Donnerstag, 27. September 2018

Katja Klengel - Girlsplaining


Ist die weibliche Lust wirklich ein Mysterium? Warum müssen die Körper von Mädchen einer gesellschaftlichen Erwartung entsprechen? In diesem autobiographischen Comic behandelt Katja Klengel die alltäglichen Sorgen von heranwachsenden Mädchen und im Leben stehenden Frauen, und wie bestimmte Verhaltensweisen auf den gesellschaftlichen Druck zurückzuführen sind.

Viva la Vulva!

In Katja Klengels Comic stehen gezielt weibliche Erfahrungen im Bereich der Sexualität, des Körpers und des Alltagslebens im Mittelpunkt. Themen wie die erste Periode, das Körpergefühl im Verhältnis zu gesellschaftlichen Erwartungen, Sex, wie auch oberflächliche Geschlechtererwartungen in Bezug auf Themeninteresse (spezifisch Popkultur) werden in einzelnen Geschichten in einem humorvollen, selbstironischen Ton erzählt.

Das Anliegen des Comics ist es, verschiedene Tabus anzusprechen und die Angst vor diesen zu nehmen. Der Dreh- und Angelpunkt scheint der weibliche Körper zu sein: Klengel versucht, über gesellschaftliche Fremdbestimmung aufzuklären, indem sie "Alltagsprobleme der Frau" dekonstruiert. Sie hinterfragt das Schamgefühl für den eigenen Körper konkret am Beispiel von unrasierten Beinen, wie auch die Herkunft der Tabuisierung der weiblichen Lust und fragt ganz unironisch: "Warum haben wir mehr Angst davor, Vulva als Voldemort zu sagen?"

Viele Aussagen sind ausführlich erklärt, andere unterschwellig eingearbeitet,  wieder andere sind als so unverfroren selbstverständlich dargestellt: dazu gehört u.a. gleichgeschlechtliche Liebe (explizit die Liebe zwischen zwei Frauen) - diese Zusammenstellung hat mir besonders gut gefallen, weil sie zu einem dynamischen Leseerlebnis beiträgt.

Die popkulturellen Referenzen verraten auch die angestrebte Zielgruppe (Millenials) und werden verwendet, um bestimmte Aussagen bildhafter zu untermalen. Dadurch kommen auch Insiderwitze zustande, allerdings kann ich mir vorstellen, dass Leser*innen außerhalb dieser Zielgruppe die Beispiele nicht verstehen - was ich persönlich schade finde, weil ich diesen Comic vor allem jüngeren Leser*innen empfehlen möchte.

Zudem sind die Geschichten auf weiße, cis-gender Erfahrungen beschränkt, was vermutlich dem autobiographischen Charakter des Comics zuschulden kommt. Inwiefern sich Trans-Personen darin wiederfinden kann ich angesichts meiner  eigenen Position nicht beurteilen. People of Colour sind soweit auch nicht vertreten. 

Fazit

"Girlsplaining" ist eine leichtes, humorvolles Leseerlebnis und spricht vor allem tabuisierte Erfahrungen von Frauen an, im Versuch, diese Tabus aufzulösen. Dies geschieht vor allem über popkulturelle und selbstironische Witze, die maßgeblich zur Unterhaltung beitragen. Da der Comic sich jedoch auf autobiographische Erfahrungen stützt, sollte beachtet werden, dass sich hier eine einseitige bzw. individuelle Repräsentation von Frauen wiederfindet.

Ich danke Reprodukt für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.


Überblick

Titel: Girlsplaining
Autorin: Katja Klengel
Verlag: Reprodukt
Preis: 18,00€
160 Seiten, farbig, Hardcover

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