Donnerstag, 5. Januar 2017

Rezension: In Blut geschrieben - Anne Bishop

Worum geht's?

Unsere Welt ist nicht so, wie wir sie kennen: Ganz oben in der Hierarchie sind die Terra Indigene, oder auch "die Anderen" genannt: Ein Volk, das mit der Natur verbunden ist und in ihrem Territorium keine Menschengesetze gelten. Genau in so ein Territorium stolpert Meg Corbyn, als sie von ihren Aufsehern flieht. Denn Meg ist eine sogenannte Cassandra Sangue, eine Blutprophetin, die anhand von Schnittverletzungen Zukunftsvisionen bekommt. Mit der Erlaubnis vom Gestaltwandler Simon Wolfgard, der quasi-Chef des Terra Indigene Territoriums, darf Meg bleiben - vorausgesetzt, sie arbeitet für die Terra Indigene. Allerdings muss Meg viel lernen: Denn sie weiß weder viel über die Menschen, noch über "die Anderen" und gerät dabei in einen Kampf zwischen beiden Arten.


Meine Meinung

Ich muss erst einmal loswerden, wie wunderschön die Aufmachung des Buches ist! Ich liebe die Farben des Covers. Das wirkt so schön edel und hochwertig, "obwohl" es ein Taschenbuch ist. Auch die Innengestaltung zeugt so viel Liebe zum Detail, weil jede einzelne Seite verziert ist. Großes Lob an den Designer!

Der Klappentext lässt nicht viele Details durchblicken, dementsprechend "ahnungslos" bin ich in das Buch eingestiegen. So mag ich das am liebsten - denn da wird man öfter überrascht! Und in diesem Fall positiv. Auch wenn der Prolog mich ein wenig verwirrte, weil er viele Informationen preisgibt, so fand ich die Mythologie um die Weltordnung spannend. Ich wusste nicht so recht, was ich mir unter den "Anderen" vorstellen sollte, aber das hat sich schnell geklärt: Tatsächlich sind damit u.a. Werwölfe, Wervögel, Vampire etc. gemeint. Ich finde dieses Konzept wunderbar originell! Das hebt diese Urban Fantasy Geschichte ein wenig heraus. Dass sie auch nicht im Geheimen leben müssen, sondern sich freiwillig von den Menschen abgrenzen ist auch ein kreatives Detail, das ich sehr an dem Buch schätze.

Das Buch beleuchtet verschiedene Perspektiven. Zu einem haben wir Meg, dessen Perspektive ich am interessantesten fand. Sie ist als Blutprophetin nicht unbedingt ein normaler Mensch, da sie auch nie unter Menschen gelebt hat, sondern gefangen gehalten wurde und anhand von Videomaterial von der Welt draußen gelernt hat. So ist Meg kindlicher und unschuldiger, aber auch ignorant - diese Eigenschaften werden aus sowohl positiver als auch negativer Seite (subjektiv) beleuchtet. Das hat die Autorin wirklich schön dargestellt.
Durch Simons Perspektive lernen wir mehr über die Terra Indigene und den Konflikt zwischen ihnen und den Menschen. Darüber habe ich wirklich gerne gelesen, aber mit Simons Charakter hatte ich ein paar Probleme. Ich verstehe, dass er als Wolf mehr auf tierische Instinkte baut und sich nicht wirklich menschlich verhalten sollte, aber sein aggressives Verhalten war mir doch sehr unangenehm stellenweise, vor allem in Bezug auf Meg. Wenn es die anderen schaffen zivilisiert mit ihr umzugehen, warum auch nicht er? Weshalb er für mich als Love Interest gar nicht zusagt. Da fand ich die Beziehung zwischen Meg und Vlad, einem Vampir, viel besser, gerade, weil er sie nicht anbrüllt und sie sofort zu respektieren scheint. 

Dann werden uns noch andere Perspektiven eröffnet. Einmal von Asia, die versucht mehr über das Courtyard - das Territorium der "Anderen" zu erfahren - am liebsten mithilfe von Simon, den sie dafür verführen möchte. Dann gibt es noch den Polizisten, der den Auftrag bekommt Meg zu suchen, auch wenn er nicht wirklich weiß, was es mit ihr auf sich hat. Leider fand ich die Perspektiven eher überflüssig. Sie haben mich immer aus dem Lesefluss gerissen, besonders wenn ich gerade bei Meg oder Simon "drin" war. Asia war leider ziemlich nervig und auch dämlich, weil sie es nichts auf die Reihe bekommen hat. Die Polizisten fand ich sympathisch, so hat man auch eine menschliche Perspektive auf den Konflikt zwischen Terra Indigene und Menschen, aber all die Infos, die man durch sie bekommt, hätte man auch anders einführen können. 

Auch wenn die Idee sehr originell und spannend ist, finde ich, dass das Buch sie nicht optimal umgesetzt hat. Vor allem der Anfang zieht sich sehr, sehr lange und die Autorin nimmt sich furchtbar viel Zeit um ihre Welt aufzubauen. Das hätte man viel geschickter lösen können. Allein wie viele Seiten sie sich dafür genommen hat, dass ein Charakter Meg erklärt, wie die Pakete im Courtyard organisiert werden... war das wirklich nötig? Ist die Information irgendwie relevant für den Plot? Man hätte viel schneller zur Plotline von Sam gehen können, man hätte die Polizisten früher ins Courtyard schicken können. Hätte man ihre Perspektive nicht beleuchtet, wäre sogar der Spannungsfaktor größer gewesen. Diese Sachen machen das Buch meiner Meinung nach unnötig lang, es hätte locker 100 Seiten kürzer sein können, wenn nicht mehr.
Was das Buch nicht schlecht macht. Ich fand es nämlich stellenweise echt spannend, ich hätte es mir nur in kompakter gewünscht! Das hätte dem Buch nämlich wirklich gut getan.

Fazit


"In Blut geschrieben" profitiert vor allem durch seine originelle Idee und einem spannenden Konzept, sodass sich das Buch von seinen Kollegen im Bereich Urban Fantasy heraushebt. Mit einer andersdenkenden Protagonistin, für die sowohl menschliche, als auch die Terra Indigenische Welt etwas Fremdes darstellt, gelingt es der Autorin dem Leser einer neue Mythologie näherzubringen und eine einzigartige Atmosphäre zu schaffen. Allerdings leidet die Geschichte unter dem langsamen Erzähltempo und zu vielen Perspektiven, sodass das Buch sich in eine unnötige Länge zieht.

Reihe:
In Blut geschrieben - Die Anderen
Murder of Crows (2017?)
Vision in Silver (2018?)
  • Titel: In Blut geschrieben - Die Anderen
  • Originaltitel: Written in Red
  • Autor: Anne Bishop
  • ISBN: 978-3959916110
  • Verlag: Drachenmond
  • Seiten: 516 Seiten
  • Preis: 14,90€

Vielen Dank an den Drachenmond Verlag für das Rezensionexemplar!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Instagram