Mittwoch, 22. Januar 2020

Leigh Bardugo - King of Scars


Nikolai Lantsov muss sein geschwächtes Königreich wiederaufbauen. Nach dem Bürgerkrieg, der viele zivile und militärische Opfer gefordert hat, steht Ravka als gefundenes Fressen für die umliegenden Nationen dar. Kluge Allianzen müssen eingegangen werden, um die Staatskasse zu füllen und mögliche Gefahren abzuwenden. Das ist nicht einfach, da Nikolai sich nicht nur gegen mögliche Kronprätendenten durchsetzen muss, sondern auch gegen die dunkle Magie, die ein alter Feind in ihm hinterlassen hat. Mit der Hilfe von General Zoya, seiner engsten Vertrauten, und einem jungen Mönch tritt Nikolai eine Reise an, um sein dunkles Erbe zu vernichten und mehr über Ravkas Vergangenheit zu erfahren.

Vorab: Ich empfehle euch, alle Grisha Bücher, einschließlich der Six of Crows-Reihe, vorab zu lesen. Zum einen spoilert ihr euch massiv für diese, wenn ihr King of Scars lest, zum anderen werdet ihr viel mehr Spaß an King of Scars haben, da ihr mit der Welt und vielen Charakteren vertraut seid. Mehr dazu in meinem Lese-Guide. Demnach: Wer die vorherigen Bücher nicht gelesen hat, sollte vielleicht nur das Fazit lesen, weil ihr euch für die vorherigen Bücher spoilert!

Charaktere 

Wiedersehen mit bekannten und Kennenlernen von neuen Gesichtern


Der Hype war groß um King of Scars, denn einer der beliebtesten Charaktere bekommt sein eigenes Buch: Kennengelernt haben wir Nikolai Lantsov im zweiten Buch der Grisha-Trilogie, als jungen, frechen, ehrgeizigen und entschlossenen Prinzen. Der Krieg hinterließ seine Spuren, doch wer Nikolais charmanten Humor und seine selbstverliebten Sprüche vorher mochte, wird sich freuen, dass sich daran nicht viel geändert hat. Neu ist jedoch die düstere Atmosphäre, die seine Laune manchmal umgibt. Er hat über die Magie in seinem Inneren keine Kontrolle, und das bedeutet Instabilität – für seine Regierung, für Ravka. Wir treffen ihn auch in einer anderen Konstellation wieder, die bereits im letzten Grisha-Buch angedeutet wurde: Das Triumvirat der Grisha-Generäle, Genya, David und Zoya. Besonders letztere erhält einen stärkeren Fokus. Zoya bekommt nicht nur ihre eigene Perspektive, sondern man erfährt viel über ihre Vergangenheit und ihre Zeit mit dem Darkling. Ich fand Zoya vorher schon großartig, und das Buch hat mich sie noch mehr lieben lassen. Ihre schroffe, teilweise schon gemeine Art ergänzt sich hervorragend mit Nikolais verspieltem Charakter und macht das Duo super unterhaltsam. Leigh Bardugo weiß, wie man Dialoge schreibt, und diese Stärke spielt sie in King of Scars oft aus.

Auf Nikolais und Zoyas gemeinsamer Reise werden sie von Yuri begleitet, einem junger Mönch, der ein (für mich und die Charaktere) überraschendes Anliegen hat: Er möchte, dass der Darkling (dt. der Dunkle) als Heiliger anerkannt wird. Jemand, der Zerstörung über Ravka gebracht hat, aber auch ein starker und charismatischer Anführer gewesen ist. Seine Anwesenheit sorgt vor allem für Spannungen mit Zoya, die ihm aufgrund des Schmerzes, den sie durch den Darkling erleiden musste, gerne an die Gurgel gehen würde. Er ist offenbar ein ziemlich unbeliebter Charakter, aber er brachte für mich interessante Perspektiven in die Geschichte und war bei weitem nicht so anstrengend wie z.B. der Apparat in den vorherigen Büchern.

