Donnerstag, 19. März 2020

Ein paar ehrliche Worte zum Lesen und Bloggen

Seit ein paar Monaten fällt es mir extrem schwer nach einem Buch zu greifen, geschweige denn über ein Buch zu schreiben. Dabei war Lesen ein ständiger Begleiter, etwas, was mich eigentlich über fünfzehn Jahren nie in Stich gelassen hat. Ich blogge seit ungefähr sechs Jahren, mal aktiver, vor allem mal sporadischer. Das hat mich belastet, ohne wirklich zu wissen, woher dieser diese Krise eigentlich kommt. Dadurch habe ich mich ein wenig vom Gegenstand Bloggen und auch vom Lesen distanziert, und mir Raum geschaffen, mal gründlich über dieses Problem nachzudenken. 


Unter Druck zu lesen macht mir keinen Spaß.
Viele Verlage haben – was vollkommen verständlich ist – eine Vorgabe, bis wann die Rezensionen stehen müssen. Natürlich, ein neues Buch muss möglichst zu Anfang beworben werden, damit es verkauft wird. Ich habe festgestellt, dass ich dieser Anforderung nicht gerecht werde. Was ich lese ist extrem von meiner Stimmung abhängig. Oder ich entdecke spontan ein anderes Buch, das mir mehr zusagt. Plötzlich liegt das Buch seit Wochen rum und ich frage mich, wann ich überhaupt dazu komme. Ein schlechtes Gewissen plagt mich, denn schließlich bin ich eigentlich zuverlässig. Und dann doch nicht mehr. Das kann mit jedem Buch passieren, wie bei einem Fehlkauf. Was mache ich, wenn ich ein »Fehl-Rezensionsexemplar« angefragt habe? Was, wenn das nicht nur einmal, sondern zwei, drei, vier Mal passiert? Der Fehler liegt vermutlich bei mir.

Lesen war kein Hobby mehr, sondern eine Verpflichtung.
Eigentlich ist das der Traum schlechthin. Für etwas bezahlt werden, das ich liebe. Einige Blogger:innen haben es geschafft, und sie machen ihren Job gut. Sie werden zurecht für ihre Arbeit entlohnt. Ich habe lange gebraucht, um festzustellen, dass ich diesen Weg nicht gehen kann. Im Internet befinden sich mittlerweile viele Leute, die die Dinge, die sie lieben, monetisieren. Daran ist nichts Verwerfliches, aber ich ich kann nicht die Zeit aufwenden, um mir eine größere Reichweite aufzubauen, damit ich am Ende wirklich Geld damit verdiene, weil ich einfach zu viele andere Dinge habe, die ich gerne mache, und die meine Zeit beanspruchen. Und will ich das überhaupt? Rezensionsexemplare sind schon Verantwortung genug. Plötzlich wird das Lesen und Bloggen zu einer Verpflichtung, eine, für die ich mir Zeit einräumen muss, wie für den Haushalt. Schließlich habe ich dem Verlag versprochen, das Buch zu lesen. Und irgendwann kam ich einfach nicht mehr hinterher.

Ich konnte nicht Nein sagen, und planen fiel mir schwer.
Als ich zum ersten Mal mit Verlagen in Kontakt kam, fühlte ich mich wie im Wunderland. So viele Bücher! Und die konnte ich alle lesen! Dabei habe ich mich einfach davon blenden lassen, das Privileg zu haben, mit Verlagspersonen persönlich in Kontakt zu stehen, und quasi alles haben zu können, was ich wollte. Ich kann einfach schlecht Nein sagen, vor allem auf Messen nicht. Irgendwann bin ich dazu übergegangen, nichts mehr auf Messen anzufragen, sondern nach der Messe eine Mail mit Wünschen zu senden. Doch mein Problem war, ein halbes Jahr vorher zu entscheiden, was ich lesen will. In einem halben Jahr kann sich viel ändern, und sobald das Buch ankommt, hatte ich es manchmal nicht auf dem Schirm.  

Irgendwann wusste ich nicht mehr, was ich überhaupt lesen wollte.
Wenn man immer nur Rezensionsexemplare liest, immer die Neuerscheinungen, verliert man schnell alles andere aus den Augen. Ich habe irgendwann nichts anderes mehr gelesen, denn da bleibt eigentlich kaum Zeit, eigens gekauftes zu lesen, oder mal über den Tellerrand zu schauen. 
Das hatte schlussendlich die Konsequenz, dass ich gar nicht mehr wusste, was ich eigentlich mag, weil ich mich zu sehr hab Treiben lassen auf einer Welle von Neuerscheinungen, von denen ich dachte, dass ich sie mag oder mögen müsste. Ich habe mich in letzter Zeit selten bewusst für ein Buch entschieden, das ich wirklich nur für mich, und zwar nur für mich gelesen habe. Nicht für den Blog, für die Reichweite, für wen auch immer.

Das klingt alles so negativ. Dabei liebe ich das Bloggen, ich liebe die Messen, den Kontakt zu den Verlagen. Das Bloggen hat mich Leute kennenlernen lassen, die heute meine besten Freund:innen sind. Dennoch: Irgendwo war ich unglücklich. Das zuzugeben fiel mehr schwer, weil ich das Gefühl hatte, ich würde andere enttäuschen. Was, wenn ich dadurch meine Freundschaften verliere? Ich kein Teil mehr der Community bin? Dabei spielte es keine Rolle mehr, wofür ich das Bloggen eigentlich angefangen habe: Weil ich das Lesen liebe. Jedoch habe ich das Lesen in letzter Zeit nicht mehr geliebt, weil ich es aus vielerlei Gründen tun musste. 

