Donnerstag, 30. August 2018

Die Götter von Asgard - Liza Grimm


Die Studentin Ray möchte eigentlich Sängerin werden, allerdings geht alles schief. Als sie Kára begegnet, wird sie in die Welt der nordischen Götter gezogen. Prophezeiung? Ende der bekannten Götterwelt? Plötzlich erkennt Ray, dass man Jagd auf sie macht. Als sie flieht, begegnet sie ausgerechnet Tyr, der sie direkt zu seinem Vater, Odin, bringen soll. Als wären die Geschehnisse nicht verworren genug, mischt sich auch noch Loki ein, der seine eigenen Pläne verfolgt.

Eine Heldin für die Götterdämmerung

Weltuntergang, Schlachten, eine Heldin, die den Eisriesen besiegen soll - Action! Das habe ich mir für das das Buch gewünscht. Schließlich bietet die nordische Mythologie eine enorme Vielfalt und Vorlagen, die es erlauben, eine völlig neue Erzählung zu ermöglichen. Leider wurde dieses Potential hier in vielerlei Hinsicht nicht genutzt.

Irritiert hat mich zu Anfang der Name Ray. Denn sowohl im Kontext des irdischen Settings (München), wie auch im mythologischen hört sich der Name sehr merkwürdig an. Eigentlich heißt sie Rachel und hat amerikanische Verwandte, was die Aussprache des Namens zumindest rechtfertigt. Dass ihre Schwester dabei Anna heißt, ist umso irritierender - wie nach dem "Aerith und Bob"-Trope. Vielleicht ist dies ein stilistisches Mittel, um Ray noch mehr aus ihrem Umfeld herauszuheben, aber für mich ist dies nicht sehr geschickt umgesetzt.

Darüber hätte ich hinwegsehen können, aber Ray war zudem leider keine spannende Protagonistin. Sie ist greifbar in ihrem Ausgangspunkt - sie studiert etwas "Vernünftiges", wozu ihre Eltern ihr geraten haben, dabei möchte sie eine Sängerin sein. Mit dieser Situation kann man sich leicht identifizieren, und sie schafft einen Verbindungspunkt zwischen Leser und Figur. Allerdings hätte man daraus einen greifbaren Charakterbogen schlagen können, aber leider bleibt Ray als Protagonistin sehr blass, fast schon langweilig: Sie ist nämlich selten wirklich aktiv. Die Dinge passieren ihr einfach, und in den ersten 70 Seiten ist sie zwei Mal bewusstlos, und sie wird von A nach B gezerrt, muss immer gerettet werden. Irgendwo versteckt sich auch eine eigene Entscheidung, die aber im Großen und Ganzen untergeht, da sie von den Handlungen der anderen, spannenderen Charaktere überschattet wird.

Ihre passive Haltung begünstigt natürlich auch einen schleppenden Handlungsverlauf. Das Tempo lässt leider zu wünschen übrig, und ich habe mich stellenweise gelangweilt. Natürlich muss Ray die Welten erst einmal kennenlernen, allerdings hätte dies auch mit ein bisschen mehr Action ihrerseits passieren können, sodass die Leser*Innen mehr Spaß am Lesen haben. Dafür sind wahrscheinlich die Liebesgeschichten da, aber auch die konnten mich nicht so packen, weil ich die Entwicklung zwischen den Charakteren zu oberflächlich fand.

Schade ist auch, dass sich an den klassischen Figuren der nordischen Mythologie bedient wurde, anstatt die Vieldeutigkeit dieser Sagen auszunutzen. Tyr, Thor, Loki - Namen, die man schon internalisiert hat. Natürlich sind diese Charaktere nicht ohne Grund populär und man kann sich deshalb an ihnen bedienen, allerdings muss man darauf gefasst sein, mit bereits bestehenden Bildern - Stichwort Comics und Filme - zu konkurrieren. Umso stärker müssen diese Charaktere gezeichnet werden, damit man nicht zwangsläufig die Schauspieler im Hinterkopf hat. Dies gesagt, haben mir die Referenzen in dem Buch nicht gefallen, à la "Oh Thor, da gibt es ja diese Comics von dem". Es funktioniert nicht, und stört eher, da es die Magie aus der Handlung nimmt - ungefähr so, als würde man bei The Walking Dead die ganze Zeit über Zombies reden.

Dennoch gefällt mir die Idee des Buches, von einer normalen jungen Frau, die in die Machenschaften von arroganten Göttern hineingezogen wird, super. Auch die Figur von Loki hat, wann immer sie auftrat, ein wenig Unberechenbarkeit in die Handlung gebracht, was sehr erfrischend war.

Fazit

Kennt ihr das, wenn ihr ein Buch unbedingt mögen wollt, aber es nicht könnt? So ging es mir hier. Die Idee verspricht vieles, aber die Umsetzung kann dem meiner Meinung nach nicht gerecht werden. Das Leseerlebnis wird durch die Passivität der Protagonistin, so wie der langsamen Handlung getrübt. Da sich dieses Buch an gerade sehr populären Figuren bedient, hätte es diese noch stärker zeichnen müssen. Leider konnte mich Die Götter von Asgard kaum überzeugen.

Ich danke Droemer Knaur für die Bereitstellung dieses Leseexemplars.

Weitere Meinungen zum Buch bei:

Überblick

Titel: Die Götter von Asgard
Autorin: Liza Grimm
Verlag: Droemer Knaur
Preis: 12,99€
304 Seiten




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