kaum Zeit sich zu "zeigen".

Das klingt alles total negativ (ich mein es nur gut!), was aber nicht heißt, dass die Geschichten nicht trotzdem viel Spaß gemacht haben. Der Schreibstil beider Autoren ist nach wie vor packend und angenehm zu lesen. Die Plotideen und die Verbindung der einzelnen Geschichten ist wieder clever gestaltet, weshalb ich mich freue, in Zukunft mehr von den beiden zu lesen - denn es ist offensichtlich, dass sie als Duo hervorragend funktionieren. :)

Fazit

"Meer und Mechanik" baut auf seinen Vorgänger auf, weist allerdings einige Schwächen im Vergleich zu diesem auf. So bleiben einige Details aus, die zum Weltaufbau hätten beitragen können und da die Geschichten so kurz sind, bekommt man nur einen flüchtigen Blick auf die Protagonisten. Trotzdem weisen die Geschichten wie auch schon zuvor eine clevere Verbindung zueinander auf und gepaart mit dem packenden Schreibstil und den originellen Handlungen macht auch dieses Steampunk-Abenteuer Spaß und rundet die Anthologie-Trilogie mit einem beeindruckenden Ende ab.

Die Steampunk-Anthologien:
Dämonen und Dampfkraft
Törtchen und Getriebe
Meer und Mechanik

Vielen Dank an David Michel Rohlmann für das Rezensionsexemplar!

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