Sonntag, 28. August 2016

FemLit: The Spinster Club series von Holly Bourne


Ich weiß nicht, ob es offiziell den Begriff "FemLit" (kurz für Feminist Literature) gibt, aber ich werde ihn zukünftig für eine bestimmte Art von Büchern benutzen - und zwar diejenigen, die das Thema Feminismus explizit behandeln. Dabei möchte ich mich auf fiktive Romane konzentrieren, wobei vielleicht das ein oder andere Sachbach vorkommen kann. Was mir am Herzen liegt, ist, den Leuten das Thema Feminismus ein wenig näher zu bringen und Bewusstsein zu schaffen. Meistens haben die Bücher, die ich von nun an vorstellen werde, mir etwas auf dem Weg gegeben, was ich anderen ebenfalls nicht vorenthalten möchte.

Vorstellen möchte ich euch heute die Spinster Club Reihe von Holly Bourne. Die aus dem Vereinigten Königreich stammende Autorin erzählt darin über drei Freundinnen, die zusammen den Spinster Club gründen - ein Club, in der sie sich wöchentlich treffen und über alltäglichen Sexismus sprechen. Der Name rührt daher, dass "spinster" (so viel wie "alte Jungfer") immer als etwas Schlechtes gesehen wird, und es kein männliches Äquivalent dafür gibt. Sie haben sich deshalb vorgenommen, diesen Begriff zu reklamieren. 

Am I Normal Yet?

"Am I Normal Yet?" erzählt von Evie, ein Mädchen das schon seit Jahren an OCD, der Zwangsneurose, leidet. Ihre Mutter hat immer noch Probleme damit zu akzeptieren, dass ihre Tochter "nicht normal" ist und versucht auch Evies jüngere Schwester so wenig wie möglich mit diesem "Problem" zu konfrontieren. Evie möchte nichts anderes, als ein normaler Teenager zu sein - sie geht endlich ins College (11. & 12. Klasse) und will nichts verpassen. Ihre Freundin Jane jedoch hat nichts anderes im Kopf als ihren Freund Joel, und vernachlässigt Evie in der Zeit, was dazu führt, dass sie auf Lottie und Amber trifft, die sie quasi in ihren Kreis aufnehmen und sie in das Thema Feminismus einführen. 
Genau das passiert hier auch in dem Buch - der Leser wird durch die fiktive Geschichte mit den Basics vom Feminismus vertraut gemacht, wie z.B. der Bechdel Test - ein Test, der die Stereotypisierung von Frauen in Filmen prüft - oder die Nicht-Existenz des "Manic Pixie Dream Girls" (die Vorstellung eines perfekten Mädchens, die nur existiert, um den Jungen glücklich zu machen). 
Evie erfährt nach und nach, dass es okay ist zu sein wie man ist, und dass man lernt sich selbst zu akzeptieren - und sich nicht den Vorstellungen anderer zu beugen. Das ist das, was die Geschichte nicht nur thematisch feministisch macht, sondern auch von der Erzählung her: Sie behandelt eine psychische Krankheit ohne sie zu romantisieren (was oftmals ein großes Problem im Jugendbereich ist) und sieht eine romantische Beziehung nicht als eine "Heilung" für ebenjene Krankheit. Das Buch endet nicht damit, dass Evie ihren Traumprinzen findet, sondern mit der Erkenntnis, dass sie sich nicht verstellen braucht, um gemocht zu werden.

How Hard Can Love Be?

In "How Hard Can Love Be?" liegt der Fokus auf Amber, die in die USA reist, um ihre Mutter zu besuchen. Diese hat sie nämlich seit zwei Jahren nicht mehr gesehen. Amber muss aber feststellen, dass ihre Mutter kaum Zeit mit ihr verbringt. Langsam kommen auch alte Erinnerungen hoch, die Amber in der langen Zeit verdrängt hatte - warum ihre Mutter immer "krank" und warum sie damals einfach verschwunden ist. 
Dieses Buch behandelt vor allem die Beziehung zwischen Mutter und Tochter, aber auch generell das Thema Familie, und wie man lernt miteinander über seine Gefühle zu kommunizieren. Es geht auch darum, wie man sein niedriges Selbstwertgefühl "überwindet" und man es schafft zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die auch wirklich für einen da sind. Amber hat z.B. ein Problem damit zu akzeptieren, dass es wirklich jemanden gibt, der in sie verliebt ist, denn sie fühlt sich "zu unattraktiv", als dass es wahr sein könnte. Diese Aspekte hat mir sehr gefallen, da es auch ein Problem ist mit dem Mädchen sich heutzutage viel herumschlagen.
Wobei auch der Spinster Club nicht zu kurz kommt, der - da Amber in Amerika ist und ihre Freundinnen immer noch in England - über Skype stattfindet. Das Thema Feminismus macht einen Schritt nach vorne: Es geht darum, wie man selbst Feminismus "ausübt", denn wenn man ehrlich ist, so hat man, selbst wenn man es gut meint, "un-feministische" Gedanken. Amber kämpft gegen ihren internalisierten Sexismus an. Es fühlt sich aber auch nicht an wie eine Lehre, während man das Buch liest, sondern mehr wie eine Erkenntnis, da man sich sehr oft in Amber wieder erkennt. Behandelt wird auf Hinblick Sexismus die Objektivierung des männlichen und des weiblichen Geschlechts, und dass beide gleich "Schuld" sind, dass so etwas überhaupt möglich ist.

