Sonntag, 30. Dezember 2018

Sarah J. Maas - Catwoman


Als Straßenkämpferin ringt Selina Kyle um ihre Existenz und die ihrer Schwester. Als Minderjährige bewegt sie sich in der Grauzone des Gesetzes, bis es ihr auf die Schliche kommt. Nach einem verlockenden Deal flieht sie aus der Stadt, um zwei Jahre später mit einer neuen Identität zurückzukehren. Tagsüber spielt sie die neureiche Holly Vanderhees, nachts wird sie zu Catwoman - eine neue, ernstzunehmende Gegenspielerin für Batwing, dem nicht klar ist, worauf die Katzendame es wirklich abgesehen hat...


Als großer DC Fan habe ich mich besonders über das Erscheinen von Catwoman gefreut. Im Rahmen der Reihe DC Icons, die nun beim dtv Verlag läuft, erscheinen namhafte Helden des DC-Universums. Dabei wurde das Erscheinen von Catwoman vorgezogen, sodass das Buch die Nachfolge von Wonder Woman ist. Bei aller Vorfreude bin ich aber mit einer gewissen Skepsis an das Buch herangetreten. In der Vergangenheit hatte ich keine guten Erfahrungen mit Sarah J. Maas und ihren Büchern gemacht, wobei ich gleichzeitig dachte, dass Catwoman - so, wie man sie kennt - geradezu ein Charakter ist, der wahnsinnig gut zu Maas passt.

Wie viele Leben hat eine Katze wirklich?

Selina ist 17 Jahre alt und muss sich um ihre Schwester kümmern, die an einer unheilbaren Krankheit leidet. Ihre Mutter ist schon lange fort und vom Vater weiß sie auch nichts - das Geld muss anders beschafft werden. Weil Selina weiß, dass sie getrennt werden, wenn das Jugendamt aufkreuzt, versucht sie die ungewöhnliche Lebenssituation unter Verschluss zu halten.

Als Straßenkämpferin hat sie sich unter den (Klein-)Kriminellen in Gotham City einen Ruf ergattert, sie gehört zu den Leopardinnen, die im Ring für Geld gegen jemanden antreten. So ist Selina in der Lage, sich und ihre Schwester einigermaßen zu versorgen. Doch es kommt wie es kommen muss: Selina ist gezwungen aus der Stadt zu fliehen und verbringt fortan die nächsten zwei Jahre im Ausland, bei der Liga der Assassinen, hier angeführt von Talia und Nyssa al Ghūl. Wer sich im DC Universum auskennt, bei dem müssten ein paar Glocken läuten: Es handelt sich um die Töchter des berüchtigten Ra's al Ghūl, ein Öko-Terrorist, der die Erde von der "Krankheit der menschlichen Zivilisation" befreien will (grob gesagt). Hauptsächlich tritt er als Gegenspieler von Batman auf.

Mir gefiel hier, dass sich auf die Töchter al Ghūl konzentriert wird und bei der Ausbildung zu Assassinnen eben nur Frauen berücksichtigt werden. Zumal ich so einen Ansatz der "Origin Story" von Catwoman noch nicht kannte und ich ihn sehr erfrischend fand. Selina lässt durch Flashbacks Informationen über ihre Ausbildung durchsickern. Das Konzept des Matriarchats in der Liga hat mich sehr fasziniert, da Selina als Charakter, aber auch ich als Leserin, die sich mit Selina identifiziert, in ihren femininen Eigenschaften bestärkt wird. Allerdings gibt es auch Schattenseiten, wie zum Beispiel die missbrauchende Beziehung, die Selina zu ihren Ausbilderinnen hatte.

Catwoman bleibt nicht lange allein; schon bald zieht sie die Aufmerksamkeit von Poison Ivy auf sich. Diese wurde hier vollkommen unserer Gegenwart angepasst. Als Veganerin setzt sich Ivy für die Umwelt ein - leider sind Klimawandel und Zerstörung der Erde immer noch ein brandaktuelles Thema, weshalb Ivys Charakter mehr als passend erscheint. Zudem stößt Harley Quinn zu den beiden und sie bilden - auch wenn nicht explizit so im Buch benannt - die Gotham City Sirens. Zwischen Ivy und Harley wird eine lesbische Beziehung deutlich, die aber von Harleys Beziehung zum im Arkham Asylum sitzenden Joker und ihrer psychischen Krankheit überschattet wird. Selina ist eine nicht-wertende Beobachterin dieser Situation und es hat mich positiv überrascht, dass dieser Beziehung viel Raum gelassen wird, wann immer Ivy und Harley anwesend sind.

