Sonntag, 17. März 2019

Sara Wolf - Heartless. Der Kuss der Diebin


Zera ist eine Herzlose. Jemand, dessen Herz in Gewahrsam einer Hexe ist. Sie sieht ihre Existenz bedroht, denn im Königreich wird seit Jahren Jagd auf Hexen und Herzlose gemacht, und ausgerechnet Zera soll das verhindern können! Sie wird in den Königspalast geschickt, um eine Heiratskandidatin für den Kronprinzen Lucien zu mimen. Denn nur wenn sie sein Herz an sich reißt und ihn damit zum Geisel macht, haben die Hexen gegen die Hexenjäger eine Chance - und Zera bekommt ihr Herz und damit ihre Freiheit zurück. Nur hat Zera nicht damit gerechnet, dass aus gespielten Gefühlen echte werden - vor allem nicht, weil sie Prinz Lucien töten muss, um ihr Ziel zu erreichen.

Ich danke Ravensburger für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Ein Herz gegen ein Herz

Seit Ewigkeiten habe ich keine romantische Fantasy mehr in die Hand genommen, da für mich das Genre viel zu repetitiv war oder weil man das Label "romantisch" eher mit "erotisch" verwechselt hat. Damit verteufele ich keine erotischen Bücher, sondern habe es lieber, wenn es einen guten Mix zwischen fluffig, spannungsvoll und sexy ist, ohne, dass es dabei zu kitschig oder toxisch wird. In dieser Hinsicht hat Heartless - Der Kuss der Diebin mich total überzeugt. Mit Zera haben wir eine selbstbewusste Heldin, die sich nicht scheut Kontra zu geben. Ich hatte die Befürchtung, dass es durch die mehreren Heiratskandidatinnen auf ein Bachelor-Szenario hinausläuft, in dem es nur darum geht, dass sich die Frauen gegeneinander ausspielen. Dies wurde hier wenn überhaupt nur wenig bedient, stattdessen spielte der Roman woanders seine Stärken aus.

Beziehung zwischen Zera und Lady Y'shennria

Mir hat es gut gefallen, dass wir die Welt dadurch kennenlernen, als Zera sich in "Lehre" von Lady Y'Shennria begibt, um "Adels-tauglich" zu werden. Noch besser hat mir gefallen, dass man als Leserin miterlebt, wie die beiden stets ihre Differenzen überbrücken müssen, um miteinander auszukommen. Daraus entwächst eine vertrauensvolle Mutter-Tochter Beziehung, dessen Entwicklung fast so vordergründig ist, wie die zwischen Zera und Lucien. Hier hätte die Autorin noch tiefer gehen können, denn die Gespräche darüber, dass Zera eine Herzlose ist und das ganz schlimm für Lady Y'shennria ist, hätten mehr Inhalt haben können, über "du bist kein Mensch, sondern ein Monster" hinausgehen können. Lady Y'shennria war zudem Zeras weibliche Bezugsperson, was ich sehr wichtig finde, gerade weil Zera noch ein Teenager ist und ihre Eltern verloren hat. Darüber sehen viele Jugendbücher hinweg, umso positiver ist es hier aufgefallen.

Beziehung zwischen Zera und Lucien

Vordergründig steht die heterosexuelle Beziehung zwischen Zera und Lucien. Mir hat gefallen, dass Zera nicht "dünn", sondern kurvig und füllig beschrieben wurde. Anscheinend ist das jedoch nicht Standard, denn die anderen Mädchen werden als viel schlanker beschrieben, was mich immer wieder verwundert bei Romanen, die in einem Fantasy-Mittelalter spielen. Die Beziehung lebt anfangs von einem Katz-und-Maus-Spiel, denn beide keifen sich lange Zeit an und ärgern sich auch gegenseitig, woraus eine Spannung entsteht, die mich immer weiter zum Lesen gebracht hat. Es geht nicht darum, dass Lucien hypermaskulin ist und krasse Muskeln hat oder wunderschön aussieht, es geht um seinen frechen, spitzbübischen Charakter, zu dem Zera gut passt, weil sie mindestens genauso unverschämt und scharfzüngig ist. Daraus entstehen spannende Flirts und nächtliche Ausflüge, bei denen die beiden sich näher kommen können. Beide finden sich sexuell anziehend, aber es bleibt erstmal dabei und die Autorin spielt mit der Erwartung der Leserin.

