Sonntag, 22. April 2018

Besprechung: Timeless - Retter der verlorenen Zeit

Worum geht's?

Seit der Zeitkollision existieren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nebeneinander  - in dieser Welt gehören Dinosaurier, Dampfmaschinen und Hoverboards zum Alltag. Mittendrin lebt der 13-jährige Diego Ribera, der begeistert zu seinem Vater, dem brillantesten Erfinder seiner Zeit, aufschaut. Allerdings besteht diese neue Welt nicht ohne Konflikte: Nicht wenige wollen die Zeitkollision wieder rückgängig machen, und als sein Vater entführt wird, muss Diego sich auf ein gefährliches Abenteuer begeben, um die Welt zu retten.


Meine Meinung

Als ich das Buch in der Buchhandlung entdeckt habe, dachte ich "wow"! Das Cover hat mich sofort angesprochen, nicht zwangsläufig aufgrund der wunderschönen Gestaltung, sondern wegen der Sachen, die darauf abgebildet waren. Steampunk, Retro-SciFi, Dinosaurier - für mich war das die perfekte Mischung, und als ich gesehen habe, dass dieses Buch sogar illustriert ist, wusste ich, dass ich es lesen musste.

Armand Baltazar, Autor und Illustrator dieses Buches, ist Art Director (gewesen) für DreamWorks, Walt Disney und Pixar - das sieht man seinem Stil, wie auch dem Inhalt seiner Illustrationen an. Gerade diese Mischung aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hat mich stark an Disneys "Der Schatzplanet" erinnert, der einer meiner liebsten Filme ist, wie auch an WarnerBros' "Der Gigant aus dem All". In einem Interview, das auf Amazon nachzulesen ist, erzählt er, wie er zu der Geschichte gekommen ist. Und da steckt eine Menge Arbeit drin - was die Illustrationen auch verraten, denn man kann sich vollkommen in dieser Welt verlieren, die alle möglichen Genres beinhaltet. Einigen mag das verwirrend vorkommen, oder so, als würde Baltazar sämtliche Genres abspeisen wollen. Diesen Eindruck hatte ich nicht - ich finde, man sollte mehr Mut zu solchen Genre-Mischungen haben, und ich kann Baltazar nur dazu gratulieren, dass er dies im Mainstream-Kinderbuch gewagt hat!

Zwar ist Armand Baltazar ein hervorragender Künstler, allerdings kann er noch einiges an seinem Schreibwerk tun. Denn auch wenn die Geschichte einem spannenden roten Faden folgt, so bleibt vieles auf der Strecke. Diego, der Protagonist, ist durchdacht konzipiert - als Sohn eines Mechanikers und einer Pilotin, der nicht so recht weiß, welche Richtung er einschlagen will, zumal er mit einer Gabe gesegnet ist, mit der er nichts anfangen kann. Besonders hat mir der lateinamerikanische Hintergrund bei Diego sehr gefallen, wie auch, dass seine Mutter Irin ist. Allerdings bleibt jegliches Mitgefühl auf der Strecke. Diego ist zwar ein dreizehnjährige Junge wie jeder andere auch, aber er kann die Handlung nicht so recht tragen, weil ihm Dinge einfach passieren. Er nimmt vor allem in der ersten Hälfte des Romans eine sehr passive Rolle ein und wird von seinen Mitstreitern immer überstrahlt.

Die Gestaltung der anderen Charaktere ist mir auch negativ aufgestoßen. Für mich war Lucy ein klassisches Mädchen aus dem viktorianischen Zeitalter - was sicherlich Absicht war, aber sie hat sich nicht sonderlich von ihren Vorgängerinnen, die man aus dem Jugendbuch kennt, abgehoben, weshalb mich ihr Charakter erst gelangweilt und dann genervt hat. Ähnlich geht es mir mit Paige, die für mich als "sassy female black character" ein wahnsinnig überholtes Klischee darstellt, was ich sehr schade fand. Mir kam es so vor, als wäre das die einzige Eigenschaft, die es wert war zu betonen.

Generell kann man sagen, dass dem Roman Emotionen fehlen. Es passieren einfach Random Sachen, die eigentlich normal für Abenteuerromane sind, allerdings hab ich nicht den Eindruck gehabt, als würde sich sonderlich viel entwickeln. Man merkt dies vor allem an der Freundschaft zwischen den vier Hauptcharakteren (Diego, Petey, Lucy und Paige), die nur schleppend vorankommt. Es hat dann auch mehr verärgert als wirklich dazu beigetragen, weiterzulesen, wenn wieder etwas passiert, was eigentlich nur die Reise aufhält, anstatt der ganzen Geschichte mehr Inhalt und Emotion zu verleihen. Irgendwann war ich soweit, dass ich schnell gelesen bis überflogen habe, um zur nächsten Illustration zu kommen, weil diese meiner Meinung nach die Geschichte besser erzählt haben, als das Geschriebene.

Man kann Kindern durchaus mehr zutrauen als platte Abenteuergeschichten. Man kann den Charakteren auch drastischere Entwicklungen verpassen, Kinder sind durchaus intelligent genug, um dies zu verstehen. Was man aber vielleicht nicht machen sollte, ist, Charaktere auf Französisch sprechen zu lassen, weil das nur verwirrt.

Mir hat das Setting jedoch sehr gefallen. Ich fand die Gestaltung der Stadt Chicago super spannend und kreativ umgesetzt. Man merkt, dass Baltazar sich viele Gedanken zum Weltkonzept gemacht hat. Umso gespannter bin ich auf die Verfilmung, die für das Buch in Pre-Produktion gegangen ist. Wie Baltazar es schon selbst gesagt hat - Bild und Text sind völlig verschiedene Medien, um eine Geschichte zu erzählen, und das zeigt dieses Buch sehr deutlich.

Fazit

Dennoch möchte ich das Buch nicht unter dem Durchschnitt bewerten - ich finde, die Mühe und der Mut, den Armand Baltazar in das Buch gesteckt hat, sollte durchaus gewürdigt werden. Gerade illustrierte Bücher für diese Zielgruppe werden immer seltener, was sehr schade ist. Es ist nochmal eine andere Weise, in die Welt des Buchs abzutauchen. Mir hat die Welt wirklich sehr gefallen und ich habe mich gerne in ihr bewegt, allerdings bleibt der emotionale Gehalt der Geschichte auf der Strecke, und es fällt schwer, mit den Charakteren mitzufühlen. Auch wenn Diversität hier versucht und auch angegangen wird, so geht die Dreidimensionalität der Figuren in bekannten Stereotypen verloren. Ich bin jedoch gespannt auf die kommenden Buchprojekte von Baltazar, weil er durchaus die Vorstellungskraft besitzt, die sich viele Autor*innen wünschen.

Timeless - Retter der verlorenen Zeit
  • Titel: Timeless - Retter der verlorenen Zeit
  • Autor: Armand Baltazar
  • Verlag: cbj
  • Seiten: 624 Seiten
  • Preis: 19,99€
  • Empfohlen ab: 12 Jahren
  • Erhältlich in jedem Format
Vielen dank an cbj/das Bloggerportal für das Exemplar!

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