Samstag, 22. Oktober 2016

Rezension: Arbeitsbuch für Schriftsteller

Inhalt

Beim "Arbeitsbuch für Schriftsteller" von Tanja Hanika handelt es sich um ein Arbeitsheft, das einen Autoren von den Anfängen seiner Geschichte bis zur Veröffentlichung dieser begleitet. Darin enthalten sind Hilfsmittel, die zur Entwicklung der Idee, dem Plot und der Charaktere beitragen, wie auch zur "Nacharbeit" - was die Überarbeitung, Covergestaltung, etc. angeht - und das Marketing. 

Vorab eine kurze Anmerkung

Jeder Autor hat eine andere Herangehensweise und würde auch anders mit diesem Arbeitsbuch arbeiten. Da ich schon seit einer Weile aktiv schreibe und bereits an meinem zweiten Manuskript sitze, habe ich schon meine eigenen Techniken und Gewohnheiten entwickelt und kann ein wenig Erfahrung mit dem Schreibprozess vorweisen. Dementsprechend bewerte ich das Arbeitsbuch vor diesem Hintergrund.

Was hat mir gefallen?

Zu einem gefällt mir gut, dass es sich um ein großes, aber leichtes Heft handelt, das man ggf. überall mit hinnehmen kann. Es ist immer viel Platz zum schreiben und skizzieren. Das Buch ist nicht durchgängig liniert, was mich auch gar nicht stört, denn so kann man sich seinen Platz selbst einteilen. Dabei ist es sehr gut strukturiert und von der Reihenfolge sinnvoll aufgebaut, wobei man sich selbstverständlich nicht daran halten muss. Nicht jeder fängt entwickelt zuerst die Charaktere bevor er sich an den Plot macht, usw. Ich persönlich habe genau da rein geschrieben auf was ich zuerst Lust hatte oder was mir gerade besser gepasst hat.

Man ist beim Arbeitsprozess auch nicht alleine. Bei manchen Begriffen, mit denen man ggf. nichts anfangen kann, ist eine kleine Erklärung dazu geschrieben. Das Buch bietet auch viele Techniken an, wie man den Plot aufbaut und entwickelt. Darin enthalten sind Schablonen zu Konfliktstationen, die Sieben-Punkte-Struktur (nach Dan Wells), die Dramenpyramide (nach Gustav Freytag) und die klassische Heldenreise. Wie sie funktionieren wird kurz angegeben, aber wer damit nicht vertraut ist sollte recherchieren. Das Buch ist aber auch nicht dafür da, um die Techniken zu erklären - es ist eine Anregung wie man ein besten vorgeht, eine Werkzeugkiste. So kann man alle Plotschablonen ausprobieren. Für jemanden der mit dem Plotten nicht so vertraut ist, oder jemand, der "einfach so drauf los schreibt" und versuchen möchte, Struktur in seine Handlung zu bringen, ist es ideal.

Eine Vorlage für Charaktersteckbriefe ist ebenfalls vorhanden. Die auszufüllenden Punkte sind Genre-unabhängig und lassen sich deshalb flexibel anwenden. Man kann eine Liste von Schauplätzen, eine Kapitelübersicht, eine To-Do Liste und vieles weitere anlegen. Wenn man mit der Geschichte durch ist, bietet das Buch auch eine Korrekturcheckliste. So erinnert das Buch einen daran was noch zu erledigen ist, bzw. gibt einem Ideen was man noch tun könnte.

Was mir besonders positiv aufgestoßen ist, ist die Genre-Checkliste. Da kann man festhalten, welche Richtlinien man einhält und welche nicht und viele mögen das als evtl. überflüssig bewerten, aber so beschäftigt man sich ein wenig intensiver mit dem Genre, oder findet heraus im welchen Genre man überhaupt schreibt, was ausgesprochen wichtig ist für die Bewerbung an Verlage/Agenturen oder für das Marketing beim Selfpublishing. Da das Buch auch nicht im intensiv auf alle Genres eingehen kann, kann der Autor sich hier noch einmal vor Augen führen was er alles in seinem Genre beachten sollte.

Was hat mir nicht gefallen?