Die Welt

Oberflächlich gesehen handelt es sich hier um ein Fantasy-Mittelalter. Allerdings sprechen die wissenschaftlichen Experimente und die Hexenverfolgungen eher für die frühe Neuzeit. Das Buch hat sich auch weniger nach Burgen und Schlösser angefühlt, sondern mehr nach Puritaner und Dreißigjährigen Krieg. Jedoch erfährt man auch nicht viel von der Welt - man weiß, dass es Hexen gab, die es auch in der Königsfamilie gegeben haben soll, ein schrecklicher Krieg riss eine Kluft zwischen Menschen, Hexen und Herzlosen und das war es eigentlich schon im Groben. Mich hätten noch ein paar Details zur Wissenschaft interessiert, oder zur Gesellschaft generell. Wir haben offensichtlich ein Monarchie und feudale Strukturen, es gibt verschiedene "Schichten" von Adeligen, allerdings war ich mir unsicher über Dinge wie Stellung der Frau und Sexualität. Luciens Schwester war eigentlich Kronprinzessin, aber alle wichtige Entscheidungsträger in diesem Buch sind männlich, da hätte ich mir klarere Ansagen gewünscht.

Repräsentation

In diesem Buch wird niemand explizit als weiß oder BIPoC markiert, dennoch habe ich für mich Lucien ostasiatisch gelesen, allein deshalb, weil die Autorin ihn mit langen, schwarzem Haar und dunklen Augen beschrieben hat. Ob aber eine solche Repräsentation beabsichtigt war, kann ich nicht sagen. Wo es eindeutiger wird ist es bei Luciens Kindheitsfreundin Fione, die nicht nur ein runder, spannend gestrickter Charakter, sondern auch bisexuell* ist. Fione hat zudem mit einem kaputten Bein zu kämpfen und läuft mit einem Gehstock, weshalb sie mit sozialer Marginalisierung zu kämpfen hat. Sie wird jedoch nicht nur über ihre Sexualität oder mobiler Einschränkung definiert - sie spielt zwar eine weniger prominente Rolle als Zera und Lucien, ihre Motivationen und Ziele sind jedoch ausschlaggebend für die Handlung und von dort nicht wegzudenken.

Übersetzung

Hier hatte ich einige Probleme. Zum einen wurde der Titel ins deutsche mit einem englischen Titel übersetzt. Für mich ist es sowieso schleierhaft, wieso man das tut, in diesem Fall ergibt es für mich keinen Sinn, da der Begriff "heartless" nie im Buch selbst fällt, sondern mit "Herzlose" oder "herzlos" übersetzt wurde. Desweiteren gibt es Eigennamen wie Nightsinger, Beneather, Sea Whisper... die mich einfach total rausgeworfen haben. Es kann natürlich sein, dass diese Begriffe geschützt sind und einfach nicht übersetzt werden dürfen, allerdings haben sich die englischen Begriffe sehr willkürlich angefühlt.
Zum anderen findet sich zu Anfang des Buches folgender Hinweis: "Die leicht veränderte Originalausgabe erschien unter dem Titel 'Bring me their hearts'." Nach einer kurzen Recherche fand ich heraus, dass die deutsche Ausgabe "jugendfreundlicher" gemacht wurde. Also weniger Sex in sexy Szenen, weniger Gewalt in Kampfszenen. Ich weiß nicht was ich davon halten soll oder was genau verändert wurde, allerdings finde ich es bedenklich, dass ich im Deutschen quasi ein anderes Buch gelesen habe, als die Leute, die es im Original gelesen haben.


* Fione zeigt Interesse an zwei Geschlechtern (bis jetzt). Obwohl das Interesse an Frauen eindeutig ist, ist das Interesse an dem anderen Geschlecht ambivalent kommuniziert. Ich hoffe in der Fortsetzung auf Klarheit.

Fazit

Mit Heartless - Der Kuss der Diebin habe ich ein romantisches Fantasybuch gelesen, das weder zu kitschig oder zu sehr auf der erotischen Schiene fährt. Hier steht tatsächlich das Will they-Won't they Prinzip an erster Stelle. Als Leserin fiebert man richtig mit, wie weit die beiden gehen und ob sie ihren Gefühlen nachgeben oder nicht - es geht also um sexuelle Spannung und romantische Gefühle, verpackt in einem spannenden Fantasyplot. Für mich war das Buch bis kurz vor Ende noch ein Buch, das ich sehr genossen habe, aber es nicht für etwas super Besonderes gehalten habe. Erst beim Ende (Cliffhanger) bekam ich sofort Lust, nach dem zweiten Band zu greifen und werde es auch sehr wahrscheinlich tun!

Ich danke Ravensburger für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.


Überblick

Titel: Heartless - Der Kuss der Diebin (Band 1)
Originaltitel: Bring Me Their Hearts
Autor: Sara Wolf
Übersetzung: Simone Wiemken
Verlag: Ravensburger
Preis: 18,99€
480 Seiten, Hardcover

Kommentare:

  1. Liebe Sanne,
    eine schöne Rezension hast du da geschrieben. Ich habe das Buch selbst auch noch im Regal stehen und habe nun schon große Vorfreude auf den Roman :)
    Alles Liebe
    Janika

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    Antworten
    1. Liebe Janika,

      danke dir! Dann wünsche ich dir noch viel Spaß bei der Lektüre! :)

      Alles Liebe,
      Susanne

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