Ein letztes bekanntes Gesicht ist Nina, einer der Hauptcharaktere der Krähen-Reihe. Zusammen mit zwei anderen Grisha ist sie in Fjerda unterwegs, um Grisha zu suchen und nach Ravka zu bringen – und ihre verstorbene Liebe in dessen Heimatort zu begraben. Nina ist nach wie vor einer der besten Charaktere im ganzen Grisha-Universum, und ich liebe die Entwicklung, die sie hier durchmacht. Sie findet ihre Bestimmung und verändert ihre Schwächen zu ihren Stärken. Auch sie bekommt ihre eigene Perspektive. Besonders gefiel mir ihr Austausch mit Hanne, einem der Mädchen, die sie in Fjerda trifft. Man lernt sie in diesem Buch erst kennen, aber man fängt quasi sofort an, für sie die Daumen zu drücken. Beide bilden ein dynamisches Team.

…genauso wie Isaak. Von ihm habe ich so gern gelesen, aber wenn ich näher auf ihn eingehe, spoilere ich euch leider. Lasst mich nur so viel verraten: Ich konnte nicht aufhören zu lachen! Seine Kapitel waren immer die unterhaltsamsten und boten eine Auflockerung der sonst ernsten und düsteren Storylines.


Plot

ein zweischneidiges Schwert, aber auf eine gute Weise

Der Plot wurde von vielen kritisiert, vor allem, weil Ninas Storyline nur wenig mit der von Nikolai zu tun hat. Sie hat ihre eigenen Ziele und andere Konsequenzen, aber mir hat es einfach zu viel Spaß gemacht, von Nina und Hanne zu lesen. Die Geschichte war gespenstisch, fast schon wie in einem Thriller. Der Ort um die Wellmother (dt. Quellmutter) und die Springmaidens  war ein zwielichtiges Kloster, wo junge Mädchen lernen sollen gehorsame Ehefrauen zu werden. Man erfuhr mehr über die Kultur der Fjerdans. Nach den Ereignissen aus der Krähen-Reihe habe ich mich über diesen Input gefreut, auch wenn ich finde, dass Nina ein eigenes Buch verdient hat – wahrscheinlich reicht die Zeit und der Umfang auch nicht, um das umzusetzen. Hanne war dabei der interessanteste Charakter. Eine junge Springmaid, die ihre wahre Natur verstecken muss – das spornt Nina an, sie auf ihre Seite zu ziehen. Aber das reicht ihr nicht, sie muss quasi das ganze Ding in die Luft jagen (teilweise bildlich gesprochen :D). Hannes und Ninas Dynamik war super spannend und lässt eventuell sogar auf eine romantische Note hoffen. Nach diesem Ende hoffe ich, dass da noch mehr kommt.

Die Hauptstoryline dreht sich aber, wie gesagt, um Nikolai, Zoya und Yuri. Sie wirkt ein wenig chaotisch, aber vermutlich nur, weil sehr viel Hintergrundwissen um Ravkas Magie und Vergangenheit hinein gestreut wird, und man in vielen Bereichen „umdenken“ muss. Zoya lernt dabei mehr über sich selbst kennen und fängt an, ihre Trauer zu überwinden - und ihre Position als Grisha zu hinterfragen. Machen die Grisha alles richtig? Wozu die Regeln, wer hat sie ihnen auferlegt? Nikolai geht wörtlich an die Grenzen von Ravka, was den Besuch des Shadow Folds (dt. Schattenflur) miteinbezieht. Der „magischste“ Ort in Ravka – und er ahnt gar nicht, wie magisch. Mir gefiel die neue Seite an ihm: Er ist bereit, sein eigenes Wohl für etwas Größeres zu riskieren. Ich weiß nicht, ob ich das dem zwei Jahre jüngeren Nikolai zugetraut hätte. Hilfsbereit, klar, aber es musste auch immer etwas für ihn herausspringen. Der Plot ist weniger Action geladen als der von Nina. Was mir aber sehr gut gefällt, ist, dass man die Welt und ihre Mythen besser kennenlernt, und dass sich hier am Ende des Buches alles zusammenfügt – mit einer großen Überraschung.
Beide Storylines fügen sich problemlos aneinander. Sie sorgen für Abwechslung, und die Unterbrechungen sind meiner Meinung nach an den richtigen Stellen gesetzt, um Spannung aufzubauen.