Das Buch gibt sich große Mühe universell für alle Schriftsteller zu sein, was ich nur loben kann, es aber nicht optimal funktioniert. Für mich als ein wenig erfahrener Schreiberling war es zum Beispiel kein Problem, die Methode der Heldenreise anzuwenden - aber ein absoluter Neuling müsste da nochmal in Büchern oder im Internet nachschlagen. Ich habe weiter oben gesagt, dass es nicht der Job des Buches ist in dieser Hinsicht zu "informieren", aber ich kann mir vorstellen, dass es für Anfänger auf den ersten Blick abschreckend wirkt. Gleichermaßen fand ich es ein wenig unnötig als "Erfahrene" über die verschiedenen Erzähler-Perspektiven aufgeklärt zu werden, aber das kann für einen Neuling absolut hilfreich sein. Da entsteht eben ein kleines Problem der Zielgruppe, wenn man das so nennen mag. 

Was ich ein wenig schade fand und mir noch gewünscht hätte, wäre wenn es noch zwei oder drei Seiten gegeben hätte, die auf das Veröffentlichen in Verlagen/Bewerben in Agenturen zu sprechen kämen. Der Marketing-Teil ist vor allem auf Self-Publisher abgezielt, die sich selbstständig um die Veröffentlichung, Werbung, Gestaltung etc. kümmern müssen. Da dies aber nicht der einzige Weg ist zu veröffentlichen finde ich diesen Teil des Buches ein wenig unvollständig. Mir hätte eine einfache Checkliste auch gereicht. 


Und der Rest?

Einige Dinge mag/kann ich nicht beurteilen, wie z.B. der Marketing-Teil. Zu einem bin ich noch nicht so weit mit der darin bearbeiteten Geschichte gekommen, da ich ja erst geplant und noch nicht geschrieben habe. Zum anderen bin ich (noch) nicht auf das Selfpublishing fixiert, weshalb ich mich nur neutral dazu äußern kann. Ich fand es dennoch interessant sich mal darüber Gedanken zu machen, auf was man beim Marketing alles achten sollte. Generell ist der letzte Abschnitt im Buch vermutlich für später gedacht, finde es aber gut, dass man Dinge wie Pressemitteilung oder Danksagungen/Widmungen mit eingebracht hat, so wirkt das Arbeitsbuch rund und vollständig.

Fazit



Das "Arbeitsbuch für Schriftsteller" gibt einem genug Werkzeuge in die Hand, um eine Geschichte zu starten, durchzuplanen und - falls man dann so weit sein sollte - zu veröffentlichen. Dabei geben einige Dinge, wie Plotmethoden (sollte man nicht mit ihnen vertraut sein) viele Anregungen und laden zum Ausprobieren ein. Knappe Erläuterungen zu Begriffen und Arbeitsschritten begleiten dabei den Autoren - es kommt aber darauf an, ob diese nötig sind oder eben nicht:

Für jemanden der bereits schon länger schreibt und mit Techniken und Methoden vertraut ist, kann das Arbeitsbuch zur Struktur in Planung und Entwicklung des Projekts beitragen. Allerdings wird er im schlechtesten Fall darin nichts Neues wiederfinden. Für den Anfänger bietet das Buch eine Menge Möglichkeiten neue Techniken kennenzulernen. Allerdings reichen hierfür die Erläuterungen zu den einzelnen Methoden nicht aus, er müsste noch zusätzlich Zeit für die Recherche investieren.  Das Buch bemüht sich zwar universell für alle Autoren zu sein, was jedoch nicht ganz klappt (es ist aber auch schwierig, jeden ideal zufrieden zu stimmen). Das Buch müsste sich auf eine Zielgruppe festlegen ("für Anfänger" bzw. "für Fortgeschrittene).

Zur Vollständigkeit halber hätte ich mir noch ein paar Anmerkungen zur Manuskriptbewerbung an Verlagen/Agenturen gewünscht, aber das ist natürlich auch sehr subjektiv. Ich finde jedoch, dass das Arbeitsbuch das, was es machen soll, innerhalb von knapp 75 Seiten es sehr gut macht: Man entwickelt eine Geschichte in ihren Grundzügen, und das "auf eigene Faust". Das Buch verhilft zur Struktur in Planung und Entwicklung und meiner Meinung nach besser für Anfänger als für "alte Hasen" nützlich.

(Wer sich daraus mehr erhofft, sollte Schreibratgeber lesen oder Seminare zum kreativen Schreiben besuchen - wer etwas "lernen" möchte ist mit diesem Arbeitsbuch falsch beraten!)

  • Titel: Arbeitsbuch für Schriftsteller
  • Autor: Tanja Hanika
  • ISBN: 978-1532793738
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
  • Seiten: 74
  • Preis: 14,98€

Vielen Dank an Tanja Hanika für das Rezensionsexemplar!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Instagram