What's A Girl Gotta Do?

Während in den ersten beiden Büchern Feminismus ein Nebenaspekt ist, ist es in "What's A Girl Gotta Do?" der Handlungsschwerpunkt. Im Zentrum steht Lottie, die gleich am Anfang des Buches von zwei Männern sexuell belästigt wird. Sie fühlt sich elend, weil sie sich nicht wehren konnte und startet deshalb eine feministische Kampagne: Ein Monat lang will sie jeden Akt von Sexismus ausrufen und herausfordern. Ihre Freundinnen Evie und Amber helfen ihr dabei, und auch ein Junge namens Will, der die Kamera führt. Er selbst vertretet Lotties Ansichten nicht und bezeichnet sich nicht als Feministen, sondern als "Equalisten". Somit hat Lottie einen direkten Opponenten der sie immer wieder herausfordert, und dem sie sich gegenüber rechtfertigen muss, warum Feminismus so wichtig ist. Dabei hat sich Lottie ziemlich viel vorgenommen, denn sie muss sich für die Eliteuni Cambridge bewerben - von der ihre Zukunft abhängt.
In diesem Buch macht Bourne keinen Bogen um egal welchen sexistischen Akt es geht. Dinge wie Catcalling, Slut-Shaming, sexuelle Belästigung, Rape Culture werden behandelt und es wird deutlich, dass die Sachen real sind und jeden Tag passieren. So bekommt Lottie, dafür, dass sie ihre feministischen Videos hochlädt, Mord- und Vergewaltigungsdrohungen, und auch Mädchen, die selbst in diesem internalisierten Sexismus drinstecken, lehnen sich gegen sie auf. Das Buch hat mich zwischendurch ziemlich depressiv gemacht, da es einerseits die Machtlosigkeit ausdrückt, mit denen viele Feministen durch den Tag gehen, andererseits auch, dass so viel schlimme Dinge auf der Welt passieren und man einfach nicht weiß wo man anfangen soll, sie zu verbessern. 
Das Buch zeigt sowohl die positiven, als auch die negativen Seiten die mit Feminismus einhergehen: Wie man mit seiner eigenen Hypokratie umgeht, denn man muss selbst die ganzen Dinge verlernen, die das Patriarchat erfunden hat, um einen zu "kontrollieren" (Cellulite, Rasieren, das Wort "Schlampe" um die sexuellen Entscheidungen einer Frau zu demoralisieren, usw.)
Bourne sagte selbst, sie hatte nur einen kleinen Teil der Gleichberechtigung ansprechen können, was das Buch aber nicht weniger wichtig macht. Es zeigt, wie nötig es ist für sich selbst einzustehen und Bewusstsein zu schaffen. Dass man sich von anderen Leuten nicht den Mund verbieten lassen soll, die Angst darum haben, dass sie keine Kontrolle mehr über dich haben (wie z.B. beim Mobbing). Es zeigt außerdem, dass man sich um andere kümmern soll, aber vor allem auch, dass du dich um dich selbst kümmern musst.

Also?

Für viele mag es sein, dass es ein wenig "too much" Feminismus auf einen Schlag ist, aber ich bewundere Holly Bourne wirklich sehr dafür, dass sie unverfroren und und schamlos aufzeigt, wie viel Sexismus eigentlich noch in der Gesellschaft steckt und was Mädchen als auch Jungen jeden Tag deswegen erleben müssen. Diese Buchreihe ist ein positives Beispiel für gesunde Freundschaften, vor allem zwischen weiblichen Figuren, und Liebesbeziehungen, die auch wirklich gleichberechtigt sind. Man wird nicht "belehrt", wie man es vielleicht oft denkt, man wird eher gebildet, denn man bekommt einen gefächerten Blick auf das, was in der Welt passiert. Die "Spinster Club" Reihe ist ein guter Einstieg um herauszufinden, was Feminismus bedeutet - nämlich Gleichberechtigung. Dabei ist es egal ob man noch keine Ahnung von Thema hat, oder sich länger damit beschäftigt. Man lernt immer was neues dazu.
Ich empfehle diese Buchreihe jedem - aber vor allem jungen Teenagern, denn ich weiß, dass ich diese Buchreihe damals gebraucht hätte, um mich ein wenig selbstbewusster und wohler in meiner Haut zu fühlen.

Mehr über Holly Bourne


Kommentare:

  1. Hallo :)
    ein sehr toller Beitrag! Und eine sehr tolle Vorstellung der Reihe, klingt sehr interssant! Ich hab die Bücher mal auf meine Leseliste gepackt!
    Ich finde das Thema sehr wichtig und vor allem ist es wichtig den Lesern die Augen zu öffnen, aber ohne das man sich dabei belehrt vorkommt. Es gibt leider so viele Bücher die ungesunde Beziehungen als normal darstellen und auch voller Klischees und Sexsimus sind. Schön das es noch anderen Bücher gibt :)

    LG

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    1. Freut mich, ich kann sie nur vom wärmsten Herzen empfehlen!
      Genau der gleichen Meinung bin ich auch. Daher finde ich die "Spinster Club" Reihe auch so toll! Man bekommt eine wunderschöne, witzige und authentische Geschichte erzählt und lernt dabei noch etwas dazu. Ich hoffe auch, dass die Bücher auf Deutsch übersetzt werden, damit die Reihe auch in Deutschland eine höhere Reichweite erfahren. :)

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