Ein Katz-und-Maus Spiel

Als Gegenspieler und gleichzeitig als Romantic Interest in Catwoman fungiert Batwing, alias Luke Fox. Obwohl es keine ungewöhnliche Verbindung ist (in den Comics gab es sie schon), erwartet man eher, dass Catwoman und Batman sich gegenüberstehen, aber da für Batman eine eigene Geschichte (die in Deutschland im Januar erscheint) geplant ist, ist dies in diesem Rahmen nicht möglich. Was mir aber nichts ausgemacht hat: Luke, ein schwarzer Ex-Marine, der mit PTBS zu kämpfen hat, ist fast so grimmig wie sein bester Freund Bruce Wayne. Da Bruce nicht in der Stadt ist (aus Gründen, die wir vermutlich in Batman - Nightwalker erfahren werden), muss sich Batwing alleine den Kriminellen in Gotham und damit auch Catwoman stellen. Natürlich weiß er nicht, dass die von ihm bewunderte Diebin seine neu dazu gezogene Nachbarin Holly Vanderhees ist, die er für snobistisch und arrogant hält.

In der Liebesgeschichte hat mir gefallen, dass Sarah J. Maas versucht, Klischees zu vermeiden und damit umso spannendere Konflikte schafft. Ich habe mitgefiebert, sowohl als die beiden sich als Luke und Holly, wie auch als Catwoman und Batwing begegnet sind. Aber hier muss ich das kritisieren, was ich in ihren Büchern immer kritisiere: Zwar kann ich verstehen, da es sich hier um zwei Erwachsene (19 Jahre) handelt, aber mir gefielen die sexualisierenden Beschreibungen beider Charaktere nicht, sowohl aus Lukes als auch aus Selinas Perspektive (beide fungieren als Ich-Erzähler_in). Ich empfand es als sehr unnötig und beunruhigend. Natürlich hat Catwoman einen sexy Charakter, aber da ich sowieso davon ausgehe, dass Luke durch seine Militärvergangenheit und seinem Alter Ego muskulös ist, muss ich nicht nochmal aufgedrückt bekommen, wie groß und hart seine Muskeln sind.

Dennoch: Der Sex hält sich in Grenzen, wie: Sie landen nur fast im Bett, es passiert nicht wirklich, was mir auch zu schnell gegangen wäre. Was die Liebesgeschichte nicht weniger sexy macht, dafür sorgt die Autorin.

Selinas Charakter hat mir sehr gefallen, auch wenn ich einige Stellen im Buch etwas unausgereift fand, wie z.B. in Szenen wo Selina plötzlich ihre Meinung ändert, oder als sie von hier auf jetzt ihre Haltung zu Batwing ändert. Am Ende ergibt es dann doch ein wenig Sinn, aber als Leserin habe ich der Entwicklung nicht ganz folgen können.

Im Nachwort wird ersichtlich, dass Catwoman bezüglich der Darstellung von BPoC Sensitivity Reader hatte, u.a. Jason Reynolds und Nic Stone.

Fazit

Mit Catwoman - Diebin von Gotham City hat mich Sarah J. Maas überrascht. Vielleicht hat es der Autorin mal gut getan, sich von ihren Geschichten über Fae zu entfernen und anderen Dingen zuzuwenden. Meiner Meinung nach hat sie sich hervorragend am Batman-Universum bedient und bekannte Elemente der Comics auf eine Weise eingegliedert, mit der man als Leser*in unterhalten und als Fan freudig überrascht wird. Inwiefern ihr etwas vorgegeben wurde, weiß ich jedoch nicht - es steckt auf alle Fälle viel von ihr drin, was in der Charaktergestaltung zu sehen ist. Mir persönlich hat Catwoman durchweg sehr viel Spaß gemacht, sodass ich über die Kritikpunkte einigermaßen hinwegsehen kann und mich sogar über eine Fortsetzung von ihr freuen würde.

Ich danke dtv für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.


Überblick

Titel: Catwoman - Diebin von Gotham City (DC Icons 3)
Autor: Sarah J. Maas
Übersetzung: Michaela Link
Verlag: dtv
368 Seiten, ab 14, Hardcover

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