Ich bin aber gerade schon dabei, es zu ändern. Ich wäre dieses Jahr nicht auf die Messe gefahren. Ich habe meine Kooperationen eingeschränkt. Ich greife zu Büchern, die meine Interessen abdecken, aber nicht von Verlagen angeboten werden. Ich versuche, auf mich zu achten, denn das habe ich in letzter Zeit vernachlässigt. Hier trägt niemand Schuld – natürlich nicht! – außer mir wahrscheinlich.

Falls ihr ähnliches durchgemacht habt, oder ihr irgendwelche Tipps habt für mich, dann würde ich mich freuen, wenn ihr davon berichtet.. :)

Kommentare:

  1. Oh ich kann so sehr verstehen, was du hier schreibst!
    Genauso ist es mir Ende letzten Jahres auch ergangen, woraufhin ich ab Januar den Konsum an Rezensionsexemplaren drastisch reduziert habe. Wenn mich ein Buch anspricht, also wirklich anspricht, frage ich es noch an. Aber alles, was mir gefallen könnte, aber nicht so sehr dass ich es mir kaufen würde, wird gelassen. Ich habe mich wie du absolut unter Druck gesetzt gefühlt, durch die Deadlines, durch die vielen Bücher, die mir doch nicht mehr so zugesagt haben. Ich hatte auch ständig den Druck, alle Neuerscheinungen lesen zu müssen und bin kaum hinterher gekommen.

    In den letzten Monaten läuft das aber in einem entspannten Wechsel und das tut meinem SuB so so gut, endlich werden mal die ganzen Bücher gelesen, für die ich zwischen Neuerscheinungen und Rezensionsexemplare einfach keine Zeit mehr hatte.

    Ich glaube der größte "Tipp", der mir geholfen hat, war einfach auf sein Bauchgefühl zu hören und zu merken, dass ich nicht jede Neuerscheinung lesen muss. Und Bücher anfragen? Wenn sie mir gefallen, kann ich sie mir auch kaufen. Da unterstütze ich wenigstens den lokalen Buchhandel auch mit! :)

    Liebst, Lara von Fairylightbooks

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    1. Liebe Lara, vielen Dank für deinen Kommentar!
      Genau so habe ich das auch gemacht mit den Rezensionsexemplaren. Sich zu fragen, ob man das Buch auch wirklich kaufen würde, auf das Bauchgefühl hören, ist eigentlich eine gute Idee, um zu schauen, ob einem das Buch auch tatsächlich so anspricht. Diese Frage werde ich im Hinterkopf behalten, danke!

      Es freut mich auf jeden Fall, dass es dir jetzt damit besser geht! Ich hoffe, ich werde in ein paar Monaten auch an diesem Punkt sein :)

      Liebe Grüße, Sanne

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  2. Huhu liebe Sanne,

    Ich weiß sehr gut, was du meinst.
    Ich bin eine Leseschnecke. Ich lese viel parallel und brauche sehr lange. Einfach weil Uni und Leben mir für alle meine Hobbies und Kontakte wenig Zeit lassen.
    Ich hab mit dem Bloggen angefangen, weil ich gemerkt habe, dass mir Bücher und der Austausch gefehlt haben und ich dem ganzen wieder mehr Raum geben wollte. Aber wie du sagst, teilweise kommt auch der Druck.
    Ich hab eher weniger Verlagskooperationen, aber viele Selfpublisher*innen, die ich auch persönlich kenne und die ich wirklich unterstützen will. Dadurch habe ich auch teilweise mehr Zusagen erteilt als gut für mich war. Und auch Bücher angenommen, die mich nicht interessiert haben.
    Weil ich dachte, dass es ein Privileg ist, Bücher angeboten zu bekommen (Ist es auch!).
    Aber dadurch habe ich meine eigenen (Lese-)Bedürfnisse missachtet und mir mein eigenes Hobby madig gemacht.

    Aktuell arbeite ich daran, wieder mehr auf mein Bauchgefühl zu hören und wieder mehr für mich zu lesen und zu bloggen.
    Danke also für deine ehrlichen, offenen und auch inspirierenden Worte!


    Liebe Grüße,
    Babsi

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  3. Ich verstehe dich da und finde es gut, dass du so offen darüber sprichst. Ich habe anfangs auch gerne das Angebot genutzt, RE zu bekommen, aber dann auch gemerkt, dass ich übertrieben habe und nicht mehr hinterher komme, wodurch ich mich schon mal stark eingeschränkt habe in dem, was ich anfrage. Als es dann immer öfter passierte, dass ich ein Buch gelesen habe, aber einfach nicht genug "Meinung" für eine Rezension hatte, habe ich mich dann ganz davon distanziert. Zwar nehme ich hin und wieder noch Bücher an, aber höchstens eine handvoll übers Jahr verteilt.
    Das hat bei mir auch komplett den Stress rausgenommen. Zwar gibt es immer noch Phasen in denen ich weniger lese oder blogge, aber ich fühle mich nicht mehr schlecht deshalb, weil ich keine Verpflichtung mehr dazu habe.
    Dass du das Problem gefunden hast ist schon mal ein super Schritt, ich hoffe es wird bald besser :)

    Liebe Grüße
    Jacqueline

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