Ende 

und was ich mir für Band 2 wünsche  


Das Ende hat mich umgehauen. Wirklich. Entweder bin ich sehr nichtsahnend, oder ich hätte einfach nicht gedacht, dass Leigh Bardugo sich das traut. Die Story ist abgeschlossen, aber dennoch bleiben genug Fragen für den zweiten Band. Es wurden neue Kräfte entfesselt, eine Bedrohung in die Mauern von Os Alta geholt, aber man weiß noch nicht, welche Konsequenzen diese mit sich bringt. Ich hoffe auf ein Wiedersehen mit weiteren, alten Charakteren (vielleicht sogar mit unserer Protagonistin aus der ersten Trilogie…), auf mehr Informationen über Ravkas Magie, und auf ein würdiges Ende für diese großartigen Figuren. Ich vertraue Leigh Bardugo da vollkommen, und ich hoffe, es wird nicht das letzte Buch im Grishaverse.

Fazit


King of Scars nimmt das Beste aus der Grisha-Trilogie und der Krähen-Reihe und fügt beides zusammen. Das Buch schlägt eindeutig einen düsteren Ton an, ohne jedoch die märchenhaften Elemente aus den vorherigen Büchern aufzugeben. Leigh Bardugos Entwicklung als Autorin ist deutlich spürbar. Die Dialoge sind dabei noch immer ihre größte Stärke, aber auch der Weltenaufbau wird hier auf die nächste Stufe gehoben. Das Leseabenteuer ist deutlich anspruchsvoller als seine Vorgänger, aber man erlebt wirklich gute Fantasy, zu der es sich zurückzukehren lohnt.

Ich danke Droemer Kmaur für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
Anmerkung: Ich habe den Band überwiegend auf Englisch gelesen und mit der deutschen Ausgabe abgeglichen.


Überblick

Titel: King of Scars. Thron aus Gold und Asche
Autor: Leigh Bardugo
Übersetzung: Michelle Gyo
Verlag: Knaur HC
Preis: 16,99€
512 Seiten, Softcover

Kommentare:

  1. Huhu :)
    ich weiß nicht warum, aber für mich ist es bisher mein unliebstes Buch aus dem Grishaverse. Was nicht heißt, dass ich es schlecht fand. Im Gegenteil. Ich liebe es trotzdem. Und ehrlich? Ich hab das Ende absolut nicht kommen gesehen und habe möglicherweise einen (kleinen lol) Zusammenbruch gehabt :D Ich bin schon sehr, sehr gespannt auf Band 2 :)
    Liebste Grüße
    Kat

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    1. Hi Kat :)
      Ich glaube, es ist auch nicht mein Favorit, auch wenn ich es sehr mochte und es super unterhaltsam fand. Ich fühle so mit dir :D Ich bin dezent ausgerastet als ich das Ende gelesen habe und war nur asfjdfksfsfjs. Ich freu mich umso mehr auf Band 2!!

      Liebe Grüße!

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  2. Liebe Sanne,

    ich muss die Krähen-Dilogie noch lesen und danach ist natürlich King of Scars fällig. Du hast es mir wieder schmackhaft gemacht. Nachdem ich Grisha Ende letzten Jahres endlich kennen gelernt habe.
    Ich freue mich auf weitere Ereignisse im Grishaverse.

    Liebe Grüße
    Tina

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